Altpapier vom Dienstag
27. Jun 2006 09:58, ergänzt 10:59
 |  Vielleicht kann er als Cover-Star 'Park Avenue' retten: ZDF-Moderator Johannes B. Kerner | Foto: dpa |
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Statt erfolgreichen Glamours bloß noch «Freunderl- Journalismus», der im Ferienflieger gratis ausliegt? Es gibt Ärger um das Gesellschaftsmagazin «Park Avenue».
Was macht eigentlich...
'Park Avenue'
?
Das «Gesellschaftsmagazin» («FAZ») erscheint weiterhin. Kürzlich hat es
zwei Männer
aufs Cover
gehoben, die derzeit ohne Unterlass in aller Ohr und Auge sind, was vielleicht von Gespür für den Trend des Sommers zeugt.Und gerade erregt das Heft auch durch eine
Eigen-Personalie
einige Zeilen
Aufmerksamkeit. «Angezählt scheint 'Park Avenue' insgesamt, die Auflage bleibt hinter den Erwartungen zurück», fügt die «FAZ» (S. 46) ihrer Meldung auf auch nicht mehr Raum hinzu.«Die wahren Verkaufszahlen, sagen Insider, lägen unter 10.000», schreibt die «Süddeutsche». Der Gerechtigkeit halber präzisiert sie: Inclusive der Sonderverkäufe etwa an die TUI, in deren «Pauschal-Fliegern ... man das Blatt gratis mitnehmen» dürfe, erreiche die Auflage rund 70.000 Exemplare.
Auf der Medienseite der «Süddeutschen» nimmt «Park Avenue» an diesem Dienstag sehr viel Raum ein.
Obwohl das Münchener Blatt sonst nicht dafür bekannt ist, dem Hamburger Verlag Gruner + Jahr zu nahe treten zu wollen, erzählt es nun eine «Geschichte aus jenem Verlag, der theaterreife Journalisten-Preise auslobt». Christiane Langrock-Kögel schildert ausführlich «die Geschichte eines Mannes, der einem großen Verlag endlich die Formel für erfolgreichen Glamour zu liefern schien - und der sich ein Jahr später um sein Blatt betrogen sah».
Gemeint ist Holger Christmann, der im Mai 2004 als Redakteur des G+J-Kunstmagazins «Art» der Entwicklungsabteilung «ein monatliches Gesellschaftsmagazin» vorschlug und damit beim «Innovation Council - einer Riege von Vorstandsmitgliedern und Chefredakteuren -... Begeisterung» auslöste.
Was ihm aber «fehlte, war ein Vertrag als Chefredakteur. Den bekam im März 2005 Alexander von Schönburg. In der im Juni als
'Preview-Ausgabe' erschienenen 'Park Avenue
' war Christmann noch 'Features Director', ebenfalls ohne adäquaten Vertrag. Dann gab es für ihn keine gemeinsame Arbeitsbasis mehr. Kurz vor Erscheinen des ersten regulären Hefts im Oktober war dessen Entwickler draußen».Um diese Geschichten herum gruppiert die «SZ» ein paar G+J-Sprachregelungen («Park-Avenue»- Herausgeber Klaus Liedtke: «Wenn ein Verlag einen Mitarbeiter beauftragt, seine Idee zu entwickeln, erwirbt er in der Regel auch die Rechte an der Umsetzung») und ein wenig auch nicht undiplomatische Christmann-Kritik an dem, was das Heft derzeit ist:
«Während die neuen Macher Nähe durch familiäre oder freundschaftliche Bande suchen (so schrieb Chefredakteur Schönburg nett über seine Schwester Gloria...), habe er diese Nähe durch Recherche herstellen wollen, sagt Christmann: 'Es ging nicht um Freunderl-Journalismus'.»
Dieser «SZ»-Artikel steht derzeit nicht im freien Internet.
In unserem Linkkasten steht daher ein Interview, das den bewahrenswerten Begriff des «Freunderl-Journalismus» mit Leben füllt.
Geführt wurde es u.a. Rainer Schmidt, der als stellvertretender Chefredakteur nun ausscheidet. Über einen der Gesprächspartner wiederum leitet das «Park Avenue»-Interview dann auch perfekt in die Tiefen des Altpapierkorbs über.
Mehr im Internet: Die Artikel des Tages |
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Altpapierkorb
WDR-Intendant Fritz Pleitgen «hat nur seinen Rückzug angeboten. Immer wieder», und steht dadurch vor einer weiteren Amtszeit: Reinhard Lüke beleuchtet in der
'Rundschau'
das El Dorado der Medien-Personalien, die ARD, auch nicht ohne Boshaftigkeit («Ulrich Deppendorf..., der bei öffentlichen Festreden noch immer Mühe hat, die Namen selbst der populärsten Schauspieler nicht vom Spickzettel ablesen zu müssen»... ) +++ Die eben genannten Herren vom WDR sollen sich trotz allem Ge-Jauch-ze «weiterhin aktiv» um einen ARD-Sendeplatz für ihren nordrhein-westfälischen Mitarbeiter Frank Plasberg bemühen, «nur eben nicht am Sonntag»
('taz').
+++ Aktueller Überblick (Reinhard Grätz, Vorsitzender des WDR-Rundfunkrats: «Wenn Herr Jauch nicht ganz klar und rechtsverbindlich erklärt, dass er auf jede Form von bezahlter Werbung verzichtet, wird das nichts mit der Christiansen-Nachfolge») zur J./C.-Lage und dazu ein fernsehhistorischer Rückblick («Thomas Gottschalk, Hape Kerkeling, Günther Jauch, Harald Schmidt, Frank Elstner und Margarethe Schreinemakers») in der
'Berliner Zeitung'.
+++ «Die ARD investiert in Einschalt-Sicherheit» (Harry Nutt in der
'Rundschau'
dazu). +++ Sein Moderationsstil ist «das offensive Desinteresse an Gesprächspartnern und Themen», «als bisher einziger WM-Moderator wagte er Individualismus»: die «Berliner» bringt RTLs Oliver Geissen als Christiansen-Nachfolger
ins Spiel
. +++ Täglich grüßt der Kerner - audiovisuell im ZDF, auf Rezensions- und Metaebene auf wechselnden Medienseiten. Heute in der «taz», die den
gestrigen 'FAZ'-Beitrag
zum Anlass nahm,
bei Ruprecht Polenz, dem Vorsitzenden des ZDF-Freunderlrates,
nachzufragen,
ob er sich denn «nicht übergangen» fühlte. +++ Kerner-freien Fußball bietet in der nächsten Bundesligasaison der Bezahlfernseh-Veranstalter Arena. Aber wem, und wie? Verbreitungswege-Neuigkeiten haben
die Wirtschaftszeitungen
zu berichten.
+++ Jetzt auch im
'Tagesspiegel':
die VGRZ-Verfassungsbeschwerde gegen die Uminterpretation von Computern mit Internetzugang in «neuartige Rundfunkgeräte». +++ Der Mann, der im August '61 das Radio-Frühprogramm erfand, das «von praktisch allen Stationen kopiert (wurde) und ...morgens, mittags, abends bis heute» läuft, ist gestorben:
Nachruf
von Joachim Jauer auf Hans Christoph Knebusch. +++ «Helsinki, im Juni: In Finnland ist der Deutsche Roman Schatz ein Medienstar» - der Aufmacher der «FAZ»-Medienseite. +++ Ferner geht's um den fortschreitenden Aufbau der französischen
CNN-Alternative,
die nicht mehr «CFII» heißen soll und nun einen Namen sucht. Jürg Altwegg schlägt «Asterix» vor. +++
Comictagebücher im Internet?
+++ Welche Zeitung
hat den höchsten Patriotismuskoeffizienten?
+++ Anderswo in der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten: «Wo aber waren Sie, verehrter Herr von der Tann, als Kultur verbannt und Politmagazine beschnitten, und Gesellschaft mit Society verwechselt wurde? Im Urlaub? Auf Dienstreise? In der Kantine?» Michael Jürgs schreibt einen offenen Brief an den
nun angekündigtermaßen ausscheidenden
ARD-Chefredakteur Hartmann von der Tann - noch ein langer, böser und frei online nicht erhältlicher Artikel von der «SZ»-Medienseite.Am Mittwoch füllt sich der Altpapierkorb wieder gegen 10.00 Uhr.
Für das Web ediert von Christian Bartels