30. Jun 2006 10:07
Wie sollen sich Sportjournalisten verhalten? Welche Zeitung hat David Montgomery nicht gekauft?
ein Buch, das bei den Sportjournalisten nicht in falschen Händen ist: Die richtige Balance zwischen Nähe und Distanz zu halten, gehört zu den schwierigsten Aufgaben in ihrem Metier.Gerne wird natürlich über zu wenig Distanz geklagt. So auch der Medienwissenschaftler Mirko Marr in einer breit angelegten Studie. In der «mehrheitlich fehlenden Distanz» sieht er den «größten Handlungsbedarf». Er fügt aber hinzu: «Wer im Sportjournalismus keine Nähe hat, erhält keinerlei Informationen».
Die
löst dieses Dilemma in ihrem Artikel auch nicht auf.Besonders vertrackt scheint es im und um den Radsport zuzugehen. Gestern lief die ARD-Reportage «Die rollende Apotheke». Co-Autor: Sportkordinator Hagen Boßdorf, dem unter anderem vorgeworfen wurde, er habe als Berichterstatter von der Tour-de-France «nicht die erforderliche Distanz zum Team von Jan Ullrich und zu Ullrich selbst» gezeigt (
die Passage:«Hagen Boßdorf und sein ARD-Kollege Ulli Fritz (...) haben sich bemüht, so schnell wie möglich so viel Distanz wie möglich zwischen sich und die Szene zu bringen, der sie nach Ansicht einiger Kollegen über die Jahre viel zu nahe gekommen sind. Vor allem Boßdorf wird vorgeworfen, aus dem Blick verloren zu haben, was ansonsten für alle Welt doch so offenkundig ist - dass sich im Radsport hartnäckig eine Kultur des Betrugs hält, resistent sogar gegen Verhaftungen und Anklagen.» (Hervorh. NZ)
Dabei ist die Lösung doch so einfach. In einem Beitrag für die
erinnert der Doping-Experte Werner Franke an eine alte und tiefe Erkenntnis des ARD-Moderators Klaus Bednarz:«Alle dopen, nur die Deutschen nicht.»
Das war natürlich zynisch gemeint. Angesichts der Realität, wie sie nun einmal ist, stünde aber auch so manchem Sportreporter ein wenig Zynismus nicht schlecht.
Wo wir gerade beim Zynismus sind: David Montgomery kauft die Medienbeteiligungen von Orkla – «und kommt damit dem Ziel, ein europäisches Presseimperium zu schaffen, näher», kommentiert die
. Die dann zu Montogmerys Holding Mecom gehörende «Kopenhagener Zeitung Berlingske Tidend präsentierte am Donnerstag ihren LeserInnen den künftigen Besitzer als ‚'inkompetent'‚ 'brutal' und mit 'alles andere als gutem Ruf'.»
Dürfen wir das an dieser Stelle hervorheben? Ja, müssen sogar, denn es schreibt die
von Helge Hopp finden Sie ihn. +++ Haue für Peter Scholl-Latour. In seiner Russland-Reportage kam keiner zu Wort - außer er selbst, meint die «SZ» (S. 15). +++ Nicht nur in den muslimischen Länder ganz wichtig: Der Gesichtsverlust. Auch im hiesigen Mediengeschäft gilt es ihn zu vermeiden. Und da die Einstellung des Magazins «Park Avenue» sogar ein «Gesichtsverlust ohnegleichen» wäre, wird nun alles zur Rettung versucht, zum Beispiel «den blatterfahrenen Journalisten Hajo Schumacher einzubringen», schreibt die «FAZ» (S. 58).Am Montag füllt sich der Altpapierkorb wieder gegen 10 Uhr.