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Altpapier vom Montag

16. Okt 2006 09:02
Nobody does it faster: Gerhard Schröder erinnert sich.
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Nachspiel in der BND-Affäre, Vorspiel für Gerhard Schröder.


Wildwest in Westfalen. «Die Herren kamen am vergangenen Dienstag - zu dritt, inklusive Fahrer. Es war schon nach 18 Uhr am Abend, als sie den alleinstehenden Hof der alten Dame in der Nähe des westfälischen Nordwalde betraten», beginnt ein spannender und gut informierter Bericht in der «Süddeutschen Zeitung» (Seite 15).

Bei den drei Herren handelt es sich um Wilhelm Dietl, Uwe Müller und den bereits erwähnten Fahrer. Dietl und Müller gehörten zu den Protagonisten der «BND-Affäre», beide spitzelten als so genannte Journalisten für den Geheimdienst Kollegen aus.

In Nordwalde statteten sie nun der Mutter (88) des einstigen BND-Chefs und derzeitigen Innenstaatssekretärs August Hanning einen Besuch ab. Dietl und Müller «recherchierten» nicht nur bei Hannings Mutter über Hanning, sondern auch in Lokalredaktionen und dem «örtlichen Landhotel» («SZ») über «Focus»-Redakteur Josef Hufelschulte, mit dem Dietl früher zusammen arbeitete und der ebenfalls aus Nordwalde stammt.

Den skurrilen Auftritt im Vorgarten von Mutter Hanning würden, schreibt Annette Ramelsberger, «wohl auch weniger gefährdete Personen als der ehemalige BND-Chef als stille Drohung empfinden.» Dietl sieht das naturgemäß anders: «Wir haben freundlich geplaudert. Wir haben auch keinen Fuß in die Tür gestellt.»

Ante portas steht Gerhard Schröder. Der vormalige Bundeskanzler hat nach nur zwölf Monaten seine Memoiren fertig, wenn auch wohl auf den letzten Drücker: «mit Hilfe des einstigen Regierungssprechers Uwe-Karsten Heye kamen die 544 Seiten doch noch beizeiten zusammen.» Das schreibt die 'Berliner Zeitung' , die detailliert über die Begleitkampagne zu «Entscheidungen – Mein Leben in der Politik» informiert.

«Richtig los geht es am kommenden Montag, dem 23. Oktober. In Bild und im Nachrichtenmagazin Der Spiegel erscheinen exklusive Vorabdrucke. Das Hamburger Magazin wird zusätzlich noch ein Interview bringen. Am Abend des selben Tages zeigt die ARD zur besten Sendezeit um 21 Uhr einen Porträtfilm mit dem Titel 'Gerhard Schröder – Kanzlerjahre', für den die Autoren Jürgen Leinemann und Michael Wech den Altkanzler nach Damaskus, Moskau und Tschechien begleiten durften.»

Und das ist noch nicht alles: Schröder bei «Beckmann» (30. Oktober), Schröder bei «Christiansen» (5. November). Schröder drei Stunden im Gespräch mit Ulrich Wickert (Phoenix, Termin nicht genannt.) Usw.

Das wird ein spannender Fernsehherbst. Da schätzt man sich glücklich, seine GEZ-Gebühren bezahlt zu haben. Eine Einsicht, die in Schweden gleich drei Ministern des neuen Regierungschefs Fredrik Reinfeldt zu spät kam. Nämlich erst «wenige Tage vor ihrer Ernennung» zum Kabinettsmitglied, wie der 'SZ' zu entnehmen ist.

Rücktritt wegen jahrelangem Schwarzsehens, das ist doch mal was anderes. Weniger originell fallen allerdings die Erklärungen für das Nicht-Zahlen aus. Vergessen (Ex-Kulturministerin Stegö Chilò) beziehungsweise mangelnde Qualität des öffentlich-rechtlichen Fernsehens (Ex-Migrationsminister Tobias Billström).


Mehr im Internet: Zu den Artikeln

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In Italien schaut der Zuschauer in die Röhre. Ein Programm des Berlusconi-Senders Italia 1 darf nicht gezeigt werden, weil die in Satiresendung mit dem schönen Titel «Le Iene» (Die Hyänen) vorgelegten Beweise für einen möglichen Drogenkonsum italienischer Politiker illegal erschlichen wurden. 50 Parlamentariern wurde «vorgespiegelt, sie sollten für ein Interview über die laufenden Haushaltsberatungen vor die Kamera treten. Mit einem Tampon wurde ihnen nicht nur Schweiß aus dem Gesicht gewischt, sondern eine Probe für einen 'Drug Wipe', einen Drogenschnelltest, genommen», berichtet Roman Arens in der 'Frankfurter Rundschau' . +++ In der Schweiz schreiben die Gratiszeitungen Erfolgsgeschichten, weiß René Zipperlen im 'Tagesspiegel' . +++ In den USA geht der Trend im Fernsehen nun auch zum Melodram, das im Falle der dortigen Variante von «Verliebt in Berlin» allerdings mit hohem Aufwand («zwei bis drei Millionen Dollar pro Folge») produziert wird, ist in der 'Welt' zu lesen. Fragt man sich, ob solche Ambition bei einem eher langfristigen Projekt wie einer Telenovela nicht zwangsläufig in den Ruin führt. +++ Ebenfalls in den USA feiert die «Medien-Watchdog-Organisation FAIR» ihr 20-jähriges Bestehen, Adrienne Woltersdorf gratuliert in der 'taz' . +++ In Frankreich wurde ein Gesetzesentwurf zum besseren Schutz von kriegsberichterstattenden Journalisten, steht in der «FAZ» (Seite 40). Nicht unberechtigt scheint allerdings der Einwand eines Skeptikers: «Die Taliban, Al Qaida oder die Hamas lesen so einen Text nicht, es gibt keine Sicherheit im Irak oder in Afghanistan.» +++ Ins Inland. Die «FAZ» hat in Berlin eine Gedenklesung für die ermordete russische Journalistin Anna Politkowskaja veranstaltet, deren Ablauf sie schildert . +++ Alfred Biolek beginnt im Kölner Theater, Abschied vom Fernsehen zu nehmen. Andreas Rossmann («FAZ») findet's wohlmeinend «nett, eitel, onkelhaft», für Hans Hoff («SZ») riecht's unangenehm «nach eigener Grabrede». +++ Der Stand-up-Comedian Michael Mittermeier ist zurück auf der Bühne, 'FR' und 'Berliner Zeitung' haben mit ihm gesprochen. Anscheinend kündet das Programm «Paranoid» von einer Hinwendung zum Politischen: «Ich bin politischer als in den Shows zuvor. Einer muss ja das Maul aufmachen.» +++ Die «Saure Gurke» für frauenfeindliches Fernsehen wurde am Samstag von den Frauen von ARD, ZDF und ORF an die Sendung «Die große Show der Naturwunder» beziehungsweise an Frank Elstner und Ranga Yogeshwar verliehen, die die Nachfolge von Reinhold Beckmann antreten. Aus der Begründung der Jury zitiert die 'taz' : «Zur besten Sendezeit präsentieren zwei bedeutende Köpfe - Frank Elstner und Ranga Yogeshwar - Wunder der Natur. Die Zuschauerin registriert beglückt, was sich an Frauenkörpern alles erklären lässt - wenn sie spärlich bekleidet sind oder in der Badewanne sitzen: die Kälteunempfindlichkeit des Eisbären ebenso wie die besonderen Selbstreinigungskräfte des Lotusblattes.»

Der Altpapierkorb füllt sich morgen wieder gegen 10 Uhr.

 
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