Altpapier vom Donnerstag
25. Mrz 2004 09:07, ergänzt 10:56
Pünktlich zum offiziellen Start, eigentlich aber bereits seit sich vorgestern die «Berliner»
wenig zufrieden
über die erste «Cicero»-Ausgabe äußerte, sind die Vorschusslorbeeren für das ehrgeizige Projekt von Verleger Michael Ringier und Chef-Redaktionsdenker Wolfram Weimer verbraucht. Seit heute liegt «Cicero» am Kiosk (siehe auch
Netzeitung
).Und im «Tagesspiegel» lässt sich der Ex-«Woche»-Chef Manfred Bissinger ein paar Absätze Zeit, bis er vom Lob des «kühnen, lohnenden Unterfangens» zur Kritik kommt. So ist das nun mal, wenn man (ehemalige) Blattmacher zur Blattkritik einlädt: sie kritisieren nicht nur, sie verbessern gleich. Deshalb hat Bissinger, der es eigentlich ja gut mit dem Zeitschriftenneuling meint, nun jede Menge Tipps parat, was Weimers Team am Heft noch hätte ändern können, ohne dabei «Angst vor der eigenen Courage» haben zu müssen. Drüber notiert der «Tagesspiegel» übrigens, dass «Cicero»-Gönner Michael Ringier und Bissinger selbst einmal «mit dem Gedanken eines gemeinsamen Projekts» spielten.
Auch die «Zeit» findet «Cicero» «exzellent gemacht», aber: «wie es so ist mit Zeitschriften-Projekten: Steil ist alle Theorie, doch hart im Raume stoßen sich die Sachen.» Dass die «Rundschau» «den Eindruck hat, fast alles schon einmal irgendwo gelesen zu haben», wundert nach der Lektüre der Kritik in der «Berliner» (die heute unabhängig davon mit «Atlantic Monthly»
das 'Cicero'-Vorbild vorstellt
) nicht mehr. Das «FR»-Fazit: «So beeindruckend die Reihe der Autoren auch ist, man findet kaum Überraschendes oder Originelles.»Originell ist die ebenfalls schon heute erscheinende neue Programmzeitschrift «TV Digital» freilich nur insofern, dass sie noch mehr Programme abbildet als ihre Konkurrenten. Es stört auch nicht weiter, dass die «Welt» auf ihrer Medienseite recht groß über den Start der «Zeitschrift für das Fernsehen der Zukunft» berichtet, da bereits im zweiten Absatz brav darauf verwiesen wird, dass «TV Digital» «aus dem Verlag Axel Springer» kommt, «in dem auch die WELT erscheint». Eigentlich ist es nicht mal weiter schlimm, dass ausgerechnet auf der Seite davor eine ganzseitige Farbanzeige für «TV Digital» wirbt und Ringiers «Cicero» neben dem «TV Digital»-Bericht bloß mit einer
32-Zeilen-Meldung
abgespeist wird.Dass Springers «strategischer Partner» Premiere wegen des neuen Titels nun nicht nur wie angekündigt sein «TV Kofler», sondern auch das «Premiere Magazin» einstellt, seine Kundendaten nutzen lässt, um Abonnenten für «TV Digital» zu gewinnen, dass der Pay-TV-Anbieter dafür «an den Vertriebseinnahmen der Zeitschrift (...) beteiligt» ist bzw. Springer «dem Vernehmen nach 40 bis 50 Euro pro Abonnement» an Premiere zahlt, dass im Heft auf «knapp vier von acht Seiten für jeden Fernsehtag (...) die Premiere-Programme sehr ausführlich aufgeführt» sind, während die Digitalangebote von ARD und ZDF sich auf drei Spalten «drängeln», das alles steht da freilich nicht.
Sondern in der «Berliner» und der «Süddeutschen», die das allerdings recht unterschiedlich bewerten (siehe aber auch «Tagesspiegel»). «Bild» macht «TV Digital» derweil konsequent zum
'Gewinner des Tages'
: «BILD meint: Volles Programm für wenig Geld!» Zumindest das ist keine Überraschung.
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«Es ist mir eine große Freude, Menschen zu schocken für einen Moment», quasselt eine sichtlich hibbelige Anke Engelke im
'Zeit'-Interview
. Wie neulich der «Spiegel» bekamen jedenfalls auch die Kollegen der «Zeit» einen Sketch vorgespielt (siehe
Altpapier vom Montag
). +++ Gestern in der «FAZ», heute in der «SZ»: Die Cine-Media klagt gegen den HR (Seite 35). Die «FAZ» berichtet derweil von «zweifelhaften Netzwerken», die in der HR-Sportredaktion «noch andere» als der zurückgetretene Sportchef Jürgen Emig zu knüpfen gewohnt seien. +++ Zwei Porträts in der
'taz'
: eines von Urs Rohner, dem «Schweizer Graukopf», und eines von Guillaume de Posch, der «linkischen Schmalzlocke aus Belgien». +++ Wie es mit dem Wettbieten um die Bundesliga-Pay-TV-Rechte zwischen Premiere und Haim Saban weitergeht, verrät die «Süddeutsche» (Seite 35). +++ «Journalisten, die selbstherrlichen EU-Mitarbeitern auf die Finger schauen, werden in Brüssel offensichtlich dringender gebraucht als je zuvor», schreibt «Stern»-Chef Thomas Osterkorn in seinem
Editorial
zur Festnahme des Korrespondenten Hans-Martin Tillack. Ein ausführlicher Bericht steht im «Stern» auf den Seiten 68 und 70 (sowie
online
). +++ In den Niederlanden reagieren die Zeitungen mit Innovationen auf die Anzeigenkrise und stellen (teilweise) auf ein kleineres Format um, berichtet die
'Berliner'
. +++ Auch die
'taz'
war dabei, als das «WAZ-Schwergewicht» Bodo Hombach neulich über die «bestprognostizierte Krise der Weltgeschichte» plauderte. +++ Die Änderungen beim «Bericht aus Berlin» kommentiert die
'Welt'
. +++ Die Deutsche Welle wird reformiert und bekommt ein «moderneres Aufgabenprofil». Mehr dazu in der «FAZ» (Seite 44, siehe auch
'Welt'
). Außerdem auf der «FAZ»-Medienseite: Selbstkritische Eingeständnisse des «El País»-Chefredakteurs und die Meldung, dass die erst vor wenigen Wochen gestartete Schweizer Sonntagszeitung für Kinder «Cracks for Kids» eingestellt wird (siehe Schweizer
'Blick'
). +++ «Die Erhöhung der Rundfunkgebühren.» Diesmal im
'Tagesspiegel'
und in der «Süddeutschen» (Seite 35). +++ Bro'Sis gibt's auf RTL2 bald als Cartoon, kündigt die «Süddeutsche» an (Seite 35). +++ Und weil Pan Tau «der einzige Mensch im Fernsehen [ist], der konsequent die Klappe hält», freut sich die
'taz'
über seine Rückkehr.Am Freitag füllt sich der Altpapierkorb
wieder ab ca. 9 Uhr.
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