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Nun ist sogar Fritz Pleitgen, eigentlich die Ruhe selbst, 'zornig' über die ARD-Kollegen (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Nun ist sogar Fritz Pleitgen, eigentlich die Ruhe selbst, 'zornig' über die ARD-Kollegen
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

«Zorn» über «Wut»: Wie sich die ARD vom «Spiegel» beeinflussen ließ und damit schon wieder Ärger einhandelte.

«Katja Stern, erfolgreiche Zeitungsredakteurin, stellt entsetzt fest, dass die Spannungen in ihrer Ehe mit Erik, einem nicht minder erfolgreichen Juristen, ... ...»

Den Fernsehfilm, dessen Inhaltsangabe

so beginnt, zeigt das sogenannte Erste am Mittwoch im Hauptabendprogramm. Wie zum Hohn, nachdem dafür der umstrittene Fernsehfilm 'Wut', «harter, politisch nicht korrekter Stoff» ('Tsp.'/ Sa.), weichen musste.

«Wut» läuft dann

am Freitag um 22.00 Uhr, eingebettet in eine «Livediskussion mit Politikern, Experten und Betroffenen» sowie Sandra Maischberger. Im Anschluss beruhigt wiederum ein 'romantisches Drama' («Als die attraktive Hamburger Landschaftsarchitektin Ulrike Bongart ein Weingut in der Nähe von Barcelona erbt...») die Gemüter.

Es scheint, als könnten die ARD-Intendanten in ihrer «Ad-hoc-Konferenz» am Freitag wieder einen wichtigen Schritt in Richtung Selbstabschaffung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens vollzogen haben.

Wie es dazu kam:
Im

Kulturkampf-'Spiegel' der Vorwoche (Nr. 38) hatte Nikolaus von Festenberg in einem zweispaltigen Artikel unter der Überschrift «Türkischer Teufel» (für nur 50 Cent hier zu haben) den Film des Regisseurs Züli Aladag kritisiert.

Bzw.: «Einige Zeilen im Nachrichtenmagazin 'Spiegel' trieben die Sittenwächter offenbar an. Dort erfuhren sie, was die Zuschauer da erwarten sollte: 'Schwuchtel' und 'ficken', Erpressung und Nötigung, psychische und physische Gewalt. Bis zum bitteren Ende»

('Berliner Zeitung').
Bzw.: «Die Wege der ARD sind seltsam. Bei großen Affären ist sie unverbesserlich, in anderen Fällen beeinflußbar. Etwa durch einen Artikel im 'Spiegel'...» («FAZ», S 38)

Damit hat sich die ARD keinen Gefallen getan, finden auch die

'taz' sowie Barbara Sichtermann im 'Tsp.'/ So., die gegen den Film selbst ebenfalls Einwände haben.

Das findet sogar Fritz Pleitgen, der Intendant des ARD-Mitgliedssenders WDR, welcher «Wut» in Auftrag gegeben hatte. Im großen «FAZ»-Interview heute (S. 38,

hier von faz.net zusammengefasst), sagt der sogenannte ewige Intendant:

«Ich bin über die Entscheidung mehr als bekümmert, ich bin zornig. Man fürchtet offensichtlich kritische Schlagzeilen. Diese Sorge hätten wir uns besser bei anderen Vorgängen machen sollen. Man fürchtet, die Jugendschutzbestimmungen zu beschädigen. Aber dies ist ein Film für junge Menschen, wie es der Hauptdarsteller und der Regisseur ausdrücklich betonen. Der Film zeigt eine Realität, wie sie vielen Kindern und Jugendlichen begegnet, aber die wir Erwachsenen nicht wahrhaben möchten.
Der Film sollte eine engagierte, kontroverse, weiterführende Diskussion auslösen. Dazu braucht man eine breite Öffentlichkeit. Für das Hauptabendprogramm war ein sehr guter Kompromiß ausgearbeitet worden, der dem Jugendschutz gerecht geworden wäre. Um Mitternacht eine gesellschaftlich wichtige Diskussion zu führen ist
natürlich eine vertane Chance»
(Hervorhebungen NZ).

Pleitgen setzt auch sonst Ausrufezeichen zur Lage der ARD, zu den Jan-Ullrich-Verträgen («Wir gingen mit der Telekom eine Medienpartnerschaft ein. Grenzwertig!») und zur Verteidigung des Sportkoordinators Hagen Boßdorf (Er sei«genug bestraft worden. Ihn jagt die eigene Vergangenheit, sie schallt ihm seit Jahr und Tag aus den Zeitungen entgegen... Wir haben uns darauf verständigt, ihm eine zweite Chance zu geben, allerdings unter harten Auflagen... Es darf keine Fehlleistungen geben wie etwa beim Ullrich-Vertrag, den er im wesentlichen vom Saarländischen Rundfunk kritiklos übernommen hatte») - worin also Kritik am künftigen ARD-Vorsitzenden, dem Saarländer Fritz Raff, steckt.

Immerhin hat die ARD mit ihrer Programmänderung dem «Spiegel» ein Schnippchen geschlagen.
Dort in den aktuellen Fernsehtipps (S. 114) ist «Wut» noch für Mittwoch angekündigt:

«Der WDR legt Wert auf die Feststellung, dass laut Drehbuch der Held dieses Ausländerdramas sein Gegenüber nicht 'christliches', sondern 'faschistisches Arschlich' schimpft (SPIEGEL 38/ 2006). Solche Hörfehler kommen zustande, wenn die Verantwortlichen genuschelte Fäkalsprache ohne Untertitel verbreiten... ...», heißt es - offenbar auch schon wieder mit Wut im Bauch getextet.


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