Altpapier vom Dienstag
24. Okt 2006 10:05, ergänzt 11:05
 |  Hunde zicken nicht so herum | Foto: dpa |
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In den neuen Pressefreiheits-Charts ist Deutschland abgerutscht. Doch die Medienbranche jault auf hohem Niveau. Heute erscheinen «Dogs» und «Deutschland sucht den Superhund».
An diesem Dienstag erscheinen die neuen Pressefreiheits-Charts, in denen
Bolivien vor Deutschland
rangiert. Am Morgen ist die komplette Liste nur
auf englisch
zu haben.Fast scheint, als hätten
der
Mord
an Anna Politkowskaja und die folgenden Berichte über die diversen «Deathwatch»-Listen (siehe
Altpapier)
Aufmerksamkeit vom Thema abgezogen. Neben Agenturmeldungen gibt es natürlich den
einen
oder
anderen
Bericht,
am
ausführlichsten
in der «FAZ».
«Von allen EU-Mitgliedern am schlechtesten» schneidet Polen ab, notiert sie, und zitiert «Reporter ohne Grenzen»-Sprecherin Katrin Evers zur Lage in Russland: «Wir beobachten vor allem mit Sorge, daß das halbstaatliche Unternehmen Gasprom nach den elektronischen Medien nun auch die Printmedien unter seine Kontrolle bringt».Was die verschlechterte deutsche Position betrifft: «Hier schlägt wie erwartet die über zehn Jahre währende Bespitzelung von Journalisten durch den Bundesnachrichtendienst zu Buche» («taz»).
Zu diesem Thema hat Andreas Förster, selbst einer der Bespitzelten, heute eine Fortsetzung. Sie bezieht sich auf die Fortsetzung früherer Berichte (siehe
Altpapier)
des «Focus» darüber, wie die u.a. aus derselben Affäre als «Schattenmänner» bekannten Wilhelm Dietl und Uwe Müller im Münsterland die «hochbetagte Mutter» des früheren BND-Chefs August Hanning aufgesucht hätten; auch um «Focus»-Redakteur Josef Hufelschulte und einen «Streit um die Bockwurst» geht es.
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zur «Berliner Zeitung».Deutlich wird: Im internationalen Vergleich jault Deutschlands Medienbranche (Platz 23) auf hohem Niveau.
Erst recht an diesem Dienstag, an dem der größte Medienkonzern des Landes zwei Startschüsse abgibt, die auf den Kanälen Print
(Gruner+Jahr-Zeitschrift 'dogs',
jetzt am Kiosk) und Fernsehen (
'Top Dog – Deutschland sucht den Superhund!',
abends auf Vox) der Bertelsmann AG möglichst synergetisch neue Zielgruppen erschließen sollen.Der von Gruner+Jahr versprochene Onlineauftritt wurde nun doch
freigeschaltet.
Und an Wortspielchen mit Hunden in der begleitenden Berichterstattung herrscht kein Mangel:«Ein großes Geschäft/ Gassi-Gehen im Rudel: Vox und G + J kommen auf den Hund» («SZ», S. 17), «des Pudels Kernkompetenz» (André Mielke,
'Welt');
«der Verlag macht ganz schön viel Lärm um sein neues Produkt. Aber wer sich mit Hunden auskennt, weiß: solche, die bellen, beißen nicht» (Ralf Mielke,
'Berl.').
'taz':
«Bark Avenue».Beim ausgeruhten Vergleich stellt die «FAZ» (S. 44) fest, dass «der Ansatz der Zeitschrift zur Show etwas vergeistigter» sei, zum Beispiel: «Wie dankbar sich Hunde fotografieren lassen, zeigt in 'Dogs' die Bilderstrecke von Rachael Hale, die jedem Tier 'in seine Seele gucken'...will. Für die Schauspielerin Iris Berben ist ihr Jack-Russel-Terrier namens Paul 'wie ein neuer Lebenspartner', lesen wir».
(Nicht verwechseln: die Schauspielerin Christine Kaufmann
war's,
deren Ehe dem Boulevard zufolge ebenfalls an einem Terrier gescheitert sein soll).Am dichtesten dran am Puls der neuen Entertainment-Ära ist die «Rundschau». Sie interviewt Thorsten Levin, der dank Meriten als «Deutschland sucht den Superstar»-Regisseur auch bei der Superhund-Suche Regie führte.
Großartig bringt der Entertainment-Profi die Unterschiede zwischen Herrchen (und Frauchen) einerseits, Hunden andererseits auf den Punkt:
«Hunde sind wesentlich direkter, sie verstellen sich nicht vor der Kamera. Der eine ist süß, der andere verrückt oder quirlig. Man erkennt ihr Wesen auf den ersten Blick, das macht sie so sympathisch. Hunde zicken nicht so herum, sie sind andererseits nicht immer folgsam».
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Altpapierkorb
Falls es den «Bertelsmann Synergie Award» noch gibt: Noch haben die Hundefreunde ihn nicht in der Tasche. Denn «'CSI: Miami' (heute, 20.15 Uhr, RTL) trifft 'CSI: New York' (morgen, 20.15 Uhr, Vox) zu einer Crossover-Folge». Filmkritik dazu in der
'taz'.
+++ Ohnehin müsste RTL, entgegen der Gewohnheit der letzten Jahre, doch mal was Neues ausprobieren. «Ich kenne keine Formel 1 ohne Michael Schumacher», sagte Boxen-Reporter Kai Ebel am Sonntag. Für den Sender ist das Rennfahrer-Karriereende «eine Zäsur», findet der
'Tagesspiegel'.
Die Werbepreise werden gesenkt, ergänzt das
'Handelsblatt'.
+++ Polen und England bereiten der RTL-Goup gerade auch keine Freude: Die Expansion «gerät ins Stocken», berichtet die
'FTD',
die ebenfalls zum Bertelsmann-Konzern gehört und von daher darüber stets gut infomiert ist. +++ «FAZ»-Medienseite: Die ZDF-Krimiserie «Siska» könnte eingestellt worden sein und durch eine, in der Saskia Vester eine lesbische Kommissarin spielt, ersetzt werden. +++ Günter «Wallraff, der Selbst-Vermarkter», gilt als «Vater der Rollenreportagen», doch in Wahrheit gebührt dieser Rang Gerhard Kromschröder. Ausführlich würdigt die «SZ»-Medienseite den Mann, dessen Buch
'Ach, der Journalismus
- Glanz und Elend eines Berufsstandes' nun erschienen ist. +++ Was «extreme Rechte ... freudig» kommentierten: Der «Informationsdienst gegen Rechtsextremismus» (IDGR) wurde vom Netz genommen, berichtet nun die
'Rundschau'
. Auf der
IDGR-Webseite
selbst heißt es: «Eine einst linke Tageszeitung» - vermutlich
diese -
«hat sich nicht unbedingt mit Ruhm bekleckert, als sie Diffamierungen und Gerüchte öffentlich machte, die von Personen vorgebracht wurden, die zum einen zu feige sind, mit ihrem Namen zu dem Gesagtem zu stehen, zum anderen mich noch nicht mal kannten».Am Mittwoch füllt sich der Altpapierkorb wieder gegen 10.00 Uhr.
Für das Web ediert von Christian Bartels