Altpapier vom Dienstag
04.10.2005
Herausgeber: netzeitung.de
«Sicher wäre für Otto Schily womöglich ein eigener Kongress nötig. Für den Christiansen- und Hahne-Journalismus sowieso», und ganz sicher zählt zu den wenigen Vorwürfen, die man hierzulande ganz bestimmt nicht erheben kann, dass es an Medienkongressen mangelte. «Man muss dringend debattieren», fordert dennoch
heute in der 'taz' Peter Unfried. Und zwar im Rahmen einer gut informierten Journalisten-Schau ganz auf der Höhe bzw. gewaltigen Breite der Medienmacht-Debatte, nicht ohne auch auf Catilina sowie eine eigene Entschuldigung zzgl. daran geübter Kritik zu verweisen.Zu den aktuellen Steinen des Debatten-Anstoßes zählt die jüngste
'Hausmitteilung' des «Spiegel». Denn «für einen Chefredakteur schreibt Stefan Aust ganz schön wenig. Genau genommen so gut wie nie», informiert Oliver Gehrs in der 'Rundschau' und bestätigt dann ausdrücklich die Leyendecker-Kritik an Aust neulich (siehe Altpapier), wonach der «Spiegel»-Chef ein «geübter Rechthaber» sei. Aktuell verwandte er «statt eigener Argumente ganz viele Zitate» Rudolf Augsteins, dessen Schuhe bekanntlich größer waren. Wenngleich nicht alle Augstein-Zitate («Im Zweifelsfall steht der Spiegel links»).Auf der Suche nach einem gemeinsamen Nenner: Gegen Otto Schily sind doch alle Journalisten, oder?
Also gegen den Schily, der kürzlich durch «eine bizarre Rede» «mehrere hundert Journalisten, Medienunternehmer und Chefredakteure verfolgten im Berliner Maritim-Hotel überwiegend fassungslos» machte. Das steht als Nachbetrachtung zum
Was sagt eigentlich Rudolf Augstein dazu? «Das erste und prominente Opfer eines solchen Verständnisses der Pressefreiheit, hat den furchtbaren Auftritt des Ministers nicht mehr erlebt», informiert
am Ende der «Spiegel»: «Er starb im November 2002. Doch Augstein hat seine Kollegen schon im Februar 1998 vor dem Mann gewarnt, der damals der sozialdemokratischen Opposition als Innenexperte diente», worauf ein weiteres Exempel aus Augsteins Zitatenschatz folgt.Was den Konsens in puncto «Cicero»-Durchsuchung betrifft - da wiederum wirft «taz»-Anwalt Jony Eisenberg in seiner
Kolumne («Heute: Was ist Pressefreiheit?») Sprengstoff in die Runde. «Dazu gilt: Das Dienstgeheimnis, das Beamte bindet, dient auch dem Schutze von Betroffenen und damit all jenen, denen der Staat zumutet, dass er über sie Daten sammelt. Diese Daten dann an die Presse weiterzugeben, dazu ist weder der Staat ermächtigt, noch ist das den Betroffenen zuzumuten». «Die Empfindlichkeiten der Medien» seien aus diesen u.a. Gründen «gänzlich unangebracht».Zum Glück reicht Peter Unfried am Ende des eingangs erwähnten Artikels den Gegnern doch noch die Hand:
«Am meisten gibt mir zu denken, wie wir (fast) alle hintenrum auf den Kollegen Hans-Ulrich Jörges losgehen. Angeblich wegen inhaltlich variablen und effekthascherischen Klugscheißertums. Ist das richtig und/oder Neid und/oder die unterbewusste Verdrängung eigener oder kollektiver Fehler durch Projizierung auf ein personifiziertes Übel? Look at yourself. Du bist vermutlich nicht Deutschland. Aber vielleicht bist auch du ein bisschen Jörges?»
Am Mittwoch füllt sich der Altpapierkorb wieder gegen 10.00 Uhr.
Für das Web ediert von Christian Bartels

