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Die investigative Ungenauigkeit

05. Dez 2003 13:12, ergänzt 16:55
Der Papst des deutschen investigativen Journalismus schreibt einen Artikel, demzufolge Rudolf Augstein am 23. Juli 2003 noch am Leben war.

Der investigative Journalismus in Deutschland sei in der Krise, wird immer wieder geklagt. Und Hans Leyendecker, vormals «Spiegel», jetzt bei der «Süddeutschen Zeitung», reist durch alle Talkshows der Nation, um das Gegenteil zu beweisen. Einen gibt es, der es kann! Der gnadenlos präzise arbeitet, nicht schludert. Wie gerne möchte man das glauben.

In der heutigen «Süddeutschen» wird man allerdings enttäuscht. In einem sehr reißerisch aufgemachten Stück über einen Undercover-Journalisten, der für die Berliner PR-Firma WMP gearbeitet hat, liest man eigentlich nichts anderes, als man schon am Wochenende dank sehr guter «Spiegel»-Artikel erfahren hat.

Allerdings steht bei Leyendecker auch: «Am 23. Juli 2003 kam es zu einem Treffen in Berlin, an dem ein Gesellschafter der Bank und ein Unternehmensberater teilnahmen. Plath gab vor, für Spiegel und Manager Magazin zu arbeiten und erklärte, er werde mit dem Herausgeber Rudolf Augstein beraten, in welchem der Blätter sein Beitrag platziert werde. Augstein und ein Herr Plath?«

Rudolf Augstein im Sommer 2003? In der Internet-Ausgabe ist das Versehen korrigiert worden. Natürlich müßte es 2002 heißen. Auch sonst ist im Internet-Artikel einiges anders als in jenem, der den Lesern der Zeitungsausgabe in Norddeutschland vorliegt. Diese ist übrigens die Basis vieler Unternehmens-Pressespiegel. Schwarz auf Weiß war der Blödsinn bundesweit nicht mehr auszumerzen.

So muss man fragen: Sind Teile der gedruckten Ausgabe nur Skizzen, work in progress? Wozu macht man dann eine Fernausgabe? Oder ist der Stress zwischen den Talkshows so heftig, dass dem prominenten Ankläger Schlampereien eines Anfängers unterlaufen?

Man möchte sehr hoffen, dass all das andere, was investigativ hinausgebrüllt wird, stimmt. Schließlich gibt es sensiblere Dinge als Jahreszahlen. Und nicht jede unbewiesene Behauptung ist durch das Internet aus der Welt zu radieren. (nz)

PS: Der Fehler resultiert, wie Hans Leyendecker der Netzeitung mitteilt, aus einem Übertragungsfehler. Dieser wurde von ihm um 17.02 Uhr entdeckt und sofort behoben. Er habe, als er den Abzug im Rheinland zu sehen bekam, nach kurzem, heftigen Ärger die Korrektur in München veranlasst. Das falsche Datum sei daher nur in ganz wenigen Ausgaben zu finden gewesen.

 
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