Altpapier vom Mittwoch
10.01.2007
Herausgeber: netzeitung.de
Das war schon die Genscher-Geschichte, und wer hofft, Hinweise auf die wenigen der circa 2001 Gäste zu finden, die die Contenance nicht behielten, ist in der
'FAZ' natürlich falsch. Wobei es dort im Feuilleton auch schon süffisantere Glossen gegeben hatte.Um zu erfahren, was sich hinter den «allerlei Leckereien» («FAZ») verbarg, ist das
'Hamburger Abendblatt' eine gute Adresse - nicht allein, weil die «Mega-Party» im Hamburger Kaispeicher B stieg, in dem demnächst das (nicht überall begrüßte) 'Maritime Museum' des früheren Springer-Chefs Peter Tamm eröffnen wird.Peter Heinlein kommentiert fürs Springer'sche Lokalblatt die Gästeliste (Sabine Christiansen: «extrem schlank», «Ex-MTV-Schnatterzunge Sarah Kuttner» ... ...), ohne dabei die «Hamburger Krabbensuppe» und den «Apfel-Korinthensalat», an dem die «Seezungen-Lachsroulade» gereicht wurde, aus den Augen zu verlieren.
Falls Frau Christiansen wirklich extrem abgenommen haben sollte, so hat das zumindest ihre Herzlichkeit nicht gemindert - sich davon persönlich zu überzeugen,
gestattet «welt.de».Der zukünftig führende integrierte Newsroom der Springer-Presse hat überdies seinen Neuzugang Ulrike Simon entsandt. Sie sah ebenfalls Hans-Dietrich Genscher («plauderte mit Ulrich Wickert»), interessierte sich dann aber doch mehr für die Zukunft des «Spiegel» bzw. die Kämpfe um Stefan Austs Nachfolge:
«Das neueste Gedankenmodell sieht eine Doppelspitze vor, so wie es einst, als Augstein sowieso das letzte Wort hatte, ...üblich war. Da wäre Matthias von Blumencron, der Chefredakteur des zukunftsträchtigen 'Spiegel Online', den jedoch zu wenige als politischen Kopf sehen. Diese Schwäche, heißt es, könnte durch Gabor Steingart, den weniger beliebten, jedoch ambitionierten Leiter des Hauptstadtbüros, kompensiert werden»..
Zurück zur Hauptsache:
«Im Erdgeschoss heizte ...der 1976 geborene Hamburger Hip-Hopper Jan Delay die Stimmung ein», bzw. «durften dann die Kalorien zur Musik des Hamburger Rappers Jan Delay und seiner Formation wieder runtergetanzt werden» («Abendblatt») bzw. «verwandelte» Delay «mit seiner Funk-Combo den Speicherboden in eine Hüpfburg. Die letzten Tänzer sollen um sechs Uhr morgens nach Hause geschickt worden sein» («FAZ»).
Mit dem Ernst derer, die nicht mitfeiern durften, sondern bloß «kress» gelesen haben, berichtet übrigens der
'Tagesspiegel' von «Bedrohung der Pressefreiheit von innen», von der geredet worden sei.Doch das Blatt aus der Verlagsgruppe Holtzbrinck hat natürlich auch anderes im Sinn. Schließlich hat diese Verlagsgruppe «über 50 Millionen Euro» oder auch doppelt soviel Geld für «StudiVZ» ausgegeben. Nun «fragen sich viele: Wie kann man mit einer Internetgemeinschaft Geld verdienen?»
Antworten geben u.a. «StudiVZ»-Vertreter Michael Brehm, aber auch Michel Lindenberg von «Stayfriends».
Und der hat einen heißen Tipp für Strategen, die die einen oder anderen 50 Mio. in der sog. Kriegskasse haben: «Durchaus möglich», «bei einem entsprechenden Angebot», dass auch diese Internetgemeinschaft zu verkaufen ist. Man muss sich halt an die US-Mutter Classmates.com wenden, so wie man sich, wenn man ein Brötchen kaufen möchte, ja auch nicht ans Brötchen wendet, deutet Lindenberg in bestechender Investoren-Argumentation an.
Am Donnerstag füllt sich der Altpapierkorb wieder gegen 10.00 Uhr.
Für das Web ediert von Christian Bartels

