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Altpapier vom Donnerstag

18. Aug 2005 09:09, ergänzt 11:08


Es kann für die aktuelle Medien-Berichterstattung kein guter Tag sein, wenn gleich vier Qualitätszeitungen ein neues Rührstück von der gewaltigen Halde der ARD-Tochter Degeto besprechen, obwohl keine davon das Werk (in dem Heiner Lauterbach «eine Art James Nachtwey für Teetrinker gibt», «taz») empfiehlt und nur eine es richtig schlecht findet.

Gelegenheit, aus der Distanz zum aufreibenden Tagesgeschäft auf die Zeitläufte zu schauen. Oder wenigstens auf den 'Talk der Woche' vom vergangenen Sonntag.

Das war die Sat.1-Show, in der Christian Wulff Edmund Stoiber «knuffig» genannt und Henryk M. Broder postuliert haben soll, dass es «völlig okay» sei, «substanzlos, aber unterhaltsam» zu sein.
Aus letzterer Prämisse entwickelt Klaudia Brunst heute eine analytische Fingerübung zum «geschlossenen Mediensystem» des Fernsehens: Die bekannten und die weniger bekannten Politiker nähmen ihre Auftritte selbstverständlich «als autonom gestaltete Plattformen» wahr, liefern einander immerzu und überall «Miniduelle... um die Wählerstimmen» und könnten sich so den «antiquierten Straßenwahlkampf mit seiner direkten Kontaktaufnahme zum Wähler» bequem ersparen.
Wie man das als Betrachter findet, hängt davon ab, ob man Substanzlosigkeit oder Un-Unterhaltsamkeit okay-er findet.

Diesen lesenswerten Artikel finden Sie im Linkkasten. Sollten Sie allerdings Mediendebatten bevorzugen, die in ganz großen Bögen Jahrzehnte durchmessen, achten Sie auf dieses Logo .

Die «Zeit» hat es für ihre Reihe «Die Medien Republik» ersonnen, welche mangels Medienseite im Wirtschaftsressort des Wochenblatts stattfindet. Heute doziert dort Peter Glotz, lange SPD-Politiker und bis 2004 Inhaber eines Lehrstuhls für Medien in St. Gallen.

Rein sprachlich dürfte sein Artikel für jeden «deutschen Kulturkritiker... – egal, ob er an Adorno oder der Bewahrpädagogik geschult» eine Freude sein: Jeder Satz wartet mit einem schlagkräftigen Schlagwort wie «Emotionskommunikation» (das ist «die Macht der 'Bild'-Gruppe»), «Prägestöcke des Lifestyles» (die deutschen Fernsehsender, zumal die privaten) oder natürlich «Medienkapitalismus» (ließ sich anno '68 von den «Enteignet Springer»-Plaketten nicht aufhalten) auf.

Mittendrin wird es hart: «Nun wollen wir uns nichts vormachen; die Medienpolitik ist ziemlich tot». Glotz erinnert sich: «In meiner Jugend habe ich bestimmt fünfzig Streitgespräche mit dem damaligen medienpolitischen Sprecher der CDU/CSU, Fritz Zimmermann, geführt, später genauso viele mit Christian Schwarz-Schilling», und dann scheint Politikern und Parteien die Freude an der Medienpolitik vergangen zu sein.

Aus diesem Grund oder einem anderen: «Nach der heutigen Rechtslage kann das Haus Springer die Führung bei ProSiebenSat.1 Media wohl kaufen», «was man Bertelsmann zugestand, wird man Springer nicht verwehren können».

Kein Grund, den Kopf hängen zu lassen! Wie wäre es, sich der «Kriegslisten der Rundfunkpolitik» zu erinnern, mit denen die SPD in den 80-ern Fritz Zimmermann ein Schnippchen schlug und für Alexander Kluge Sendeplätzchen im damals neuen Privatfernsehen festschrieb.

«Unterwanderung allzu geballter Medienmacht» - diese putzige Guerilla-Attitüde will Peter Glotz schon jetzt gern gegenüber dem neuen Springer-Fernsehen einnehmen.


Mehr im Internet: Zu den Artikeln


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«Was habe ich in 35 Jahren nicht schon an Wandel und Wechsel erlebt!» sagt der Filmhändler und Sender-Betreiber Herbert Kloiber. Tatsächlich führt er mit der «SZ» (S. 15) dann ein langes Gespräch zu aktuellen und zeitlosen Medienthemen. Z.B. antwortet er auf die Frage: «Wie haben Sie den Rückkauf von 45 Prozent der Tele-München-Gruppe finanziert, die bei EM.TV lagen? Das kostete immerhin 120 Millionen Euro» mit: «Allein. Sie dürfen nicht vergessen, dass ich 1999 aus dem Verkauf der Anteile an EM.TV 400 Millionen Euro bekommen hatte». +++ Gestern Gerhard Delling gesehen? Ein netter Mann, der auch der 'Welt' «nett Kekse und Kaffee» reichte und wohl «am liebsten sooft nachschenken (würde), daß er gar nicht mehr antworten müßte». Delling will ja 2006 «seinen Job als NDR-Sportchef nach nur drei Jahren aufgeben. Offiziell wegen chronischer Überarbeitung». Und inoffiziell? Die «Welt» verschweigt freundlich die im Juli von der 'SZ' aufs Tapet gebrachten Drittmittelfinanzierung des Sportchef-Vertrags und verweist nur auf den frei werdenden «Tagesthemen»-Posten. +++ Aktuelle Medienpolitiker- Standpunkte: Die 'Rundschau' fasst die verdi-Umfrage zu den Positionen der wahlkämpfenden Parteien zur Werbung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zusammen. +++ Die «SZ» (S. 15) schreibt es Angela Merkel zu, Edmund Stoibers angekündigtes TV-Duell mit Oskar Lafontaine in ein «Print-Duell» verwandelt zu haben, lobt die ZDF-Kindernachrichten «logo!» und beklagt «große Lücken» im neuen 'Handbuch Journalismus und Medien' . +++ Welche entsättigte Farbe der Boden hat, auf dem beim großen TV-Duell die insgesamt sechs Pulte stehen werden? +++ 'Sportsfrau' , dieser «lohnende Versuch, das Unternehmen Sport monoperspektivisch aus der Sicht der Frau anzugehen», sei «optisch unscheinbar» und nehme «die ganze Last der Emanzipationsbewegung auf seine Schultern», sodass das Ergebnis «einigermaßen zäh» sei. 'Champ' wiederum (gemacht u.a. vom Medienjournalisten Helge Hopp) bietet «mehr als eine makellose Oberfläche: ...durchgängig hohe Textqualität». Doch auch dieses Pilot-Heft «fördert ...die Eindimensionalisierung der Sportberichterstattung»: zwei Blattkritiken in einem bietet die 'FAZ' . +++ Berlin soll von Hamburg lernen? Jawohl, im kommerziellen Stadtfernsehen, erläutert der 'Tagesspiegel' . +++ Ebd. : die Personalie Martin Heidemanns bei Springer. +++ «FAZ»-Medienseite 36: In Schweden wird im Winter eine «Hintergrundzeitschrift» namens «Fokus» erscheinen; zu den Geldgebern gehöre «der nicht unumstrittene schweizerische Finanzmann Martin Ebner». (Wer das ist? Siehe z.B. Netzeitung ). Ferner kündet ein poetisch düsteres Stück davon, «wie Griechenlands Fernsehen den Absturz von Athen inszeniert»: «Die Ärmel in den Bäumen, aber wo ist der Arm? Die Linse sucht weiter, sie findet nichts. Das Feuer wieder, der Wald und die Olivenbäume brennen lichterloh»... +++ Aus dem undemokratischen Weißrussland, dem hessischen (interessante Doku über den Frankfurter Auschwitz-Prozess) und dem überregionalen TV-Programm (in Wolfgang Herles' Reportage über sieben Jahre Rot/ Grün ist auch Peter Glotz dabei) berichtet die «Rundschau». +++ Der Gimmick oder das?Woher kamen die Urzeitkrebse und wohin gingen sie dann, durchaus nach einigen Monaten guten Lebens? Antworten auf diese «Yps»-Fragen gibt Norbert Hinze der «taz». Wer Hinze ist? Ein «ehemaliger Oberagent» («taz» heute)?? Ein früherer «Yps»-Chefredakteur, hier bei einer Gimmick-Konferenz zu sehen. +++ Gimmick in Gestalt einer Hochglanz-Zeitschrift: «How to spend it» liegt der «Financial Times» bei und berät vermögende Briten beim Ausgeben ihres Geldes. Wissenswertes darüber steht in der 'Zeit' . Bloß nicht, dass «How to spend it» auch der «Financial Times Deutschland» beiliegt und insofern hierzulande nicht völlig unbekannt ist. +++ Gute alte «Tagesschau»! Eines der wenigen Leitmedien, das nicht immerfort als erstes in die «Bild»-Zeitung schaut, berichtet die 'Bild'-Zeitung . +++ Einer, der immer seine «Bild» liest: Harald Schmidt. Jetzt ja auch als iTune erhältlich. Michael Hanfeld hat für die 'FAZ' die «elf Minuten ... für 99 Cent» gehört und dokumentiert, wenn wir richtig gezählt haben, zwölf Schmidt-Gags. Dieser Artikel ist online unentgeltlich zu haben und bietet damit definitiv das günstigere Preis-/Leistungs-Verhältnis.

Auch am Freitag füllt sich der Altpapierkorb wieder gegen 9.00 Uhr.

 
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