Clement und Simonis verlassen ZDF-Verwaltungsrat
14.06.2002
Herausgeber: netzeitung.de
Zwei SPD-Ministerpräsidenten machen Ernst mit der Entpolitisierung des ZDF: Wolfgang Clement und Heide Simonis sind aus dem Verwaltungsrat des Senders ausgetreten.
Lange wurde die Entpolitisierung des ZDF gefordert, besonders nach der peinlichen Intendantenwahl, die über Monate daran gescheitert war, dass sich im Fernsehrat nicht die nötige Drei-Fünftel-Mehrheit fand. Jetzt bringen der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement und seine schleswig-holsteinische Kollegin Heide Simonis Bewegung in die Diskussion. Sie sind mit sofortiger Wirkung aus dem Verwaltungsrat des ZDF ausgetreten.
Austritt als Anstoß für ReformenRegierungsvertreter, über die berichtet wird, dürften nicht gleichzeitig die Aufsicht über die Berichterstattung führten, begründete Clement seinen Austritt am Donnerstag. Beide SPD-Politiker wollen mit ihrem Austritt dringend notwendige Reformen im ZDF anstoßen. Außerdem haben sie einen Entwurf zur Neuordnung der Aufsichtsgremien vorgelegt.
Clement-Kritik auch an SPD-MedienholdingDanach sollen der Fernseh- und Verwaltungsrat des ZDF nicht mehr mit Regierungsvertretern, sondern nur noch mit «Vertretern gesellschaftlicher Gruppen» und unabhängigen Fachleute, die nicht aus der Politik kommen, besetzt werden. Diesen Entwurf prüfen derzeit die Chefs der Staats- und Senatskanzleien der Bundesländer.
Weiterhin kritisierte Clement am Donnerstag die «permanente große Koalition», die im Verwaltungsrat herrsche, sowie auch die Beteiligung der SPD an zahlreichen Zeitungen über ihre Holding Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft. Auch darüber solle die Partei diskutieren.
Roland Koch will rein in den RatDer Konkurrenz ist die SPD mit diesem Schritt voraus. Die CDU forderte vor kurzem noch einen zusätzlichen Sitz im ZDF-Verwaltungsrat für den hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch. Nach den üblichen ZDF-Verhältnissen hätte die SPD wegen der für sie verlorenen Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ohnehin einen ihrer Verwaltungsrat-Sitze der CDU überlassen müssen. (nz)