Altpapier vom Dienstag
10.10.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Und hier die
Deathwatch-Liste des International Press Institute in Wien, die auf 53 Namen kommt.Karen Fischer, Christian Struwe und Anna Politkowskaja sind inzwischen jeweils enthalten, anders als am Montag, als
dieser Artikel des «Kölner Stadtanzeigers» entstand, der über die «erschreckenden Todeslisten» und die Organisationen, die sie führen, informiert.Kein Wunder, dass in der am vergangenen Samstag in
Bayeux eröffneten Gedenkstätte für die während oder wegen ihrer Arbeit getöteten Journalisten 2000 Opfern gedacht wird, obwohl im Sommer noch rund 1500 erwartet wurden.«Wieviel Risiko ist eine gute Geschichte überhaupt wert?», fragt die
'Berliner Zeitung' die deutsche «Reporter ohne Grenzen»-Geschäftsführerin Elke Schäfter.«Pauschal lässt sich das gar nicht beantworten - das Leben sollte sie allerdings auf keinen Fall wert sein», sagt sie.
Und zum Politkowskaja-Mord:
«Was wir in Russland beobachten müssen ist der Zusammenbruch der Pressefreiheit. Auf der einen Seite sind immer mehr Medien unter staatlicher Kontrolle. Die wenigen kritischen Journalisten werden mit Klagen überzogen, eingeschüchtert und sogar ermordet. Keiner der 14 Morde an Journalisten in den vergangenen Jahren wurde aufgeklärt, kein einziger!»
Aus Moskau kommen «verschwommene Bilder des Tatverdächtigen» (hier bei
faz.net). In der 'FAZ' berichtet Kerstin Holm aktuell, dass der «Artikel über Folteropfer, der am Montag in der 'Novaya gazeta' gedruckt werden sollte..., verschwunden» ist. «Den Arbeitscomputer der Ermordeten haben Polizeiermittler am Wochenende aus der Redaktion abtransportiert», vermutlich werden sie den Artikel auch dort nicht mehr finden.«Wie von allein wurde dies eine Geschichte, wie sie selbst sie geschrieben hätte», schreibt «Washington Post»-Kolumnistin Anne Applebaum in einem
Nachruf für die «Welt».Wenn Angela Merkel, der SPD-Außenpolitiker Gert Weisskirchen («Wenn Frau Merkel Putin nicht fragt, dann frage ich») oder auch der Menschenrechts-Beauftragte Günter Nooke (siehe
Netzeitung) den russischen Präsidenten auf die Pressefreiheit ansprechen, wird der «sein Schweigen nicht mehr durchhalten können», heißt es in der 'Frankfurter Rundschau' sehr kämpferisch.«Die Mitarbeiter des Du Mont Literatur und Kunst Verlages, bei dem zwei Bücher Politkowskajas
auf Deutsch erschienen..., gaben ihrer Trauer über den Tod der Autorin Ausdruck», heißt es an anderer Stelle im selben Blatt, das bekanntlich ebenfalls dem DuMont-Verlagsreich angehört.Schließlich laden die Listen ermordeter und verhafteter Journalisten und das, was in den Spalten daneben steht, auch dazu ein, in Länder zu schauen, in die Europäer sonst selten schauen.
Über Dinge, die im September in Usbekistan und Turkmenistan geschahen, berichtet die «taz».
Am Mittwoch füllt sich der Altpapierkorb wieder gegen 10.00 Uhr.
Für das Web ediert von Christian Bartels

