Altpapier vom Dienstag
27.06.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Das «Gesellschaftsmagazin» («FAZ») erscheint weiterhin. Kürzlich hat es zwei Männer aufs Cover
Und gerade erregt das Heft auch durch eine
Eigen-Personalie einige Zeilen Aufmerksamkeit. «Angezählt scheint 'Park Avenue' insgesamt, die Auflage bleibt hinter den Erwartungen zurück», fügt die «FAZ» (S. 46) ihrer Meldung auf auch nicht mehr Raum hinzu.«Die wahren Verkaufszahlen, sagen Insider, lägen unter 10.000», schreibt die «Süddeutsche». Der Gerechtigkeit halber präzisiert sie: Inclusive der Sonderverkäufe etwa an die TUI, in deren «Pauschal-Fliegern ... man das Blatt gratis mitnehmen» dürfe, erreiche die Auflage rund 70.000 Exemplare.
Auf der Medienseite der «Süddeutschen» nimmt «Park Avenue» an diesem Dienstag sehr viel Raum ein.
Obwohl das Münchener Blatt sonst nicht dafür bekannt ist, dem Hamburger Verlag Gruner + Jahr zu nahe treten zu wollen, erzählt es nun eine «Geschichte aus jenem Verlag, der theaterreife Journalisten-Preise auslobt». Christiane Langrock-Kögel schildert ausführlich «die Geschichte eines Mannes, der einem großen Verlag endlich die Formel für erfolgreichen Glamour zu liefern schien - und der sich ein Jahr später um sein Blatt betrogen sah».
Gemeint ist Holger Christmann, der im Mai 2004 als Redakteur des G+J-Kunstmagazins «Art» der Entwicklungsabteilung «ein monatliches Gesellschaftsmagazin» vorschlug und damit beim «Innovation Council - einer Riege von Vorstandsmitgliedern und Chefredakteuren -... Begeisterung» auslöste.
Was ihm aber «fehlte, war ein Vertrag als Chefredakteur. Den bekam im März 2005 Alexander von Schönburg. In der im Juni als
'Preview-Ausgabe' erschienenen 'Park Avenue' war Christmann noch 'Features Director', ebenfalls ohne adäquaten Vertrag. Dann gab es für ihn keine gemeinsame Arbeitsbasis mehr. Kurz vor Erscheinen des ersten regulären Hefts im Oktober war dessen Entwickler draußen».Um diese Geschichten herum gruppiert die «SZ» ein paar G+J-Sprachregelungen («Park-Avenue»- Herausgeber Klaus Liedtke: «Wenn ein Verlag einen Mitarbeiter beauftragt, seine Idee zu entwickeln, erwirbt er in der Regel auch die Rechte an der Umsetzung») und ein wenig auch nicht undiplomatische Christmann-Kritik an dem, was das Heft derzeit ist:
«Während die neuen Macher Nähe durch familiäre oder freundschaftliche Bande suchen (so schrieb Chefredakteur Schönburg nett über seine Schwester Gloria...), habe er diese Nähe durch Recherche herstellen wollen, sagt Christmann: 'Es ging nicht um Freunderl-Journalismus'.»
Dieser «SZ»-Artikel steht derzeit nicht im freien Internet.
In unserem Linkkasten steht daher ein Interview, das den bewahrenswerten Begriff des «Freunderl-Journalismus» mit Leben füllt.
Geführt wurde es u.a. Rainer Schmidt, der als stellvertretender Chefredakteur nun ausscheidet. Über einen der Gesprächspartner wiederum leitet das «Park Avenue»-Interview dann auch perfekt in die Tiefen des Altpapierkorbs über.
Am Mittwoch füllt sich der Altpapierkorb wieder gegen 10.00 Uhr.
Für das Web ediert von Christian Bartels

