Altpapier vom Dienstag
10. Okt 2006 10:10, ergänzt 11:03
 |  Seit dem 'D-Day' 1944 wurden über 2000 Journalisten getötet | Foto: dpa |
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Leider sehr gefragt im Moment: Listen mit getöteten Journalisten. Über 50 sind es in diesem Jahr, über 2000 seit dem Zweiten Weltkrieg.
Das ist die schaurige
'Journalists killed'-Seite
der «Reporter ohne Grenzen». Sie steht zurzeit bei 56 Namen im laufenden Jahr, wobei 17 getötete Media Asssistants separat geführt werden.Und hier die
Deathwatch-Liste
des International Press Institute in Wien, die auf 53 Namen kommt. Karen Fischer, Christian Struwe und Anna Politkowskaja sind inzwischen jeweils enthalten, anders als am Montag, als
dieser Artikel
des «Kölner Stadtanzeigers» entstand, der über die «erschreckenden Todeslisten» und die Organisationen, die sie führen, informiert.Kein Wunder, dass in der am vergangenen Samstag in
Bayeux
eröffneten Gedenkstätte für die während oder wegen ihrer Arbeit getöteten Journalisten 2000 Opfern gedacht wird, obwohl
im Sommer noch
rund 1500 erwartet wurden. «Wieviel Risiko ist eine gute Geschichte überhaupt wert?», fragt die
'Berliner Zeitung'
die deutsche «Reporter ohne Grenzen»-Geschäftsführerin Elke Schäfter. «Pauschal lässt sich das gar nicht beantworten - das Leben sollte sie allerdings auf keinen Fall wert sein», sagt sie.
Und zum Politkowskaja-Mord:
«Was wir in Russland beobachten müssen ist der Zusammenbruch der Pressefreiheit. Auf der einen Seite sind immer mehr Medien unter staatlicher Kontrolle. Die wenigen kritischen Journalisten werden mit Klagen überzogen, eingeschüchtert und sogar ermordet. Keiner der 14 Morde an Journalisten in den vergangenen Jahren wurde aufgeklärt, kein einziger!»
Aus Moskau kommen «verschwommene Bilder des Tatverdächtigen» (hier bei
faz.net).
In der
'FAZ'
berichtet Kerstin Holm aktuell, dass der «Artikel über Folteropfer, der am Montag in der 'Novaya gazeta' gedruckt werden sollte..., verschwunden» ist. «Den Arbeitscomputer der Ermordeten haben Polizeiermittler am Wochenende aus der Redaktion abtransportiert», vermutlich werden sie den Artikel auch dort nicht mehr finden.«Wie von allein wurde dies eine Geschichte, wie sie selbst sie geschrieben hätte», schreibt «Washington Post»-Kolumnistin Anne Applebaum in einem
Nachruf
für die «Welt».Wenn Angela Merkel, der SPD-Außenpolitiker Gert Weisskirchen («Wenn Frau Merkel Putin nicht fragt, dann frage ich») oder auch der Menschenrechts-Beauftragte Günter Nooke (siehe
Netzeitung)
den russischen Präsidenten auf die Pressefreiheit ansprechen, wird der «sein Schweigen nicht mehr durchhalten können», heißt es in der
'Frankfurter Rundschau'
sehr kämpferisch.«Die Mitarbeiter des Du Mont Literatur und Kunst Verlages, bei dem zwei Bücher Politkowskajas
auf Deutsch erschienen
..., gaben ihrer Trauer über den Tod der Autorin Ausdruck», heißt es
an anderer Stelle
im selben Blatt, das bekanntlich ebenfalls dem DuMont-Verlagsreich angehört. Schließlich laden die Listen ermordeter und verhafteter Journalisten und das, was in den Spalten daneben steht, auch dazu ein, in Länder zu schauen, in die Europäer sonst selten schauen.
Über Dinge, die im September in Usbekistan und Turkmenistan geschahen, berichtet die «taz».
So starb
die «Radio-Free-Europe»-Mitarbeiterin Ogulasapar Muradowa «an den Folgen von Misshandlungen». Und das Goethe-Institut organisierte Jazzkonzerte eines deutschen Musiker-Duos.
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Gibt es Schuldige im Inland? Laut
'Tagesspiegel'
sieht DJV-Pressesprecher Hendrik Zörner «Mitschuld für die hohe Risikobereitschaft freier Journalisten ...bei den Medienhäusern». Einige seien dafür bekannt, «Journalisten in Kriegsgebieten zu verheizen» wird er zitiert. «Das Problem seien die freien Journalisten, die unter immensem Konkurrenzdruck arbeiteten», heißt es wiederum von Seiten der «Berufsgenossenschaft Druck und Papierverarbeitung», die gemeinsam mit dem Verteidigungsministerium Seminare zum Schutz und Verhalten in Krisenregionen anbietet. +++ Neues von Gruner+Jahr: «ein neues 'Mission Statement', einen angeblich zeitgemäß flotten Untertitel», den Bernd Kundrun nun seinen Managern vorstellte. «Life enriching media» lautet er («SZ», S. 17). +++ Im «Hauen und Stechen» eine Kugel für das Team fangen? Zeitungskrieg zwischen L.A. und Chicago, nun ausführlich in der
'Rundschau'.
+++ «Die Peitschen-Borchert», also
Lyssa
, die neue «Online-Chefin im Zeitungsimperium» der «WAZ». Ausführlich porträtiert in der
'taz'.
+++ «Gratiszeitungen unterhalten mehr, als sie informieren», und wenn auch nicht unbedingt die Kommasetzung, so dürfte doch die Botschaft der «FAZ» gefallen. Damit bekämpfen Studenten das Aufstellen von Vertriebsständern der «Nullblätter» «20 Minutes» und «Le Matin bleu» in der Universität Lausanne («FAZ», S. 38). +++ Drehbeginn soll im Herbst 2007. Wenn Pro Sieben aber einen «durch und durch anspruchsvollen Film» ankündigt, kann man sich schon mal
vorab
freuen. Über «Die Brücke». +++ In Namibia, das in aktuellen Journalisten-Todeslisten nicht vorkommt, sind ja zuletzt «gefühlte 165 Filme und Beiträge» fürs deutsche Fernsehen gedreht worden. Doch Hans Hoffs Gähnen währte «nicht lang, und das ist dem Mann zu verdanken, der die beiden Filme», die nun schon wieder das afrikanische Land zeigen, «herausragend präsentiert», Wolf von Lojewski und seiner «wunderbar trockenen Art» («SZ»). +++ «Skurril», «schräg-ironisch», meint der Afrika-Experte der
'taz'.
Bzw.:
«sehr sehenswert»,
bzw.
«in der Schwebe zwischen bedeckter Ironie und offenem Staunen». +++
Das Lob
«Die Tiere sind super» gilt indes dem öffentlich-rechtlichen Komplementärprogramm, einer Tierarztserie. «Offenbar reicht es der ARD nicht, wenn sich Eva Herman zum Affen macht», heißt es aus der Frankfurter Schule der Ironie
dazu.
+++
Doch da ist sie nicht allein
(«Bild»-Zeitung über RTL-Show).
Am Mittwoch füllt sich der Altpapierkorb wieder gegen 10.00 Uhr.
Für das Web ediert von Christian Bartels