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Altpapier vom Dienstag

06. Jun 2006 10:14, ergänzt 11:23
Manager Utz Claassen sorgte als 'Christiansen'-Gast für ein wenig Aufregung hinter den Kulissen
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Eklats, hinter welche Kulisse man auch schaut: In der Sphäre des Fernseh-Getalkes liegen die Nerven blank. Und das nicht nur dank des «Freak-Unfall»-Experten Mathias Matussek.

Es wird Zeit, dass endlich die WM beginnt, damit die in der Luft liegende Aufregung sich auf natürlichen Bahnen Luft machen kann. Von merkwürdigen Nickeligkeiten im Umfeld von Fernseh-Talkshows berichtet an diesem Dienstag die «Süddeutsche»-Medienseite.

Erstens «kam es zu heftigen Scharmützeln» «hinter den Kulissen» der jüngsten 'Christiansen'-Show, die vorab aufgezeichnet worden war.

Weil der NDR «Angst vor juristischen Risiken hatte, kam er um die Chance, eine Affären-Geschichte voranzutreiben», die der gastierende Energieunternehmens-Manager Utz Claassen Gastgeberin Sabine Christiansen als Steilvorlage präsentiert hatte. Beziehungsweise: Der NDR schnitt vor der Ausstrahlung 75 Sekunden heraus.
Nun treibt der hauptberuflich mit dem Affären-Vorantreiben befasste Hans Leyendecker als Abstauber auch diese Geschichte voran.

Es geht um Baden-Württembergs Justizminister Ulrich Goll und Fußballspiel-Tickets, die das Energieunternehmen EnBW verteilt, sowie um Schüsse «mit Kanonen auf Spatzen».
Falls das näher interessiert, klicken Sie hier zur 'Süddeutschen'. .

Dass überdies «der Journalist Matussek vom 'Spiegel' den Journalisten Tichy vom 'Handelsblatt' körperlich bedrängte», steht in der «Süddeutschen» schon auf der Titelseite - allerdings bloß in der «Streiflicht»-Glosse, über deren traditionelle Lustigkeit der Blick Aktualitäten-interessierter Leser oft hinwegstreift.

Es geht auf der Medienseite 21 weiter und um die sonntagmittägliche Fernsehshow «Presseclub».
Bevor Sie sich grämen, zu Pfingsten dort etwas verpasst zu haben: Während der Ausstrahlung scheint bloß häufiger «Unverschämt!» gebrüllt worden zu sein. Erst als «die Kameras abgeschaltet» waren, ging der «Streit in selten erlebter Form» «in die zweite, etwas heftigere Runde», berichtet Kai-Hinrich Renner

«Roland Tichy sagt, Matussek habe ihn 'hart am Oberarm angepackt und gegen den Tisch gedrückt', ja, er sei von ihm angebrüllt worden: 'Sie sind ein ganz linker Finger! Sie mache ich fertig! Sie merke ich mir!' Tichy: 'Ich habe mich bedroht gefühlt'.»

Selbstredend gab das Blatt auch dem «Freak-Unfall»-Experten Matussek («ein Kopf größer, viele Kilo schwerer» als Tichy) Gelegenheit zur Gegenrede: «Er habe Tichy nicht berührt».

Die Matussek-These 'Warum die anderen uns Deutsche gern haben können' , scheint damit, falls sie nicht ohnehin umgangssprachlich im übertragenen Sinne gemeint war, vom Tisch zu sein.

Tichy wiederum ist Zuschauern auch als Sidekick des zwischenzeitlichen RTL-Showmasters Reiner Calmund bekannt (und also gewohnt, im Fernsehen neben noch viel schwereren Männern als Matussek zu sitzen).

Womöglich hat er am Sonntag Wichtigeres im Kopf gehabt. Schließlich verändert sich in der Verlagsgruppe Holtzbrinck gerade einiges.
Den Rückzug des Aufsichtsratschefs Dieter von Holtzbrinck kommentiert im Hinblick auf «große Dinge, die da kommen», am meinungsfreudigen die «taz». Sie bezieht sich auf das sehr sehr sehr einfühlsame «Abschiedsinterview», das am Samstag im Holtzbrinck'schen «Tagesspiegel» der Chefredakteur der Holtzbrinck'schen «Zeit», Giovanni di Lorenzo mit ihm führte.


Mehr im Internet: Die Artikel des Tages


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«Erfolgreiche Skandale»?? Sie, oder zumindest die erfolgreiche Enthüllung von Skandalen, sind dem Zürcher Medienforscher Kurt Imhof zufolge «die Schmiermittel der Nachrichtenwelt». Und wenn das stimmt, sollte das NDR-Medienmagazin 'Zapp' nicht mehr allzu lange «Mittwochnacht ein Nischendasein zwischen Klientelversorgung und hängengebliebenen Zuschauern» fristen müssen, meint die 'Rundschau'. +++ Dritte Nickeligkeit, von der die «SZ»-Medienseite exclusiv berichtet: neue Kapitelchen der «tiefen Brieffeindschaft» zwischen Norbert Blüm und «Bild»-Zeitungs-Chef Kai Diekmann. +++ «Ein harter Film, den man nur einmal im Leben sieht» (Berlinale-Chef Dieter Kosslick): 'Lost Children', heute in einer kürzeren Fassung auf Arte. +++ In Großbritannien werden die «Internet-Werbeumsätze erstmals größer sein als bei den nationalen Tageszeitungen»? Dies und das zum «Web 2.0» im 'Tagesspiegel'. +++ Ein paar Zeilen zum Jahreskongress des Weltzeitungsverbandes in Moskau. +++ Wie in New York das linke Vorzeigeblatt «Village Voice» umgekrempelt wird. +++ «Das höchste Gut, das wir haben, ist die Authentizität»: ein Porträt des DFB-Pressechefs Harald Stenger. +++ Während die meisten Zeitungen mit sehr viel Fußball und Fußball-Feuilleton aufwarten, ist die «Welt» heute weitgehend Fußball-Feuilleton und enthält innendrin an Nachrichten nur das Nötigste. Die Medienseite zählt nicht dazu. +++ «Das Internet ist ein Medium, in dem jeder etwas veröffentlichen kann, der Lust dazu hat. Das macht das Internet zu einem Medium, dessen Inhalt auf keinen Fall ohne weitere Recherche übernommen werden kann»: eine Information des 'Kölner Stadt-Anzeigers', es geht um Ehrensenf, RTL und einen Scherz des Bloggers Andreas Hallerbach. +++ Vom Wochenende: Holtzbrinck-Journalisten interviewen Holtzbrinck-Journalisten (und treten Mathias Matussek entgegen), Teil II. +++ Aber vielleicht ist Mathias Kalle ja bald bei «Vanity Fair». Außerdem: «Decoration»-Chefredakteur Thomas Niederste-Werbeck hat Gruner+Jahrs Olympiaden-Gewinner, das Nicht-«Hundeheft» «Dogs», nun doch mal entwickelt, u.a. ('WamS'). +++ Kampf um Pressefreiheit, mitten auf der Rudi-Dutschke-Straße? +++ Ist ja ganz interessant, wenn auch nicht ungewöhnlich, was Daniel Kehlmann von den 'Simpsons' hält. Die «FAZ» meint das auf der Feuilleton-Seite 1 heute so vermelden zu müssen: «Den Höhepunkt sieht Kehlmann überschritten, doch spätestens nach dem Auslaufen werde die Serie 'ihr Dasein als Klassiker' beginnen. Da hat sie die Edition dieser Zeitung, »Klassiker der Comicliteratur«, bereits verortet. F.A.Z.» Wenn also Print-Comics und Zeichentrickserien nicht völlig unterschiedliche Dinge wären (und diese Klassiker-Edition dann noch etliche Jahre früher erschienen wäre), dann hätte die «FAZ»-Feuilleton-Redaktion ja echt ein Händchen bewiesen.

Am Mittwoch füllt sich der Altpapierkorb wieder gegen 10.00 Uhr.

 
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