Altpapier vom Montag
Zuerst die Agenten.
Andreas Förster, Erst-Investigator
Vor allem aber nutzt das Magazin den Artikel, um den «Focus»-Chefredakteur mal richtig zu Wort kommen zu lassen: Helmut Markwort «will die miesen Tricks gegen seinen Reporter nicht dulden. Der Geheimdienst, so Markwort, habe 'den unbequemen Journalisten wohl bei seinen Recherchen behindern' wollen. ... 'Focus' wird die Herausgabe der Observationsakten verlangen...», so der «Focus» (S. 44).
Der «Spiegel» stellt seinen Artikel (in dessen Printversion die Verlagshochhäuser von «Focus» und «Spiegel» einträchtig nebeneinander abgebildet sind)
frei online.Stefan Aust wird hier nicht zitiert, dafür viele alte «Spiegel»-Nummern: «Noch in den Jahren 1997/ 98, drei Jahre also nach Beendigung der Weilheimer Überwachung, führte der BND mindestens zwei Quellen im Medienbereich, von denen eine auch die Frage klären sollte, woher der 'Spiegel' seine Informationen in der sogenannten Plutonium-Affäre bezogen haben könnte ('Spiegel' 15/ 1995)», heißt es u.a.
Wer betroffen war, überlässt der «Spiegel» der «Süddeutschen» zu enthüllen: «Spiegel»-Redakteur Georg Mascolo und «der Autor dieser Geschichte» («SZ»-S. 17, nicht frei online), Hans Leyendecker nämlich, «der damals für den Spiegel arbeitete», waren es.
Sie hatten berichtet, wie «an Bord einer Lufthansa-Maschine ...im August 1994 rund 363 Gramm Plutonium... von Moskau nach München geschmuggelt worden» waren, was der BND zunächst als seinen Erfolg verkauft hatte, bevor parlamentarische Untersuchungsausschüsse aktiv wurden und BND-Präsident Konrad Porzner sein Amt niederlegte.
«Klar, dass die Nerven im Dienst blank lagen», schreibt Leyendecker heute und äußert Ärger über den «publizistischen Dunkelmann», «Spitzel», «Gefälligkeitsjournalisten», der damals seine, Leyendeckers Quellen finden sollte.
«Was ihm zwar misslang - aber schon der Versuch müsste für ein Berufsverbot reichen»!
Wir fassen zusammen: Bespitzelt wurde der «Spiegel» in den 90-ern, als er noch das Leitmedium im deutschen Journalismus war (Franziska Augstein ,
sinngemäß).Nun schweißt also die harte Kritik der Mit-Erbin «Redaktion und Aust zusammen»
('Welt').«Man müßte sich nur einmal vorstellen, wie das wäre, wenn sich bei einem anderen großen Verlag oder Medienhaus Gesellschafter derart exponierten und auf die Redaktion einschlügen», schreibt die «FAZ» (S. 38) - bevor sie am Ende des großen Was-bisher-geschah-Artikels berichten muss, dass der «Spiegel» «rückwirkend Fakten zu korrigieren und die Reihen zu schließen» versucht:
Nun «möchte der 'Spiegel'-Verlag dieser Zeitung untersagen, die zentralen Äußerungen Thomas Darnstädts ('Qualitätsmängel', 'herausgeberische Verantwortung') weiter zu zitieren», schreibt die «FAZ» und will offenbar bei ihrer Darstellung bleiben.
Wie auch immer, das ist ein Nebenkriegsschauplatz. «High Noon» ist am Mittwoch in der
Gesellschafter-Versammlung. Vorfreude weckt wieder am schönsten die «taz», und zwar mit «fünf Psychogrammen» der «Kombattanten».Es geht natürlich um Stefan Aust (verschweigt, «dass Rudolf Augstein in seinen letzten Lebensjahren dafür kämpfte, dass eines seiner Kinder die Herausgeberrolle übernimmt»), die «Spiegel»-Redaktion (ließ sich womöglich von Gabor Steingart überzeugen, dass «die Währung beim 'Spiegel' Angst» ist),
Gr... pardon: Gruner + Jahr (möchte zumindest vor der vorgehaltenen Hand bloß Ruhe + Rendite).Und auch um Franziskas Bruder Jakob Augstein geht es
hier in der 'taz', der anders als seine Schwester Franziska auf die «Selbstreinigungskräfte des 'Spiegel'» vertraut, «durchaus die Nähe zum Verlag sucht und schon mal ein wöchentliches Magazin dafür entwickelt».Z.B., nur der Vollständigkeit halber, diesen dann doch nicht geflogenen «Adler», zusammen mit Oliver Gehrs, den wir hier zuletzt zitierten.
Am Dienstag füllt sich der Altpapierkorb wieder gegen 10.00 Uhr.
Für das Web ediert von Christian Bartels
