07. Dez 2003 10:21, ergänzt 11:32
Nach dem Sturz von Martin Hoffmann bebt die Erde kräftig weiter. Mit dem Fall dieser Symbolfigur sieht die «FAS» auf ihrer 35. Seite das Zeitalter der seelenlosen Technokraten und Erbsenzähler anbrechen. Konsequenter denn je gehe es um Rendite. Was das für die Zuschauer konkret bedeutet, erklärt der Artikel Wir basteln uns eine Geldmaschine:
«Die besten Chancen, auf den Bildschirm zu kommen, haben Sendungen, die entweder superbillig oder supererfolgreich sind.»
Für das Mittelfeld - eine «ordentlich produzierte, aber unauffällige Comedy wie 'Sechserpack' oder eine nette, durchschnittlich laufende Serie wie 'Broti & Pacek'» - werde es in Zukunft ganz eng.
«Es gibt einen doppelten Druck der Sender auf die Serienproduzenten: Einerseits sollen sie deutlich billiger produzieren als bisher, andererseits müssen sie eine größere Gewähr bieten, daß die Serie nicht floppt.»
Bei den Machern prognostiziert die «FAS» dagegen eine Abwanderung der kreativen Köpfe aus den Sendern in die Produktionsfirmen.
«Wenn das deutsche Privatfernsehen Glück hat, sitzt dann in den Sendern jemand, der wenigstens noch erkennt, was ein gutes Programm ist.»
A propos Prognose: 2008 werden die Schweizer
gemeinsam mit den Österreichern die Fußballeuropameisterschaft austragen. Man darf voraussagen, dass die Übertragungsrechte zwischen «Ösi-RTL» und der «eidgenössische ProSieben-Sat1. Gruppe» ausgehandelt werden.Jedenfalls, wenn dann immer noch Schweizer und Österreicher das deutsche Fernsehen beherrschen, wie ein weiterer Beitrag in der «FAS» launig unterstellt. Warum sie das tun, erklärt der ehemalige Tempo-Chef, der Österreicher Markus Peichl, im Gespräch:
«Das liegt an unserer merkwürdigen Sprache und scheinbar behäbigen Art. Wir werden deshalb oft unterschätzt und können dann unvermutet zuschlagen. Von diesem Effekt haben wir in der deutschen Medienlandschaft sehr lange profitiert. »
Das spricht nicht gerade für die Deutschen, wenn wir das immer noch nicht gemerkt haben.
«Stimmt, aber ihr macht Fortschritte. Es scheint ja jetzt so zu sein, dass ihr es bei den Österreichern durchschaut habt und deshalb auf die noch langsameren Schweizer zurückgreifen müsst.»
Den einzigen Rat, den man den verbleibenden deutschen TV-Chefs also noch geben kann: schnell
.Nicht schaden kann ein solcher Schritt auch den Verantwortlichen im Qualitätsjournalismus. In Potsdam wird derzeit heftig an einem neuen Magazin gefeilt. Das Geld dafür kommt
aus der Schweiz. Genauer vom Ringier-Verlag. Der «Tagesspiegel» fasst in seinem Zwischenbericht zusammen, was Cicero werden soll:
«Als was sich das Magazin versteht, verrät der Untertitel: 'Magazin für politische Kultur'. 'Cicero', angelehnt an den gleichnamigen Philosophen und Urvater der politischen Debatte, will – typisch Schweiz – ein ausgeruhtes, ein reflektorisches Magazin sein. Als Vorbilder dienen Magazine wie 'Atlantic Monthly' oder 'Spectator'. In Deutschland gibt es nichts Vergleichbares.»
Was es im Innersten zusammenhält ist aber weder amerikanisch, noch deutsch noch schweizerisch, sondern, wie der Name schon andeutet, viel älter: es ist das IMPERIUM ROMANUM:
...Ita necesse est illud etiam in quo sit totius naturae principatus esse omnium optimum omniumque rerum potestate dominatusque
Altpapierkorb
Nullum hält der «Neon»-Redaktionsleiter Michael Ebert von den neuen Mainzelmännchen. Mehr im
einen Vorschlag zur Güte.Am Montag füllt sich der Altpapierkorb wieder gegen 9.00.