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Altpapier vom Donnerstag

08. Feb 2007 09:07
Er trägt keine Lämmer, war nicht auf dem Cover der deutschen Ausgabe und kauft Wohnungen auch nicht No-To, sondern So-To: Brad Pitt.
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War was? Die deutsche Ausgabe von «Vanity Fair» ist da. Die Begeisterung hält sich in Grenzen.

Mit «Vanity Fair» verhielt es sich am Ende wie mit der Fußballweltmeisterschaft aka «dem Sommermärchen»: Man wollte nur noch, dass es endlich anfängt, damit die Ankündigungen, wie großartig alles wird, endlich aufhören.

Seit gestern liegt das Heft am Kiosk, heute ist es gelesen. Wenn man sonst nichts Gutes über «Vanity Fair» sagen könnte, so müsste man doch eingestehen, dass das Erscheinen des Heftes dem Genre der Blattkritik eine – wie wir neoliberalen Leistungseliten sagen – Hausse beschert hat.

Fix war Netzeitung.de , wo schon gestern schon um 10:23 Uhr eine Roundtable-Gespräch über das «Coffeetable»-Magazin online stand. Spiegel-Online hat auch nicht lang zum Lesen gebraucht, denn Reinhard Mohrs Lektüre wird schon in der 'FAZ' von heute eine Reverenz erwiesen. Außerdem sind kursiv bereits Korrekturen angebracht.

Zum Tenor der Beiträge ließe sich mit dem «SZ»-Leser «stephko» sagen: «Mann ist die schlecht...»

Als einziger «nicht enttäuscht» ist Marc Felix Serrao im 'Tagesspiegel' , der seiner Kritik aber noch eine kritische Würdigung des «Vanity Fair»-Chefredakteurs Ulf Poschardt aka «'Posch Ulfardt', als der er einmal karikiert wurde», anhängt.

«Derart vorhersehbar ist der Spott, den das Blatt auf sich ziehen wird, dass man gar nichts von der eigenen Enttäuschung schreiben mag», gesteht Nils Minkmar in der «FAZ». Kann aber nicht umhin, ein «Aber trotzdem: dieses Cover!» auszustoßen.

Mit dem Cover, «das wahlweise einem agrarwissenschaftlichen Fachmagazin, einem Krankenkassen-Mitgliederblatt oder vielleicht einer Publikation der Gay-Szene ähnelt» (Hans-Jürgen Jakobs in der  'SZ' ), kann tatsächlich niemand etwas anfangen.

«Das changiert doch stark zwischen Hörzu und Bauer-Verlag», notiert Bernd Gäbler in der 'Zeit' . Die Botschaft decodiert Gerd Brendel auf Netzeitung.de: «Nein, das ist keine Ziege, sondern ein Lamm. Das muss man anders deuten, Til Schweiger, Deutschlands Erlöser. Das ist super.»

Uneinigkeit herrscht dagegen über den «Extrem»-Scoop, Michel Friedman zur NPD zu schicken. «Ist glänzend», befindet die «FAZ», «zu den sicherlich besseren Stücken», rechnet den Beitrag die «SZ», « dann ist man als Leser zum ersten Mal gepackt», urteilt Ralph Kotsch in der 'Berliner' , «wenn, dann hätte es Friedman, wie ehedem Günter Wallraff, undercover machen müssen», meint Spiegel-Online. «Eigentlich will Friedmann über die NPD schreiben. Tatsächlich schreibt er über sich», beschwert sich Ulrike Simon in der 'Welt' .

Noch ein paar Details: Allerdings wirken die hefteigenen Rubriken und Kleinformen gegenüber dieser glanzvollen und opulenten Werbeoptik doch ziemlich marginal und zerfieselt. («Zeit»)

Die Schaubilder - «So überleben Sie die Berlinale!» oder auch «Das Universum des Alexander Kluge» - dürften bald bei Gerhard Henschel («Die wirrsten Grafiken der Welt») auftauchen. (Christoph Twickel in der 'FR' )

Besonders verkrampft wirkt leider das Editorial von Ulf Poschardt, der uns mit dem x-ten Aufguss von Roman Herzogs «Unverkrampfter Nation» langweilt. («FAZ»)

Abgesehen davon, dass kein Mensch in Berlin «No-To» sagt (höchstens die, die auch «Telespargel» sagen), müsste es dann schon So-To (South of Torstraße) heißen. Der Alexanderplatz liegt südlich der Torstraße. («Berliner»).

Einen größeren Zusammenhang zwischen Werbung und Werbeumfeld stellt Martin Reichert in der 'taz' her: «Mag Til Schweiger auch in langen Unterhosen und mit Zicklein für Bruce Weber posieren und sich öffentlich für seinen nicht vorhandenen Waschbrettbauch genieren - am Ende des Heftes steht er im kurzen Schlüppi (Hervorheb. NZ) von Skiny herum.»

Das Schlusswort geht an Spiegel-Online:

«It's all about movers and shakers». Ja nee, is' klar.


Mehr im Internet: Die Artikel des Tages

Altpapierkorb

Herbert Reinecker ist tot . Die Biographie des Moralisten unter den Drehbuchschreibern sei noch in den siebziger Jahren von Zeitungen geschönt worden, schreibt die 'Welt' . Dem ließe sich anfügen, dass das Fernsehen das heute noch tut. Reineckers Haussender, das ZDF, sendete in «heute» einen Nachruf, in dem die Zeit zwischen Geburt und der Erfindung des «Kommissar» ausgespart blieb. +++ Manfred Krug ist 70 geworden, es huldigt etwa die 'Welt' . +++ Arena wird größter Einzelaktionär bei Premiere, das nun wieder die Bundesliga im Programm führt. Die 'SZ' berichtet. +++ Die 'taz' informiert über die Wahl bei der Mitarbeiter-KG des «Spiegel». +++ RTL verletzt die Menschenwürde, ist dem 'Tagesspiegel' zu entnehmen. +++ Die «SZ» berichtet von unlauterer Pharmawerbung im Radio. +++ Die heute beginnende Berlinale im Fernsehen ist Thema in der 'Berliner' . +++ Mit Pfarrern im Fernsehen befasst sich die 'FR' . +++ Den Wechsel des «glühenden Antikommunisten» Jeff Gedmin von der Leitung des Berliner Aspen-Insituts zur Leitung von Radio Free Europe vermeldet die 'Berliner' . +++ Harald Schmidt probt mit der WDR-Bigband, die 'Welt' -«Late Night»-Kritik. +++

Der Altpapierkorb füllt sich morgen wieder gegen 10 Uhr.

 
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