Altpapier vom Donnerstag
11.05.2006
Herausgeber: netzeitung.de
Dank seiner Technik, «auch lange Sätze in drei Silben hervorzupressen» («FAZ»), konnte er dennoch einige Akzente setzen. Etwa, dass er ein «Freund der Beraterinnen und Berater!» sei, einen hübschen Handy-Witz machen («Sie können es auch in einen Eimer Wasser legen, dann hört es auf») sowie: «IchbegrüßediesesBuchalsBeitragzurDiskussion auchwennichnichtalleFaktenim eizelnennachprüfenkann» (Leerzeichen-Setzung: NZ).
Das protokollierte Nils Minkmar («FAZ», Seite 39, frei online von der Veranstaltung
berichtet die Netzeitung). Das Buch nennt er ein «eindrucksvolles, materialreiches Dokument der Hybris der Consultants... - und damit auch der Ratlosigkeit der sie beauftragenden Politiker».Die sozusagen suboptimal hohe Intensität der Beratung ist natürlich ein gesamtgesellschaftliches Problem, das mit der Medien-Sphäre nicht vorrangig zu tun hat. Bloß dadurch etwa, dass Buchautor Thomas Leif hauptberuflich Filme für den SWR dreht
(neulich den über F.J. Wagner) und auch als Netzwerk Recherche-Gründer aktiv ist.Allerdings tippte die «Süddeutsche» gestern an, dass es in Leifs Buch «nebenbei ... offenbar auch um heikle Vorgänge in der ARD» geht, die sich in der inzwischen sehr verpönten Tradition der Produkteplatzierung Beiträge von der Bundesagentur für Arbeit habe bezahlen lassen. Auch in der NDR-Sendung
'Zapp' ging es dann darum.Das ist für die «FAZ»-Medienseite Anlass, darauf hinzuweisen, dass diese «Geschichte ...nicht neu» sei. Als Beleg holt sie ihren
Artikel dazu vom 8. Juli 2004 aus dem Archiv.Seither habe sich bloß das Modell bloß allein zum MDR verlagert: «Dort setzte nach Informationen dieser Zeitung der Geldsegen aus Nürnberg erst 2004 so richtig ein und reicht bis heute. 2000 bis 3500 Euro pro Beitrag läßt sich die Bundesagentur das kosten, ihr Gesamtetat für sogenannte Medienkooperationen soll sich 2006 auf etwa zwei Millionen Euro belaufen».
Dieser Artikel hat eine Schlusspointe (zwar verfügt die ARD inzwischen über eine «Clearingstelle Schleichwerbung», die aber «nur für strukturelle Fragen» und aus strukturellen Gründen für das MDR-Programm nicht zuständig sei) und
steht im freien Internet.Rasch zurück zu Leifs Buch. Es ist
Einen insiderigen Artikel zum Stand der Dinge bringt die «Zeit» (S. 27, derzeit nicht online). Bei
einem Kongress in Brüssel hätten sich kürzlich Liz Mohn, Bertelsmann-Chef Gunter Thielen und Minderheitsgesellschafter Albert Frère getroffen: «Teilnehmer der Veranstaltung erzählen, dass die Stimmung ... freundlich gewesen sei. Nun wartet man in Gütersloh jeden Tag darauf, dass Frère seine Botschaft schickt. Eine Zahl mit neun Nullen».Ob der Belgier eher drei oder fünf Milliarden Euro verlangt, sei nämlich weiter offen. Das «frei verfügbare Vermögen der Familie» Mohn jedenfalls sei «weit von der Milliardengrenze entfernt». Das heißt: «Wenn Bertelsmann 25 Prozent seiner eigenen Aktien zurückkaufte und dafür einige Milliarden Euro Schulden machte, könnte das Unternehmen geschwächt werden...»
Sofern der Konzern dann also doch an die Börse müsste, stünde ggf. Sympathieträger Johannes B. Kerner (seine täglichen Shows
produziert eine Tochter der Bertelsmann-Beteiligung «Spiegel TV») als Starthelfer noch bereit?Wie der Sympathie- sowie Gefügelwurst-/ Billigflieger- Werbeträger künftig werben dürfen wird, will der ZDF-Fernsehrat im Juni entscheiden.
Entscheidungshilfe bietet nun auch die «Rundschau» mit einem Überblick über den «Eisberg» der vielen Fernseh-Prominenten, die auch «als Lobbyisten» arbeiten.
Allerdings, wendet nochmals die »FAZ« (S. 46) ein, «fürchtet man im Sender, daß, sollte Publikumskönig Kerner seine Popularität nicht selber versilbern dürfen, dies das ZDF bei der Festlegung seines Honorars teuer zu stehen käme».
Sollte Kerner künftig weniger werben dürfen, müssten der Logik des Systems zufolge also die Rundfungebühren stärker erhöht werden.
Am Freitag füllt sich der Altpapierkorb wieder gegen 10.00 Uhr.
Für das Web ediert von Christian Bartels

