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Ministerpräsident Christian Wulff blieb nicht lange bei der Vorstellung des neuen Thomas Leif-Buchs (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Ministerpräsident Christian Wulff blieb nicht lange bei der Vorstellung des neuen Thomas Leif-Buchs
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Wie der MDR und die Bundesagentur für Arbeit zu kooperieren pflegen. Und: Neues zu den Börsen-Fragen der Bertelsmann AG und Johannes B. Kerners.

Nach nur einer halben Stunde musste Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff schon gehen, gestern bei der Präsentation von «Beraten und verkauft/ McKinsey & Co. - der große Bluff der Unternehmensberater».

Dank seiner Technik, «auch lange Sätze in drei Silben hervorzupressen» («FAZ»), konnte er dennoch einige Akzente setzen. Etwa, dass er ein «Freund der Beraterinnen und Berater!» sei, einen hübschen Handy-Witz machen («Sie können es auch in einen Eimer Wasser legen, dann hört es auf») sowie: «IchbegrüßediesesBuchalsBeitragzurDiskussion auchwennichnichtalleFaktenim eizelnennachprüfenkann» (Leerzeichen-Setzung: NZ).

Das protokollierte Nils Minkmar («FAZ», Seite 39, frei online von der Veranstaltung

berichtet die Netzeitung). Das Buch nennt er ein «eindrucksvolles, materialreiches Dokument der Hybris der Consultants... - und damit auch der Ratlosigkeit der sie beauftragenden Politiker».

Die sozusagen suboptimal hohe Intensität der Beratung ist natürlich ein gesamtgesellschaftliches Problem, das mit der Medien-Sphäre nicht vorrangig zu tun hat. Bloß dadurch etwa, dass Buchautor Thomas Leif hauptberuflich Filme für den SWR dreht

(neulich den über F.J. Wagner) und auch als Netzwerk Recherche-Gründer aktiv ist.

Allerdings tippte die «Süddeutsche» gestern an, dass es in Leifs Buch «nebenbei ... offenbar auch um heikle Vorgänge in der ARD» geht, die sich in der inzwischen sehr verpönten Tradition der Produkteplatzierung Beiträge von der Bundesagentur für Arbeit habe bezahlen lassen. Auch in der NDR-Sendung

'Zapp' ging es dann darum.

Das ist für die «FAZ»-Medienseite Anlass, darauf hinzuweisen, dass diese «Geschichte ...nicht neu» sei. Als Beleg holt sie ihren

Artikel dazu vom 8. Juli 2004 aus dem Archiv.

Seither habe sich bloß das Modell bloß allein zum MDR verlagert: «Dort setzte nach Informationen dieser Zeitung der Geldsegen aus Nürnberg erst 2004 so richtig ein und reicht bis heute. 2000 bis 3500 Euro pro Beitrag läßt sich die Bundesagentur das kosten, ihr Gesamtetat für sogenannte Medienkooperationen soll sich 2006 auf etwa zwei Millionen Euro belaufen».

Dieser Artikel hat eine Schlusspointe (zwar verfügt die ARD inzwischen über eine «Clearingstelle Schleichwerbung», die aber «nur für strukturelle Fragen» und aus strukturellen Gründen für das MDR-Programm nicht zuständig sei) und

steht im freien Internet.

Rasch zurück zu Leifs Buch. Es ist

bei Bertelsmann erschienen, also in dem Konzern, der gerade dadurch Spannung schürt, dass er gerne nicht an die Börse will, aber womöglich muss.

Einen insiderigen Artikel zum Stand der Dinge bringt die «Zeit» (S. 27, derzeit nicht online). Bei

einem Kongress in Brüssel hätten sich kürzlich Liz Mohn, Bertelsmann-Chef Gunter Thielen und Minderheitsgesellschafter Albert Frère getroffen: «Teilnehmer der Veranstaltung erzählen, dass die Stimmung ... freundlich gewesen sei. Nun wartet man in Gütersloh jeden Tag darauf, dass Frère seine Botschaft schickt. Eine Zahl mit neun Nullen».

Ob der Belgier eher drei oder fünf Milliarden Euro verlangt, sei nämlich weiter offen. Das «frei verfügbare Vermögen der Familie» Mohn jedenfalls sei «weit von der Milliardengrenze entfernt». Das heißt: «Wenn Bertelsmann 25 Prozent seiner eigenen Aktien zurückkaufte und dafür einige Milliarden Euro Schulden machte, könnte das Unternehmen geschwächt werden...»

Sofern der Konzern dann also doch an die Börse müsste, stünde ggf. Sympathieträger Johannes B. Kerner (seine täglichen Shows

produziert eine Tochter der Bertelsmann-Beteiligung «Spiegel TV») als Starthelfer noch bereit?

Wie der Sympathie- sowie Gefügelwurst-/ Billigflieger- Werbeträger künftig werben dürfen wird, will der ZDF-Fernsehrat im Juni entscheiden.
Entscheidungshilfe bietet nun auch die «Rundschau» mit einem Überblick über den «Eisberg» der vielen Fernseh-Prominenten, die auch «als Lobbyisten» arbeiten.

Allerdings, wendet nochmals die »FAZ« (S. 46) ein, «fürchtet man im Sender, daß, sollte Publikumskönig Kerner seine Popularität nicht selber versilbern dürfen, dies das ZDF bei der Festlegung seines Honorars teuer zu stehen käme».

Sollte Kerner künftig weniger werben dürfen, müssten der Logik des Systems zufolge also die Rundfungebühren stärker erhöht werden.


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In Leipzig wurde die im WM-Jahr sehr gedrängte Saison der Medienkongresse eröffnet. Aktuell berichten 'Tagesspiegel' («In fünf Jahren ist die Zeitung nicht mehr so viel wert wie jetzt», sagte Kölns Jungverleger Konstantin Neven DuMont) und «taz» per Kurzinterview mit Verlegerpräsident Helmut Heinen: In Deutschland müssten sich, damit Gratiszeitungen aufkommen könnten, «die Rahmenbedingungen ...schon wesentlich verändern, aber das sehe ich auf die nächsten drei bis fünf Jahre nicht». +++ In Basel dagegen «konkurrieren bald vier gratis erscheinende Tageszeitungen miteinander». +++ Zurück zu Bertelsmann: Ein RTL-Sprecher sagte nur: «Ein Stellenabbau ist nicht ausgeschlossen». Er wird «massiv» sein, meint das 'Handelsblatt'. +++ «Milliarden verzweifelt gesucht», heißt übrigens o.g. «Zeit»-Artikel. +++ Ein Ausweg? Es gibt da noch einen älteren Herren, der Erfahrungen im und Interesse am Medien-Geschäft sowie die eine oder andere Milliarde auf seinen Kontos haben soll. Über Leo Kirchs aktuelle Aktivitäten berichten die Wirtschaftsressorts von 'SZ', 'Zeit'. +++ Sollten Medien über angebliche Millionen-Lösegelder besser nicht berichten, die die Regierung vielleicht für die Freilassung entführter Deutscher zahlte? Die 'Welt' befragte Stephan Hebel («FR»), Hartmann von der Tann, Andreas Petzold («Stern»), Hans-Ulrich Stoldt («Spiegel»), Nikolaus Brender, Helmut Markwort, Karl Schermann («tz») und natürlich Kai Diekmann. +++ «Von der ersten Razzia auf einer Hühnerfarm in China bis zum Tod des Patienten Null in Amerika vergehen keine 20 Minuten»: Über einen vom Disney-Sender ABC produzierten amerikanischen Vogelgrippe-Fernsehfilm berichten 'Welt', «FAZ». +++ Die «SZ»-Medienseite portätiert ausgiebig Schauspieler Udo Kier, der Fieslinge in aller Welt und zurzeit öfters in der ARD spielt. +++ Ferner erzählt sie eine Kölner Lokalposse um die Folgen dieses Artikels, den Altverleger Alfred Neven DuMonts für seinem «Kölner Stadt-Anzeiger» verfasste. +++ Dieses Blatt wiederum weiß das Neueste zum kölschen Fernsehfestival-Krieg («WDR-Intendant Fritz Pleitgen hat Gerüchte zurückgewiesen...») +++ Die ZDF-Doku «SOS Schule», in der es um die Berliner Pommern-Schule geht, «muss man gesehen haben» ('Berl.'). Berliner Hauptschüler allerdings «erkennen sich kaum wieder» ('taz'). +++ «Haben wir wieder Hitlerzeit?» Die 'Rundschau' empfiehlt eine WDR-Dokumentation zur aktuellen Abschiebepraxis. +++ Neues über Presseausweise. +++ Microsoft ist «Opfer der chinesischen Zensoren» geworden? Die 'Rundschau' berichtet. +++ Im Januar 2006 ahnte Oliver Kahn bereits, «dass er nicht mehr Klinsmanns erste Wahl sein könnte», lesen BerlinerBlätter aus einer 3sat-Doku heraus. «Die Degradierung Kahns zum Ersatztorwart in der Nationalmannschaft behandelt die Dokumentation nicht. Sie war wohl schon fertig, als Klinsmann seine Entscheidung pro Lehmann verkündete« («FAZ», S. 46). «Es fehlen» u.v.a. «all die Spieler, die Kahn würgte, anschrie oder verfolgte» ('taz'). «Aber Kahn ist nicht irgendeiner» ('FR'). «Oliver Kahn ist einer der besten Torhüter des Weltfußballs» (Christopher Keil, «SZ», S. 19).

Am Freitag füllt sich der Altpapierkorb wieder gegen 10.00 Uhr.


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