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Altpapier vom Donnerstag

02. Mrz 2006 09:55, ergänzt 11:12
David Montgomery.
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Das Bangen beim «Berliner Verlag» geht weiter. Dabei bleibt die Situation am Tag nach einer «turnusgemäßen» Aufsichtsratssitzung der Investoren und einer flankierenden Betriebsversammlung unklar.


«Klar ist im Berliner Verlag dieser Tage, daß nichts klar ist», schreibt Michael Hanfeld zum Thema in der «FAZ» (Seite 40). Im 'Tagesspiegel' notiert Ulrike Simon: «Ein bisschen drängte sich am Mittwoch der Eindruck auf, als könnten es manche beim Berliner Verlag gar nicht erwarten, dass die beschworenen Schreckensszenarien endlich Wirklichkeit werden.»

Weil aber die Sitzung des Aufsichtsrats der neuen Eigentümer um den «Nordiren» («Tagesspiegel») David Montgomery bislang keine Beschlüsse geliefert hat, wie die ehrgeizig prognostizierten Gewinne erreicht werden sollen, bleiben den Berichterstattern nur Geduld und Gerücht.

So hat die «FAZ» von der Betriebsratsvorsitzenden Renate Gensch erfahren, «es gebe Anzeichen für eine drohende Entlassungswelle 'im dreistelligen Bereich'.» In Hamburg bei der ebenfalls von Veronis Suhler Stevenson und Mecom aufgekauften «Morgenpost» sind dagegen schon die ersten zwölf Kündigungen ausgesprochen wurden, weiß die 'Frankfurter Rundschau' . Sie «sollen Korrektorat, Archiv, Personalabteilung und Buchhaltung betreffen.»

Auf der Betriebsversammlung haben die Mitarbeiter des «Berliner Verlags» vier «rechtsverbindliche» Forderungen formuliert: «eine Beschäftigungsgarantie für die Mitarbeiter; eine Bestandsgarantie für die Publikationen und die Qualität der einzelnen Blätter; die Anerkennung der Redaktionsstatute (...) sowie unternehmerische Mitbestimmung durch eine Arbeitnehmervertretung im Aufsichtsrat.» («Tagesspiegel»)

Was David Montgomery dazu sagen wird? «Enjoy your life», wie er im «FAZ»-Beitrag zitiert wird? Das Warten und Munkeln geht weiter.

Ein weiterer Investor von der Insel auf dem deutschen Zeitungsmarkt: Der Finanzier Michael Lewis, der sich für «Beziehung zu Israel und zur Conservative Party» einsetzt, wie die «Süddeutsche Zeitung» (Seite 17) vermeldet.

Anders als Montgomery wird Lewis jedoch gerne gesehen. «Er ist befreundet mit Vorstandschef Mathias Döpfner, 43, der gerne in London weilt, und hat seit Jahren gute Kontakte zur Verlegerin Friede Springer, 63.» Derselben hat der öffentlichkeitsscheue Lewis nun drei Prozent ihrer Aktienmehrheit am Verlag Axel Springer abgekauft. Die «SZ» interpretiert Lewis' Engagement als Neuorientierung des Konzerns nach dem geplatzten ProSiebenSat.1-Deal.

Der Kaufpreis betrug übrigens 104 Millionen Euro.


Mehr im Internet: Zu den Artikeln

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Stichwort Sat.1: Die 'taz' fragt sich angesichts der 22-minütigen Doku «Die Kanzlerin – die ersten 100 Tage», die heute zur Primetime 23.45 Uhr gezeigt wird, was aus der Info-Offensive von Roger Schawinski geworden ist. +++ Immerhin, Anchorman Thomas Kausch beweist Humor. 18 Monate nach Verkündigung seines Zieles, auf dem Feld der Information auf Augenhöhe mit den Öffentlich-Rechtlichen oder RTL zu gelangen, habe er es "ungefähr auf Augenhöhe der schon etwas hängenden Schultern der Konkurrenz geschafft. Als Nächstes arbeiten wir uns zu den noch etwas spöttisch hochgezogenen Mundwinkeln rauf." +++ Ein anderer Anchorman beweist weniger Humor. Klaus Feldmann, einst Sprecher der "Aktuellen Kamera", hat seine Erinnerungen "Das waren die Nachrichten" vorgelegt. "Wer (...) nach selbst- oder sonst wie kritischen Gedanken zum Medienbetrieb der DDR fahndet, wird enttäuscht", urteilt die 'Berliner Zeitung' . +++ Einen Sinn für den Witz lässt auch der Aufsichtsrat der finnischen Zeitschrift "Kaltio" vermissen. Dort veröffentlichte, wie die "FAZ" ausführt, ein Zeichner eine Karikatur, deren Thema die finnische Vorsicht bzw. Feigheit war: Drei Spitzenpolitiker verbrennen eine dänische Flagge aus Angst, es sich mit Muslimen zu verscherzen. Der Chefredakteur wurde entlassen, dem Zeichner ein Auftrag von der Kommune gestrichen. +++ Der 'Tagesspiegel' hat in Washington mit dem Journalisten Michael Gordon gesprochen, der die BND-Verstrickung im Irak enthüllt hatte und sich dafür nun vor deutschen Mikrofonen rechtfertigen muss. +++ Das Britische Verteidigungsministerium hat einen Leitfaden zum Umgang mit Journalisten im Krieg vorgelegt. Ein Fortschritt, wie die 'taz' einsehen musste. +++ Die «Wirtschaftswoche» will die sinkende Auflage durch die Änderung des Ausgabetermins ändern: Künftig erscheint das Magazin montags statt donnerstags, berichtet die 'Berliner' . +++ Die 'FR' meldet, dass Deutschlandradio Kultur ein Jahr nach der Programmreform eine positive Bilanz zieht. +++ Die 'Welt' spricht mit Drehbuchautor Felix Huby über seinen neuen Film im speziellen («Die Frau des Heimkehrers», morgen, 20.15 Uhr ARD) und die Branche im allgemeinen. +++ Arte zeigt eine Reihe mit Trashfilmen, die von Fritz Göttler in der 'SZ' wohlwollend begrüßt wird, während Harald Keller in der 'FR' philologisch streng («eine Reaktion auf das Trash-Kino kann aber a priori kein originärer Trash-Film sein») beklagt, dass es sich gar nicht um Trash handele. «Dieses sagenhafte Subkino, zu dem auch andere Länder kräftig beigetragen haben, sucht man in der fünfteiligen Arte-Reihe vergeblich.» +++ Und in der 'Zeit' gibt es einen Vorgeschmack auf das, was uns ab der nächsten Woche («Spiegel»-Vorabdruck) beschäftigen wird: Jakob Augstein portraitiert «FAZ»-Herausgeber Frank Schirrmacher, der «in Kürze» ein neues Buch veröffentlichen wird: 'Minimum' . "Warum man Freunde gewinnen muss – und was es kostet" (Ankündigungstext). +++

Der Altpapierkorb füllt sich morgen wieder gegen 10.00 Uhr.


 
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