Altpapier vom Mittwoch
22.11.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Vielleicht nicht mehr lange, malt der «Tagesspiegel» einen Teufel an die Wand.
Unter der Überschrift «Kampf der Kulturen» geht es en detail um die Klage, die die «SZ» und «FAZ» gegen das Online-Feuilletonmagazin eingereicht haben.
Der Vorwurf laute «Rezensionsklau» bzw. Verletzung von Urheber- und Wettbewerbsrechten. Am Donnerstag wird am Landgericht in Frankfurt am Main ein Urteil erwartet, das «wegweisend für alle, die im Internet mit Inhalten anderer arbeiten», sein könnte.
Für die Perlentaucher könnte es im schlimmsten Fall «existenzbedrohend sein».
Der «Tagesspiegel» schlägt einen sehr großen Bogen um «das weitverbreitete Internet-Problem, dass Dritte mit Inhalten und Namen anderer Profit machen».
So wie US-Journalist Robert Tur wegen Urheberrechtsverletzung gegen das Videoportal Youtube klagte, so «ähnlich der Vorwurf an 'Perlentaucher'. Das Magazin stehle den Ursprungsgedanken und mache damit Geschäfte», zitiert das Blatt Kläger-Anwalt Reinhard Gaertner .
Auch weitere Zitate von Druckzeitungs-Verantwortungsträgern deuten auf angespannte Nerven. So sagt Roland Gerschermann, einer der «FAZ»-Geschäftsführer: «Die 'FAZ'-Rezension selbst liest keiner mehr, weil die Kernsätze von 'Perlentaucher' neben dem Buchangebot stehen».
Und: «'Perlentaucher' beutet mit dem Verkauf an Buecher.de die Arbeit unserer Autoren aus».
Dabei obliegt gemäß traditionellen, aus der analogen Ära übernommenen Geschäftsmodellen die Ausbeutung der Autorenarbeit doch den unmittelbaren Arbeit- und Auftraggebern.
Hier geht es zum ganzen Artikel des «Tagesspiegels»; wenn Sie dorthin klicken, schenken Sie bitte auch den dortigen Anzeigen Beachtung. Die ermöglichen es, dass solche Texte im freien Internet stehen.Überhaupt entdecken die Druckzeitungen das Internet jetzt so richtig, berichtet die
'Berliner Zeitung'. Anlass ist sozusagen die Torte mit der Aufschrift «Vorsicht! Abstand halten!», die «Spiegel Online» den Kollegen von «Welt.de» zur Newsroom-Eröffnung verehrte.Auch in anderen Newsrooms wird emsig ausgebaut. «Bis zum Jahresende wollen wir die Anzahl unserer Redakteure verdoppeln», wird ein «Sueddeutsche.de»-Sprecher zitiert. «Stern.de»-Chefredakteur Frank Thomsen verspricht, 2007 mit einem «Feuerwerk neuer Ideen» zu überraschen.
All diese Dynamik kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass deutsche Tageszeitungen auf dem Online-Markt im weltweiten Vergleich eher hinterherhinken, dass weiterhin ein Auflagenrückgang zu verzeichnen ist
('ftd.de' berichtet über dadurch getriebene «neue und heiße» Duelle um Sonntagszeitungsleser), dass es einigen traditionellen Titeln schlecht geht.Ebenfalls die «Berliner Zeitung» berichtet unter Berufung auf den Branchendienst
'Medien aktuell' von der fortgesetzten «finanziellen Talfahrt» der «Frankfurter Rundschau» (der sich die «Berliner» durch ihren ehemaligen Chefredakteur Uwe Vorkötter verbunden fühlt).Weiterhin erhoffter Ausweg: konsequente Verkleinerung von Redaktion und Zeitung. Eine Probeausgabe der geplanten Tabloid-Ausgabe sei frisch «fertig geworden« und soll «Lesern und Anzeigenkunden testweise vorgelegt werden».
«Ich bin mir sicher, dass der Killer, der Anna getötet hat, auch schon beseitigt wurde.
...
Nur wir Journalisten selbst können etwas ändern. Und dafür müssen wir ehrlich arbeiten. Wenn nur einer die Wahrheit schreibt, kann er getötet werden. Wenn aber Tausende das tun, dann nicht. Man kann nicht alle Journalisten vernichten».
Starkes
'taz'-Interview mit der Journalistin Olga Kitowa über die Ermittlungen im Mordfall Anna Politkowskaja.Am Donnerstag füllt sich der Altpapierkorb wieder gegen 10.00 Uhr.
Für das Web ediert von Christian Bartels

