Altpapier vom Ostersonntag
11.04.2004
Herausgeber: netzeitung.de
«Die Auferstehung» ist als Sequel zu Mel Gibsons aktuellem Werk, der Blutkunst mittels Kunstblut herzustellen sucht, vermutlich schon in Arbeit, und immerhin hat Mel Gibson das Sprechen über Jesus ganz erheblich gelockert. Jesu Geschichte kann als
Liebesgeschichte erzählt werden, und im «Spiegel» steht sie als Krimi gleich auf dem Titel: Mordfall Jesus Christus.Sonst fällt uns areligiösen Menschen zu dem ganzen Brimborium wenig ein, außer dass die mediale Verbreitung des seinerzeitigen Wunders recht erfolgreich war, und auch das Merchandising ziemlich gut gelaufen ist.
Denn: Es muß nicht immer Guido Knopp sein, der einem die Vergangenheit erklärt. Das ist doch mal eine wirklich frohe Botschaft! Allerdings steht sie in der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» auf Seite 32 in
Joseph von Westphalens Geburtstagsartikel für die «taz», und er meint damit gar nicht die Evangelisten, sondern die sogenannten säzzer: Egal, ob ein törichter Satz Eberhard Diepgens vom Säzzer mit einem trockenen «Wie meinen?» quittiert wird oder eine Auslassung Wolf Biermanns mit dem Hinweis: «Weißt du was, du bist wirklich ein Waschlappen geworden, die Säzzerin.»Zwar zitiert Westphalen ein bisschen viel, kann dazwischen aber sehr gut erklären, woraus die «taz» besteht: Hier herrscht an vielen Stellen der trockene Ton wie in gepflegten alten Kriminalromanen mit diesen Detektiven, die immer chronisch knapp bei Kasse sind, aber gute Sprüche drauf haben, die wissen, wie der Hase läuft und wo etwas faul ist, und denen man nichts vormachen kann.
So sehen wir das nämlich auch: immer total auf dem Quivive, die Leute von der «taz».
Sie prahlen nicht mit ihrer Intelligenz, fährt Westphalen fort, da wundern wir uns schon etwas, und ob wir ihm hier folgen können: Diese Typen sind uns ans Herz gewachsen., darüber müssen wir noch nachdenken.
Die «taz» total gern zu haben, gehört nämlich allerorten zum guten Ton, und wir benehmen uns nun einmal gerne schlecht.
Für uns christenferne Menschen bedeutet Ostern in erster Linie eine hammerharte Ballung von Feiertagen, die uns völlig aus dem Rhythmus bringt, außerdem die Abwesenheit aller unserer wenigen Freunde, weil sie zu österlichen Ausflügen, regelrechten Reisen oder Familienbesuchen weggefahren sind. Aber wir wollen mal nicht so sein und rufen daher heute nicht, wie sonst jederzeit, zu religiöser Intoleranz auf.
Sollen sie ihren Feiertag haben, bitte. Wir gehen arbeiten.
Altpapierkorb
Sehr gute und wichtige Beziehungsberatung leistet die «Welt am Sonntag», die genau erklärt, warum Männer sich Bridget Jones
nicht anschauen müssen. +++ Unbedingt anschauen dagegen muss man sich Berlin Ecke Bundesplatz. Warum, erläutert im «Tagesspiegel» auf S. 30 Stefanie Flamm, die dort glücklich ist, nachdem sie im 'Kursbuch' von ihrer ersten Entlassunghatte berichten müssen. Um 9:57 Uhr war die Medienseite des «Tagesspiegel» leider noch nicht im Netz, und um 10:33 Uhr auch nicht. Vielleicht wird sie ja noch nachgeliefert. Wer versuchen will, sich durchzuklicken, kann hier anfangen. +++ Nicht allein Jesus Christus, sondern auch Ägypten ersteht heute auf. Die anderen feierten das gestern, der «Tagesspiegel» und die 'Welt am Sonntag' feiern es heute. +++ Und sonst gibt es noch ein bisschen Klatsch. Die «WamS» weiß, dass MTV ab 26. April in Berlin sein, dass die 'Brigitte' ihren 50. Geburtstag in Berlin feiern wird und dass nicht nur die «taz», sondern auch die Henri-Nannen-Schule 25 Jahre alt geworden ist. Das wissen wir zwar nun schon alle und schon eine ganze Weile , aber man hört's halt immer wieder gern. Dazu zeigt sie ein echt gemeines Bild von Ulrich Wickert, der seinen Vertrag nicht verlängern will. +++ Der Klatsch auf Seite 32 der «F.A.S.» ist teils auch schon älter , handelt er doch zunächst von RTL, das jetzt auch eine reiche Bäckerstochter und die Sängerin einer Casting-Band aufs Land schickt und außerdem singende Promis als Debütanten ausgibt, die gar keine sind, während im ZDF nun auch Roy Black zur Volksmusik geschlagen wird. Not amused ist man darüber, dass irakische Geiselnehmer von AP liebevoll als «Widerstandskämpfer» bezeichnet werden und fragt sich: Ist das nun Antiamerikanismus oder reine Dummheit? +++ Wo es im Sport um Hundertstelsekunden geht, da geht es im Fernsehen um Zehntelprozentpunkte. Wegen solcher freut sich «N24» diebisch über die allabendliche Verwurstung der «Harald-Schmidt-Show», wie 'Der Spiegel' zu berichten weiß.Nach den Feiertagen, wenn es wieder frische Zeitungen gibt, füllt sich auch der Altpapierkorb wieder: am Dienstag gegen 9 Uhr.
Für das Web ediert von Iris Hanika

