Altpapier vom Montag14. Nov 2005 10:08, ergänzt 11:28  |  BND-Präsident August Hanning | Foto: dpa |
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Großes Kino im deutschen Journalismus: Beim «Spiegel» steht der High Noon kurz bevor; aus der jüngeren Vergangenheit kommen immer mehr Agentenstorys ans Licht.
Lange schon nicht mehr spiegelten sich die Montagsmagazine dermaßen im Fokus der Medien-Aufmerksamkeit wie jetzt. Schuld sind freilich weniger Themen, welche «Focus» und «Spiegel» selber setzten, sondern
der Bundesnachrichtendienst
und
die Erben von
Rudolf Augstein.Zuerst die Agenten. Andreas Förster, Erst-Investigator
dieses Themas,
berichtet heute
, dass diese gar auch «eine Steuertiefenprüfung» von Erich Schmidt-Eenbooms Forschungsinstituts «initiiert» hätten. Zugleich
bezichtigt der 'Focus'
, dessen Redakteur Josef Hufelschulte der BND in den 90-er Jahren ebenfalls observierte, den BND-Präsidenten August Hanning («Offenbar ist das richtig, was in den Medien steht») offenbar, eine Unwahrheit geäußert zu haben. Vor allem aber nutzt das Magazin den Artikel, um den «Focus»-Chefredakteur mal richtig zu Wort kommen zu lassen: Helmut Markwort «will die miesen Tricks gegen seinen Reporter nicht dulden. Der Geheimdienst, so Markwort, habe 'den unbequemen Journalisten wohl bei seinen Recherchen behindern' wollen. ... 'Focus' wird die Herausgabe der Observationsakten verlangen...», so der «Focus» (S. 44). Der «Spiegel» stellt seinen Artikel (in dessen Printversion die Verlagshochhäuser von «Focus» und «Spiegel» einträchtig nebeneinander abgebildet sind)
frei online.
Stefan Aust wird hier nicht zitiert, dafür viele alte «Spiegel»-Nummern: «Noch in den Jahren 1997/ 98, drei Jahre also nach Beendigung der
Weilheimer Überwachung,
führte der BND mindestens zwei Quellen im Medienbereich, von denen eine auch die Frage klären sollte, woher der 'Spiegel' seine Informationen in der sogenannten Plutonium-Affäre bezogen haben könnte ('Spiegel' 15/ 1995)», heißt es u.a.Wer betroffen war, überlässt der «Spiegel» der «Süddeutschen» zu enthüllen: «Spiegel»-Redakteur Georg Mascolo und «der Autor dieser Geschichte» («SZ»-S. 17, nicht frei online), Hans Leyendecker nämlich, «der damals für den Spiegel arbeitete», waren es. Sie hatten berichtet, wie «an Bord einer Lufthansa-Maschine ...im August 1994 rund 363 Gramm Plutonium... von Moskau nach München geschmuggelt worden» waren, was der BND zunächst als seinen Erfolg verkauft hatte, bevor parlamentarische Untersuchungsausschüsse aktiv wurden und BND-Präsident Konrad Porzner sein Amt niederlegte. «Klar, dass die Nerven im Dienst blank lagen», schreibt Leyendecker heute und äußert Ärger über den «publizistischen Dunkelmann», «Spitzel», «Gefälligkeitsjournalisten», der damals seine, Leyendeckers Quellen finden sollte. «Was ihm zwar misslang - aber schon der Versuch müsste für ein Berufsverbot reichen»! Wir fassen zusammen: Bespitzelt wurde der «Spiegel» in den 90-ern, als er noch das Leitmedium im deutschen Journalismus war (Franziska Augstein ,
sinngemäß
).Nun schweißt also die harte Kritik der Mit-Erbin «Redaktion und Aust zusammen»
('Welt').
«Man müßte sich nur einmal vorstellen, wie das wäre, wenn sich bei einem anderen großen Verlag oder Medienhaus Gesellschafter derart exponierten und auf die Redaktion einschlügen», schreibt die «FAZ» (S. 38) - bevor sie am Ende des großen Was-bisher-geschah-Artikels berichten muss, dass der «Spiegel» «rückwirkend Fakten zu korrigieren und die Reihen zu schließen» versucht: Nun «möchte der 'Spiegel'-Verlag dieser Zeitung untersagen, die zentralen Äußerungen Thomas Darnstädts ('Qualitätsmängel', 'herausgeberische Verantwortung') weiter zu zitieren», schreibt die «FAZ» und will offenbar bei ihrer Darstellung bleiben.Wie auch immer, das ist ein Nebenkriegsschauplatz. «High Noon» ist am Mittwoch in der
Gesellschafter-
Versammlung. Vorfreude weckt wieder am schönsten die «taz», und zwar mit «fünf Psychogrammen» der «Kombattanten». Es geht natürlich um Stefan Aust (verschweigt, «dass Rudolf Augstein in seinen letzten Lebensjahren dafür kämpfte, dass eines seiner Kinder die Herausgeberrolle übernimmt»), die «Spiegel»-Redaktion (ließ sich womöglich von Gabor Steingart überzeugen, dass «die Währung beim 'Spiegel' Angst» ist),
Gr...
pardon:
Gruner + Jahr
(möchte zumindest vor der vorgehaltenen Hand bloß Ruhe + Rendite).Und auch um Franziskas Bruder Jakob Augstein geht es
hier in der 'taz'
, der anders als seine Schwester Franziska auf die «Selbstreinigungskräfte des 'Spiegel'» vertraut, «durchaus die Nähe zum Verlag sucht und schon mal ein wöchentliches Magazin dafür entwickelt». Z.B., nur der Vollständigkeit halber,
diesen
dann doch nicht geflogenen «Adler», zusammen mit Oliver Gehrs, den wir hier zuletzt zitierten.
Mehr im Internet: Artikel des Tages |
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Altpapierkorb Nachdem sich die Aufregung in eigener Sache bei der «Berliner Zeitung» gelegt hat,
schaut das Blatt nun
auf eine Zeitung, bei der sich derzeit «für viele ...eine Tragödie!» (Betriebsratsvorsitzender Roland Zaharzewski) abspielt: die «Schweriner Volkszeitung», die vom sehr sehr renommierten Burda-Verlag an den weniger renommierten Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag verkauft wurde. Im Zuge eines «hart gefahrenen Sanierungskurses» wird nun jede dritte Stelle abgebaut. +++ Weiteres «FAZ»-Thema: die
Beurlaubung
des ORF-Chefredakteurs Walter Seledec. +++Der «geniale Wahnsinn»
dieses Gangsterrapper-Magazins
beeindruckte Uwe Schmitt
('Welt').
+++ Wird uns die Fußball-WM 2006 auf Handys beeindrucken? Weiter ungewiss
('Tsp.').
+++ Wolfgang Clement wird wieder Journalist?
('Welt').
+++ Das war's, German-TV
('Tsp.').
+++
Ebd.:
Herzlichen Glückwunsch zum 80., Friedhelm Kemna! +++ ...
und ('FR')
zum selben Ehrentag auch an die verdiente Publizistin Carola Stern (von der
eben dieses Bild
neulich unglücklicherweise in der «FAZ» auftauchte, siehe Altpapierkorb vom
Donnerstag).
+++ «Michael Reufsteck und Stefan Niggemeier, zwei Journalisten und Fernseh-Junkies, haben Jahre ihres Lebens geopfert» (Katrin Wilkens in einer
Buch-
Besprechung der 'FR').
+++ Tipps für die Lebenszeit heute abend: Im ZDF ist «für versierte Krimi-Zuschauer nach gut einer Stunde»
die Luft raus.
«Aber intensiv»
ist's.
+++ Wer sehr sehr spät noch Luft hat, sollte sich ebd. unbedingt «Was lebst Du?»
anschauen
. Oder es halt aufnehmen.
Zwischendurch
begegnet Adam Green 3sat. +++ Meta-Thema «Spiegel»:
Bonusmaterial
vom
Wochenende
. +++ Und: Commander Kurt Beck grüßte nur per Videobotschaft, Sponsor DHL verteilte Gummibärchen und präsentierte seine «tolle Packstation», und am Ende wusste man «immerhin..., dass auch ein gestandener Journalist wie ... Hans Leyendecker ziemlichen Blödsinn reden kann». Die
'taz' über den Mainzer Mediendisput.
+++ «Stasigate am Ostseestrand»? Die
'Berliner' über die Lage
bei der «Ostsee-Zeitung». +++ Das Privatfernsehen entdeckt das Boulevardtheater wieder - Thema in «FAS» und,
online verfügbar, der 'WamS'.
+++ «Qualität stand bei Bauer bisher nicht im Vordergrund», doch nun rief Thomas Schneider das Ziel aus, «dass sich der Käufer auch in Zukunft im Kiosk für die Bauer-Zeitschrift entscheidet, weil er fühlt, hier bekommt er die beste Qualität». Töne, die Ulrike Simon
('Tagesspiegel')
schon etwas beeindruckten. Dennoch: Bauer zählt zu den eher wenigen deutschen Verlagen, die an einer deutschen «Vanity Fair» nicht arbeiten. +++ Hingegen: Um «Sophisticated Entertainment für Frauen und Männer» bemüht sich Andreas Wrede (früher «Spiegel spezial», «GQ») für den Jahreszeiten-Verlag. Das an Vorbildern wie «Wallpaper» und «Park Avenue» orientierte Blatt trägt den Projektnamen «Koi», berichtete die
'Welt am Sonntag'
ebenfalls.Am Dienstag füllt sich der Altpapierkorb wieder gegen 10.00 Uhr.
Für das Web ediert von Christian Bartels |