07. Dez 2002 10:13, ergänzt 12:15
Es ist ein Elend. Von keinem geringeren als Egon Erwin Kisch stammt die Anthologie «Klassischer Journalismus – Meisterwerke der Zeitung» (1923), an welcher der Aufbau-Verlag die Rechte hat. Gleichwohl mag dieser keine Taschenbuchausgabe drucken, weil er sich «davon nicht einmal die Deckungsauflage verspricht».
Das darf doch nicht wahr sein. Deshalb startet die «SZ» ab Montag eine Serie «Aufmacher –Vorbilder des Journalismus». Heute informieren Wolfgang Langenhuber und Herbert Riehl-Heyse über Sinn und Zweck des Vorhabens.
– Es muss dringend ein Bewusstsein für die Originalität, die historische Kontinuität und die Qualität des modernen Journalismus geschaffen werden.
– In Besonderheit soll gezeigt werden, dass Journalismus eine schöpferische Tätigkeit sein kann (vergleichbar Literatur, Musik und Kunst).
– Dabei wird sich weisen, dass diese Tätigkeit schon zu «zahlreichen identifizierbaren Werken» geführt hat,
– die in Summa einen Kanon bilden.
Gut möglich also, dass am Ende der Serie nicht nur die Kisch-Anthologie endlich wieder aufgelegt wird - sondern auch ein Buch mit dem Titel «Aufmacher –Vorbilder des Journalismus» zum Renner wird.
Und könnte die Serie nicht auch als Filmreihe laufen? Den Anfang sollte ein Beitrag über Egon Erwin Kisch machen. Natürlich mit Götz George in der Hauptrolle.
Denn in «Schtonk» hat George als schmieriger Journalist Hermann Willié schon früh auf die Schattenseiten der Zunft aufmerksam gemacht. - Als «Schimanski» durfte er dagegen Tugenden verkörpern, die auch einen rasenden Reporter von Rang ausmachen.
Früher durfte er jedenfalls. In der morgen gezeigten «Schimanski»-Folge zeugt vom altem Tatendrang nur noch die Eingangsszene, wie sie die
schildert:«Mit quietschenden Reifen fährt ein klappriger Wagen auf den abgelegenen Parkplatz. Der Fahrer, ein ungepflegter Mann in ausgebeulter Latzhose, steigt aus, schlägt mit Wucht die Autotür hinter sich zu und sieht sich um.»
Einzig die ausgebeulten Latzhosen trüben das Bild ein wenig. Den
Altpapierkorb
«Aufmacher - Vorbilder des Journalismus» sei übrigens «nicht ohne Beispiel». So habe die New York University vor zwei Jahren eine Liste mit den hundert besten Werken des US-Journalismus erstellt. Und auch die «FAZ» hat, wie sich nun weist, für dieses große Projekt der «SZ» vorgearbeitet. Wer den Spruch, es gebe «nichts älteres als die Zeitung von gestern», ebenfalls für «dumm» hält, und seinen Stapel in den Himmel ragen lässt, der möge in der Ausgabe vom 28. September nachschauen. +++ In der Zeitung von gestern stand auch ein Interview mit dem Chef von «Spiegel Online», Mathias Müller von Blumencron. Noch ist der NZZ-Artikel mühelos
anregen kann, zeigt ein Beitrag in der FR. Am Sonntag füllt sich der Altpapierkorb wieder gegen 10.00 Uhr.