05. Jun 2006 17:05
Bestseller-Autor Kehlmann hält die Trickfilmfamilie der Simpsons für eines der intelligentesten heutigen Kunstwerke. Tolstoi und Disney seien bei den gelben Comicfiguren eine gelungene Verbindung eingegangen.
Den Drehbuchautoren der Serie sei es gelungen, aus wohl über hundert wiederkehrenden Mitspielern «runde, psychologisch reiche Charaktere zu machen, die man, ohne zu zögern, so manchen Figuren der Weltliteratur an die Seite stellen kann», sagt der 31-jährige Kehlmann. Familienvater Homer sei zum «vielleicht komplexesten Faulpelz seit Gontscharows 'Oblomow'» herangereift.«'Die Simpsons', das ist die Synthese von Disneyscher Buntheit und Tolstoischer Charakterzeichnung, von Voltaires Schärfe und der massenkompatiblen Präsenz von Pepsi, Starbucks und Burger King», so Kehlmann. Die Serie sei «eine Satire im Sinne von Swift und Ambrose Bierce».
Allerdings hätten die Simpsons, deren 400. Folge bald ausgestrahlt wird und die bald auch im Kino gezeigt werden sollen, ihren Höhepunkt bald überschritten. Darüber sei Kehlmann zwar enttäuscht, aber «nicht wirklich traurig». Spätestens nach dem Auslaufen werde die Serie «ihr Dasein als Klassiker» beginnen: «Vermutlich wird man dann erst, wenn man sämtliche Staffeln auf Silberscheiben ins Regal stellen kann, all die kleinen Details erkennen und würdigen können.» (nz)