Eigentlich sollten wir glamourös werden.
Seit heute liegt «Park Avenue» an den Kiosken - der Lösungsansatz des Verlags Gruner+Jahr (hat einerseits gerade seinen Rückzug aus der New Yorker
Lexington Avenue angekündigt, andererseits just, das soll nicht verschweigen werden, beim Charity-Golfen einen schönen Erfolg
erputtet) für
«das deutsche Glamourproblem» («taz»).
Und währscheinlich würde Chefredakteur Alexander Graf von Schönburg, der bekannte
stilvolle Nichtraucher (der freilich
nicht mehr nicht raucht) nun nervös an den Fingernägeln kauen, wenn
ausgerechnet die deutschen Medienjournalisten sein Heft mit dem gewaltigen Anspruch, die erste inoffizielle deutsche «Vanity Fair» zu sein, mögen würden.
Da kann er beruhigt sein, der Mann mit «tollem Namen, toller Schwester (Gloria von Thurn & Taxis)» und eben «tollem Bestseller» («taz»). Umso mehr, als auch erwähnt wird, dass er «erst später... ins Team geholt» wurde («Welt»; Warum? Weil «der frühere 'Spiegel'-Journalist und Ex-'Max'-Chefredakteur Hajo Schumacher ablehnte...», «taz»).
Und es kommt noch besser: Die Medienjournalisten mögen «Park Avenue» eher nicht. Und das großflächig. Ja, sie kommen beim Kritisieren sogar kaum umhin, jeweils mehrere gute Stories zu loben.
«Das Versprechen auf höchstes Niveau wird über weite Strecken nicht eingelöst», schreibt Burkhard Riering («Welt») in der ausführlichsten Blattkritik, «vielleicht hat Deutschland einfach zu wenig 'Storyteller' von Format». Aber wenn er später die «natürlich ... auch» vorhandenen Highlights aufzählt, kommt einiges zusammen.
«Das Porträt über die Ex-'Vogue'-Chefin Angelica Blechschmidt aus der Feder Schönburgs» höchstselbst etwa. «So haben wir Blechschmidt noch nie gesehen, zumal 43 Fotos von ihr daneben stehen».
Dieser Text hat es auch Harald Martenstein angetan, der die Blattkritik für den «Tagesspiegel» übernommen hat. «'Im Ritz gab es eine Fliege, mit der ich mich angefreundet habe', erzählte sie einem Freund einmal, 'sie begrüßte mich, wenn ich das Zimmer betrat. Sie kam mit zum Bad und zum Frühstück'», zitiert er daraus.
So einige Geschichten im «Reichenfachblatt» seien «recht seltsam geschrieben, so, als ob die Autoren total zugekokst gewesen wären».
Wer würde da nicht doch zu dem Magazin greifen wollen?
Allenfalls, wie auf
dem Cover die Schauspieler bzw.
Filmstars Sebastian Koch und
Alexandra Maria-Lara «
im Stil des Adels blasiert und arrogant dreinblicken» («taz»), könnte den Kaufimpuls im letzten Moment zunichte machen.
«Der vollständige Verzicht auf Ironie oder auch nur Distanz zu den Reichen und Schönen» hat seinen Preis. (Martenstein nochmal). Bzw.:
«Um die Wahrheit zu sagen: Ich liebe Kaviar» (Michael Steiner, ehemaliger Kanzlerberater )
Einen Internet-Auftritt hat
parkavenue-magazin.de einstweilen nicht.
Wer lieber noch mehr über das Heft lesen will als es selbst, kann auch nochmal in die wohlwollende Vorabrezension der
'Berliner Zeitung' schauen, oder in die inzwischen
frei online verfügbare, nicht so wohlwollende des «Spiegel». Und sollte aus diesen Berichten zumindest mitnehmen, dass der Anzeigenpreis von
17.000 Euro pro Seite anfangs eher
virtuell ist. Denn «die Reklame in der Probeausgabe» wurde «
umsonst gedruckt».
Bei allem Schönburg-Ballyhoo: Kein deutscher Chefreakteur dürfte bei Pressekonferenzen so viel
Fotografen-Interesse erregen wie
Giovanni di Lorenzo. Erstmals in seiner «Zeit»-Zeit stellte er seine Pläne vor. Die dezenten Änderungen (u.a.: die Kolumne
«Hysterie der Woche»), die das Wochenblatt demnächst entspannt vornehmen will, schildern
'Welt' und
'Tagesspiegel'. Gegen Medienseiten hat di Lorenzo übrigens nichts einzuwenden, sofern sie sich nicht mit
Eitelkeiten von Chefredakteuren und dergleichen befassen. Vielleicht enthält dereinst auch die «Zeit» wieder eine. +++ Ein aktuelles
'SZ'-/ 'Tagesspiegel'-Dementi. +++ «Mehr als
300 Planstellen das sind knapp 20 Prozent der Belegschaft fallen bis Ende 2008
weg»? Viele Zahlen rund um die Einsparaktion des RBB bringen die lokalen Zeitungen
'Tagesspiegel' und
'Berliner'. +++ Die «FAZ»-Medienseite 46 ist hauptsächlich, nicht frei online, dem 25-Jährigen von CNN gewidmet. In den Randspalten u.a.: der
«Wechsel in der Chefredaktion» der «Weltwoche» (hier die
knappe Pressemitteilung).
Simon Heusser habe «die Redaktion und die Spesen nicht im Griff» gehabt, behaupte der Verlagschef. «Offensichtlich stand der liberale Heusser der SVP», der
«rechtsbürgerlichen Partei», «nicht nahe genug», meint
Jürg Altwegg. +++ 2006 soll die lang geplante französische
CNN-Alternative (
Chaîne d'information internationale) auf Sendung gehen. Für Streit sorgt die Finanzierung. Der Staat unterstütze den Ausbau des Privatsenders TF1, der Fernsehmachen als «freie Gehirnzeit an Coca-Cola verkaufen» definiert, heißt es («SZ», S. 17). +++ Am 29. Juni zeigt das ZDF die beiden
letzten «Kanzleramt»-Episoden am Stück. «Danach ist Schluss, Fortsetzung ausgeschlossen». Die «Süddeutsche» blickt auf den ambitioniert gedachten Versuch politischer Fiktion zurück. «Qualität» habe die Serie gehabt, sagt Programmdirektor
Thomas Bellut: «Das lasse ich mir nicht ausreden». Wer die bislang letzten Folgen gesehen hat, wird sich das aber auch nicht
einreden lassen. +++ Die Münchener Polizei nahm «Junge Welt»-Reporter
Nick Brauns vorübergehend fest?
'taz'. +++ Mit Sendungen wie
«Zock' um Dein Wohnzimmer» will die deutsche MTV-Dependance künftig stärker auf Eigenproduktionen und Eindeutschungen setzen, berichtet die
'Berliner'. +++
Nach dem Jubiläum ist vor dem Jubiläum,
irgendeines ist beim «Tatort» dauernd. Die vorgestern gezeigte 600. Ausgabe bekam nicht allzu viel Aufmerksamkeit. Immerhin kommt nun noch
eine Kritik hinterher. +++ Eine ZDF-Doku über
Charles Lindbergh empfiehlt die «Rundschau»
eher nicht. +++ Was auch immer sich von der politischen Entwicklung halten lässt: Zu den Vorzügen könnte zählen, dass
Elmar Brandt bald seltener nervt. Freilich hat der Stimmenimitator auch andere Prominente im Programm - und selbst
Bruno Ganz den Hitler beigebracht.
«Der private Hitler hat ein tiefes Timbre, die Stimme klingt warm, gar nicht so unangenehm. Das Österreichische hat mich an Udo Jürgens erinnert», sagt Brandt im
'FR'-Interview. +++ Laufend neue
Enthüllungen. Nun wurde auch ein Hollywood-Kinofilm scheinbar redaktionell in die Sonntagabendshow «Christiansen»
eingebunden.
Oder so. +++ Die «SZ» interiewt dann noch
Hans-Hermann Tiedje, einst «Bild»-Zeitungs-Chef, nun u.a. Medienberater des
angeklagten Ex-Unternehmers Alexander Falk. Tiedje sagt u.a.:
«Zurzeit überwiegt die Meinung, Falk solle keine Interviews geben. Für den Fall, dass sich diese Linie ändert, steht aber schon fest, wo und in welcher Form er sich äußert». +++ Und da wir bei «Bild»-Zeitungs-Ex-Chefredakteuren sind:
Udo Röbel zeigte sich
gerade in der ARD als
Elch im Lager der «Bild»-Zeitungs-Kritiker. Und die ARD zählt zu denen, die
Gegenreden auf Röbels
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