Altpapier vom Freitag
26.01.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Der 30. Geburtstag von
'Emma' etwa, der - soll man sagen: bezeichnenderweise - bei «taz» und 'FR' gewürdigt wird, kommt um die Frage nicht umhin, ob «Emma» noch zeitgemäß ist.1977, das ist lange her, aber andererseits gibt es
so was ja auch immer noch.«Einerseits, andererseits» ist dann auch der Tenor der Würdigungen.
Frigga Haug, emeritierte Soziologie-Professorin aus Hamburg, sagt das in der
'taz' etwa so:Das Problem ist eine Struktur von Öffentlichkeit, die eine Reproduktion von Macht so betreibt, dass die bunte Vielfalt der Versuche, sich selbst zu emanzipieren und dabei die gesellschaftlichen Bedingungen so zu verändern, dass die eigene wie die Emanzipation aller überhaupt möglich ist, aufgesogen wird in einen Kurs, der die Reproduktion des alten Patriarchats sichert.
Eine schöne Pointe im Verhältnis zwischen Außen- und Binnenwahrnehmung haben Jutta Meyer-Siebert und Karen Haubenreisser in ihrem Beitrag, ebenfalls für die
'taz', bemerkt:So ist es fast schon ein Witz, dass mitten in diese schwierige Phase des Umbruchs, in der fast alles neu bedacht werden will, die bundesrepublikanische Presse, - allen voran FAZ und Spiegel - mit hochrotem Kopf die Gefahr des Feminismus für Frieden und Ordnung beschreit.
Andere offene Fragen: Was soll man von der deutschen «Vanity Fair» erwarten? Die «SZ» (Seite 15) schreibt viel, weiß aber auch nichts Genaues.
Vielleicht ist Til Schweiger der Held auf dem ersten Cover. Vielleicht nicht. Vielleicht ist das Heft 1 die Wundertüte, aus der man seriösen Klatsch und seriösen Journalismus ziehen kann, wie Poschardt andeutet. Ganz sicher wird seiner Mannschaft bei einem wöchentlichen Produktionsrhythmus und 50 Auswürfen im Jahr bald die Prominenz ausgehen.
Und die
'NZZ' fragt sich, ob die Nationalität von Tätern und Opfern bei der Berichterstattung über Straftaten eine Rolle spielt. Grund ist ein Vorstoß der rechtslastigen SVP, die darum fürchtet, dass «das Problem der Ausländerkriminalität durch die Linken und Netten 'eingebürgert' wird».Die «NZZ» nun wägt sehr genau ab:
Man kann also den SVP-Vorstoss als Anregung verstehen, möglichst differenziert zu berichten. Dies stellt eine zentrale Aufgabe der Medien dar. Dann wird es aber kaum genügen, nur die nationale Herkunft eines Täters kenntlich zu machen. Fragen nach den sozialen Hintergründen drängen sich auf. Aus Platzgründen können sie nicht in jedem Bericht beantwortet werden. Dennoch kommen Zweifel auf, ob mit der Nennung der Nationalität eigentlich Wesentliches gesagt wird oder ob damit nur auf Konsumentenerwartungen reagiert wird. Der SVP-Vorstoss hatte allerdings kaum beabsichtigt, solche Zweifel zu wecken.
Das kann man Ausgewogenheit nennen.
Bei so vielen nicht beantworteten Fragen fällt Martin Unfrieds Bekenntnis in der
'taz' ungeheuer aus dem Rahmen: ein unglaublicher Artikel, in dem es um die große Sympathie für Frank Plasberg und dessen unsympathischen Spritverbrauch geht. Der Beitrag gipfelt in der nicht anders als steil zu nennenden These: «Folglich führt der Weg zum Klimaschutz in Deutschland nur über die Gefühle von Frank Plasberg. » +++ Ab ins Netz: Die Berliner Universität der Künste hat eine Pressekonferenz in «Second Life» gegeben, berichtet die 'taz'. +++Der Altpapierkorb füllt sich Montag wieder gegen 10 Uhr.
Für das Web ediert von Matthias Dell

