14. Jul 2005 09:16, ergänzt 10:41
geht es tatsächlich um uns. Auch um uns. Und wie es scheint auch um den leidigen Knatsch mit der «FAS». Soll man dazu wirklich noch etwas sagen? Können ja mal ein Schreiben aufsetzen. Und hoffen, dass darin das Besondere (an dieser eigentlich längst vergessene Sache) auf das Allgemeine (die Probleme des Medienjournalismus) verweist. Also:
«Lieber Herr von Streit,
erlauben Sie mir ein paar Bemerkungen zu Ihrem Artikel Dicke Suppe. Medienjournalisten kontrollieren die Medien – aber wer kontrolliert eigentlich die Medienjournalisten, die Blogs? Es geht darin, was die Passagen mit Netzeitung anbelangt, einiges durcheinander.
Sie schreiben:
'Tatsächlich zeigt der Fall ('FAS vs NZ'), wie undurchsichtig oft die Motive von Medienjournalisten sind und wie schnell kritische Berichterstattung über die Konkurrenz unter den Generalverdacht gestellt werden kann, nicht mehr als eine verlagsgesteuerte Kampagne zu sein: An einem Sonntag im Sommer vergangenen Jahres erschien die täglich geschriebene Netzeitung-Kolumne 'Altpapier' aus Kostengründen erstmals nicht. Eigentlich ist das eine Meldung wert, mehr nicht. Es sei denn, es steckt mehr dahinter. Der Medienredakteur der FAS wusste vorher von der Rotstift-Aktion bei der Netzeitung und informierte ihre Leser mehrspaltig in einem Aufmacher der Medienseite über die Erkenntnisse.' (Hervorh. von mir)
Na ja, es ging in diesem Aufmacher natürlich nicht nur um das Altpapier...
Aber was dieses anbelangt: es wurde tatsächlich darüber nachgedacht, die Kolumne komplett einzustellen. Allerdings nicht aus Kostengründen, wie offenbar auch jener schlecht informierte Altpapier-Schreiber glaubte, der es dann mutmaßlich dem Medienredakteur der «FAS» steckte.
Nein, die Wahrheit ist leider schlichter. Das Altpapier sollte durch ein anderes Format ersetzt werden, weil wir fanden, dass der Medienjournalismus ziemlich öde geworden war. So öde, dass er es nicht mehr wert schien, in täglicher Arbeit aufbereitet zu werden. Sorry, aber so dachten wir nun einmal.
Sie schreiben weiter:
'Noch am selben Tag, nur wenige Stunden später, deutete Chefredakteur Michael Maier 'In eigener Sache' an, dass in Frankfurt die nötige Unabhängigkeit wohl nicht vorhanden sei, erwähnte die kritische Berichterstattung der Netzeitung über den FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher in der Vergangenheit und schrieb süffisant von 'persönlichen Rachefeldzügen'. Medienseiten als ein verlängerter Arm der Verlagsinteressen - der Vorwurf kommt schnell, wenn einer dem anderen ans Bein pinkelt. Und er wirkt. Auf der Strecke bleiben die Leser'. (Hervorh. von mir)
Tatsächlich stecken für Leser oft undurchsichtige Gründe hinter einer Berichterstattung. Ich könnte Ihnen einige Beispiele nennen. Aber in diesem Fall hielt ich die Vermutungen meines Chefs für falsch und ließ das zwischen den Zeilen auch durchblicken.
Denn darauf bin ich (und wie ich hoffe, auch mein Chef) ein wenig stolz: wer lesen kann, und das heißt: wer zwischen den Zeilen lesen kann und Ironie versteht, der wird in dieser medienkritischen Kolumne gelegentlich auch Kritik am eigenen Organ heraushören.
Sie mag sich in den Grenzen eines Kleinstaats halten. Aber mit Verlaub: Wo gibt es das sonst? Bei der fürstlichen «FAZ» etwa? Haben Sie dort schon einmal ein kritisches Wort über das eigene Blatt, den eigenen Verlag gelesen, und sei es noch so zart? No way!
Man würde annehmen, dass sich darin konservative Medien mit ihrer Affinität zu «Arkan-Politik», vulgo: Geheimniskrämerei, von den liberalen und linken Organen unterscheiden. Weit gefehlt. Auch bei der «FR» werden Sie lange nach Kritik pro domo suchen müssen.
Dieses Tabu verschafft dem Medienjournalisten natürlich ein Glaubwürdigkeitsproblem – wenn er denn die konkurrierenden Medien, die lieben Kollegen gleichsam, überhaupt noch publizistisch begleitet und nicht als Fernsehkritiker in die innere Emigration gegangen ist.
Andererseits ist ja auch verständlich, dass nicht alles, was im eigene Haus passiert oder oft auch: nicht geschieht, in die Welt hinaus posaunt werden sollte.
Was tun? Vielleicht führen die von ihnen angesprochenen Watchblogs tatsächlich aus dem Dilemma (nicht zuletzt durch die Anonymität, die sie gewähren). Auch wenn sie deren Problematik genau benennen – bis hin zum Vorwurf einer «neuen Stasi» im Netz, von der «in der Washington Post zu lesen war».
Im Übrigen ist das Altpapier nicht eigentlich ein «Weblog», wie sie es nennen. Dafür ist es dann doch zu stark eine Glosse im traditionellen Sinn. Was nicht heißt, dass ihm alle Probleme und Eigenheiten dieser neuartigen Gattung völlig fremd wären.
In erster Linie ist hier natürlich die «subjektive Sichtweise» zu nennen! Wofür auch diese Zeilen stehen mögen.
In diesem Sinne grüßt Sie freundlich
Gez.
P.S. Auch eine «Klatschspalte», wie sie schreiben, ist diese Kolumne leider nicht. Sie wäre es vielleicht ab und zu ganz gerne. Aber leider findet man ja nicht einmal mehr ordentlichen Klatsch auf den Medienseiten. Hoffen wir auf bessere Zeiten...«
Sorry, ist arg lang geworden, nun aber husch, husch, rein in den Kasten: