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Regierungskritische Journalistin ermordet

07. Okt 2006 16:00, ergänzt 18:26
Anna Politkowskaja
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Die russische Journalistin Anna Politkowskaja ist in Moskau getötet worden. Sie war für kritische Reportagen über den Tschetschenien-Krieg bekannt. Die Polizei fahndet nach einem jungen Mann, den eine Kamera aufgenommen hat.

Die russische Journalistin und Regierungskritikerin Anna Politkowskaja ist in Moskau einem Mord zum Opfer gefallen. Eine Nachbarin habe sie am Samstagnachmittag neben dem Lift ihres Wohnhauses im Zentrum erschossen aufgefunden, meldete die Nachrichtenagentur Interfax. Die Polizei stellte eine Pistole vom Typ PM und vier Geschosshülsen sicher. In der russischen Öffentlichkeit löste der Mord an der prominenten Publizistin tiefe Bestürzung aus.

Die 1958 geborene Politkowskaja, Mutter von zwei Kindern, hatte sich durch ihre kritischen Reportagen über den Tschetschenien-Krieg weltweit einen Namen gemacht. Die mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Journalistin schrieb vor allem für die kleine regierungskritische Zeitung «Nowaja Gaseta» in Moskau.

Als Mordmotiv vermuteten Ermittler Politkowskajas «öffentliche Aufgabe» als Journalistin, sagte der stellvertretende Moskauer Staatsanwalt Wjatscheslaw Rossinski. Ein Raubmord werde ausgeschlossen. Den Angaben nach war Politkowskaja gerade vom Einkaufen zurückgekehrt. «Sie parkte ihr Auto vor der Haustür, nahm einige Taschen und ging in den Hausflur, wo ihr Mörder auf sie wartete», sagte ein Ermittler. Die Polizei fahndete nach einem jungen Mann, den eine Kamera über der Haustür aufgenommen hatte.

«Zu 100 Prozent politischer Mord»

«Das ist ein Stich ins Herz des russischen Journalismus», sagte der Sekretär des Journalistenverbandes, Igor Jakowenko. Der Oppositionsabgeordnete Wladimir Ryschkow sprach von einem «zu 100 Prozent politischen Mord». Auch kremltreue Politiker würdigten die Reporterin trotz aller Gegnerschaft. Politkowskaja sei für viele unbequem gewesen, «aber sie war eine professionelle Journalistin», sagte die stellvertretende Parlamentsvorsitzende Ljubow Sliska. «Jemand wollte eine ehrliche und unabhängige Journalistin zum Schweigen bringen», sagte der Leiter der Menschenrechtsorganisation Memorial, Oleg Orlow.

rätselhafte Vergiftung

Politkowskaja hatte sich durch ihre Reportagen bei den russischen Sicherheitskräften wie auch bei der moskautreuen Tschetschenen-Führung Feinde gemacht. Als sie 2004 von Moskau in den Nordkaukasus zu der Geiselnahme von Beslan fliegen wollte, erlitt sie eine rätselhafte Vergiftung, für die sie den russischen Geheimdienst verantwortlich machte. Politkowskaja sei in der Vergangenheit häufig bedroht worden, sagte Orlow. Er wisse aber nichts über Drohungen in jüngster Zeit.

In Russland sind seit 1992 mehrere prominente Journalisten ermordet worden. 1995 fiel der Direktor des landesweiten Fernsehkanals ORT, Wladislaw Listjew, einem Auftragsmord zum Opfer. 2004 wurde der Amerikaner Paul Klebnikov in Moskau erschossen, Chefredakteur der russischen Ausgabe der Wirtschaftszeitschrift «Forbes».(nz)

 
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