Altpapier vom Mittwoch31. Mrz 2004 09:04, ergänzt 11:03
Ein «Magazin für Kunst und Leben» und «der große Schwiegersohn-Gipfel» in einem Altpapier? Geht das? Muss ja.In der «Welt» steht: «Mehr als eine Idee, ein paar Apple-Computer, eine Grafik-Agentur, fünf Investoren, einen Anzeigenleiter und eine Chefin vom Dienst und die Kontakte zu Journalisten und schreibenden, zeitgenössischen Persönlichkeiten, die für wenig Geld Texte abliefern, braucht man heutzutage nicht.» Kann ja eigentlich jeder, so ein Magazin machen. Man muss nur zufällig gerade in Berlin sein. Am morgigen Donnerstag erscheint also erstmals «Monopol», von dem im
Altpapier vom Sonntag
bereits einiges zu lesen war. «Welt», «Tagesspiegel» und «Süddeutsche» rezensieren schon heute und kommen zu einem wohlwollenden Urteil. Der «Tagesspiegel» findet das erste Heft allenfalls «recht Berlin-Mitte-lastig». Und wenn die «Süddeutsche» schreibt, «Monopol» sei «eine sichere Beute für Poser, bei denen zwischen 'Wallpaper' und 'AD' eine Lücke auf dem Beistelltischchen klafft, weil ihnen 'Brandeins' zu schwierig ist», meint sie das ja gar nicht so – und schwärmt ein bisschen von «starken Geschichten und noch stärkeren Bildern, in sehr ruhigem Layout» (Seite 19).«Weil sie Angst hätten, sie wüssten zu wenig», würden «viele Anwälte, Unternehmensberater oder eben Zahnärzte» den Kulturteil der Tageszeitungen gar nicht erst lesen, haben die «Monopol»-Macher bei «Gesprächen im Freundeskreis» erfahren, referiert der «Tagesspiegel». «Genau die möchten wir mit unserem Magazin erreichen», sagt Amélie von Heydebreck. In der «Welt» sagt von Heydebreck lieber «betont ernst»: «Das Thema gebietet eine unironische Herangehensweise.» Florian von und zu Illies erinnert sich: «Ja, es war eine wunderschöne Zeit bei den 'Berliner Seiten'», «und lehnt sich ein Stück zurück». Aber «Amélie von Heydebreck unterbricht ihn: keine Wehmut.» Nein, keine Wehmut. Besser kann man fast nicht überleiten zum «Konglomerat der Selbstoffenbarung» («taz»), das am Montag mit Johannes B. Kerner, Jörg Pilawa, Oliver Geissen und Kai Pflaume bei Reinhold Beckmann tagte und keine Antwort darauf fand, weshalb «die Kritiker aus den Feuilletons» immer auf sie «runterschauen» (
hier mit Bild
). Soviel sei bereits verraten: Auch heute wird sich die Angelegenheit nicht zufrieden stellend klären lassen.«Die Sendung zog sich. Sie hörte einfach nicht auf», meint sich der «Tagesspiegel» unter der hübschen Überschrift «Johannes, du bist der Langweiligste». Die «taz» zweifelt aus gegebenem Anlass an der Interviewtechnik von Reinhold Beckmann und empfiehlt ein Training derselben an der Hamburger Akademie für Publizistik: «Ein Anruf heute Morgen ergab, dass der Kurs so gut wie ausgebucht ist. In dringenden Fällen aber sei noch was zu machen. Dies ist ein dringender Fall.» (Aber
der falsche Kurs
.) Und «Welt», «Berliner», «Rundschau» und «SZ» (Seite 19) haben fleißig mitnotiert, was die Herren Moderatoren zu sagen hatten. Mehr aber auch nicht. Vermutlich kommt es bei den Kritikern in den Feuilletons generell besser an, wenn junge, aufstrebende Journalisten für befreundete Anwälte, Unternehmensberater und Zahnärzte Kunstmagazine machen.
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Altpapierkorb «Fast an die Zeiten eines Thomas Middelhoff erinnert» fühlte sich die
'Berliner'
gestern bei der Präsentation der Bertelsmann-Jahresbilanz. «Die Zahlen sind gut. Die Stimmung ist es auch», bestätigt die
'FAZ'
(siehe auch Seite 17). Mehr zu den Bertelsmann-Bilanzen steht außer in der
Netzeitung
auch in
'Tagesspiegel'
, «SZ» (Seite 23),
'FR'
und «Handelsblatt» («Der neue Bertelsmann-Kurs war längst überfällig», Seite 11). +++ Die
'Berliner'
berichtet nicht nur vom
«European Newspaper Congress», sondern hat auch in der
Wiener 'Presse'
gelesen, dass «FAZ»-Herausgeber Günther Nonnenmacher sich eine Verkleinerung des Formats seiner Zeitung vorstellen könnte. +++ Wie Japans Zeitungshäuser sich «zu diversifizierten Unternehmen entwickelt» haben, um überleben zu können, berichtet derweil die
'Rundschau'
. +++ Zu «Friedensgesprächen» nach dem «Quotenkrieg der Volksmusiksendungen» (siehe
Altpapier
) treffen sich heute die Programmchefs von ARD und ZDF, berichtet das «Handelsblatt» in seiner Kolumne «Medien-Menschen» (Seite 18). +++ Von einer «Geschichte mit Folgen», nämlich der aktuellen Titelgeschichte des «Spiegel», «Unmut» bei den Mitarbeitern und einer «schriftlichen Kündigung» weiß der
'Tagesspiegel'
. +++ «Fernsehen, lernt man bei Arte, kann so schön sein», schreibt die
'taz'
nach einem Besuch in der Straßburger Arte-Zentrale. +++ Vom Wechsel an der Spitze der Werbeagentur BBDO berichten «Süddeutsche» (Seite 19) und «Handelsblatt» (Seite 18, siehe auch
Netzeitung
). Die «SZ» führt außerdem ihre gestrige Meldung, dass Jan Mojto die Beta Film kauft, noch einmal aus. +++ «Grimme-Preisträger Hartmut Schoen über wachsenden Druck auf Filmemacher und den Niedergang des Fernsehens» – in der
'Welt'
. +++ Die «Stimmen»-Rubrik der «FAZ» wird diesmal mit Hans Eichel befüllt. «In medias res» witzelt das Blatt außerdem ein bisschen über die neuen Sat.1-Shows von Linda de Mol und Barbara Eligmann (siehe auch
'FR'
) und druckt einen kurzen Nachruf auf den verstorbenen BBC-Reporter Alistair Cook (siehe noch mal
'FR'
und
Netzeitung
). All das auf der Medienseite 40. +++ Einen Blick in die Neuauflage des «Serien Guide» hat die
'Rundschau'
geworfen. +++ Die Gewinner des Wächterpreises melden derweil
'Tagesspiegel'
und «Bild», letztere übertrieben groß auf dem Titel. +++ «'Tuning TV', ständig, DSF» kurzrezensiert die
'taz'
erschrocken. +++ Und nicht nur «Beckmann», auch «Maischberger» soll künftig 75 statt der bisherigen 60 Minuten dauern, meldet die «SZ» (Seite 19).Am Donnerstag füllt sich der Altpapierkorb wieder ab ca. 9 Uhr.
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