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«New York Times»-Reporter log systematisch

11. Mai 2003 13:31
Jayson Blair
Bei der «New York Times» hat ein Redakteur jahrelang unbemerkt Falschinformationen verbreitet. Der Fall sei ein «Tiefpunkt in der 152-jährigen Geschichte der Zeitung», so das Blatt.

Ein Redakteur der «New York Times» hat über Jahre in seinen Zeitungsartikeln systematisch gelogen. Das berichtet die Zeitung am Sonntag. Der Reporter hatte zum 1. Mai freiwillig gekündigt.

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  • Dem Bericht zufolge hat der 27 Jahre alte Jayson Blair für die Zeitung mehrfach aus Maryland, Texas und anderen Staaten berichtet, obwohl er sich zu dem Zeitpunkt in New York aufhielt. So habe er etwa über eine Gerichtsanhörung in Virginia berichtet, ohne jemals dort gewesen zu sein. Die Informationen in seinen Zeitungsberichten klaute er aus anderen Zeitungen und von Nachrichtenagenturen, berichtet die «New York Times».

    Zitate erfunden

    Der 27-Jährige habe außerdem Zitate erfunden und sich szenische Schilderungen ausgedacht. Blair zitierte in einem seiner Artikel etwa eine Frau aus West Virginia, mit der er nie gesprochen hatte. Die Frau bemerkte es und meldete es der Zeitung.

    Bei der «New York Times» habe man bei mindestens 37 Berichten Blairs Unrichtigkeiten entdeckt. Nach Schätzungen der Zeitungsmacher hat Blair noch in vielen weiteren seiner über 600 Zeitungsartikel gelogen. Der Fall sei ein «Tiefpunkt in der 152-jährigen Geschichte der Zeitung», so das Blatt.

    Blair: Persönliche Probleme sind Schuld

    In einem Mitteilung machte Blair «persönliche Probleme» für seine Handlungen verantwortlich. Er weigere sich jedoch, mit der Zeitung zu kooperieren, so die «New York Times».

    Blair, einer von rund 375 Redakteuren, arbeitete seit knapp vier Jahren für die Zeitung. Ende Oktober 2002 wurde er in die nationale Nachrichtenredaktion versetzt.

    Schon im April letzten Jahres hatten Kollegen und Vorgesetzte Blairs Arbeit bemängelt. Nach einem kurzen Zwangsurlaub durfte er jedoch wieder zurückkehren. Man habe geglaubt, er hätte seine persönlichen Probleme in den Griff bekommen, so die Chefredakteure.

    «Blaues Auge» für die Times

    Arthur Sulzberger Jr., Vorsitzender der New York Times Company und Herausgeber des Traditionsblattes, beschrieb den Vorfall als «großes Blaues Auge» für seine Firma. Die Zeitung hat ihre Leser dazu aufgerufen, Ungereimtheiten in Blairs Berichterstattung zu melden.

    Ein ähnlicher Fall sorgte 1981 bei der «Washington Post» für großes Aufsehen. Die Reporterin Janet Cook gewann damals den begehrten Pulitzer-Preis für eine Reportage über eine drogenabhängige Familie. Später stellte sich heraus, dass Cook die gesamte Geschichte erfunden hatte. Außerdem hatte die Journalistin ihren Lebenslauf gefälscht. (nz)

     
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