Netzeitung Logo
 
Aktuelles  »  Medien  »  Altpapier
DruckenVersenden
 

Unsere Medienkolumne: 

Altpapier vom Freitag

05. Dez 2008 10:04
Will Kai Diekmann weniger arbeiten? Die
Bild vergrößern
Die Medien schaffen sich neue Aufgaben: Sie überwachen die Bürger und helfen dem Staat. Gehört das nicht eigentlich umgekehrt? Oder ganz anders?

Es gab einmal so Zeiten, da meinte man die Rede vom Fernsehen in deutschen Wohnzimmern metaphorisch. Die sind natürlich passé. Das Fernsehen ist längst lieber ganz real statt nur mittels Bildschirm zu Gast in der heimischen Stube.

Aus gegebenem Anlass (versteht sich) ist deshalb eine neuerliche Debatte angesagt: Am vergangenen Mittwoch ging es bei «Die Super Nanny» noch höher her als sonst, bereits in den Tagen zuvor konnte RTL seine Freude über Katharina Saalfranks «schwersten Fall» nur unschwer verbergen.

Dass die Kamera bei der Kindesmisshandlung nicht weggesehen, sondern geradezu vorbildlich draufgehalten hat, sorgte für erwartungsgemäß exzellente Quoten. Zum Glück wurde das Jugendamt erst im Laufe der Sendung eingeschaltet und nicht davor: Am Ende hätte es noch seine Vormundschaft ausgeübt und dem TV-Team die Tür gewiesen. Nicht auszudenken …

In der «Zeit» müht man sich entsprechend redlich um Kritik, treibt allerdings nur Experten auf, die der Sendung im Allgemeinen und dieser Folge im Speziellen viel Positives abgewinnen können. Den Kommunikationswissenschaftler Jürgen Grimm zum Beispiel . Oder Karsten Paulmann vom Jugendamt:

Selbst, wenn wir kulturelle Vorbehalte haben gegen solche Sendungen: Unsere Klienten schauen die Reality Shows an. So erreicht man sie wenigstens.

So weit ist es also schon gekommen … Darob verwundert sich auch Peer Schader im noch recht jungen 'FAZ'-Fernsehblog .

Ist das nicht komisch? Dass sich Menschen, wenn sie Probleme haben, nicht trauen, in ihrem Umfeld nach einer Lösung zu suchen und sich stattdessen ans Fernsehen wenden?

Nee, komisch ist das gar nicht, sondern überaus konsequent, weil: Privatfernsehen bedeutet eben Privatisierung, und zwar naturgemäß just derjenigen Aufgaben, die bislang Sache des Staats waren (der ja ohnehin nicht allzu sehr an diesen zu hängen scheint).

Wo es um Überwachen statt Helfen geht, kann freilich auch die «Bild»-Zeitung nicht fehlen . Und der Lidl-Konzern noch weniger .

«Meedia» hat die Lidl-«Bild»-Leservideokamera getestet , die «SZ» erkennt einen Trend zur «Überwachungszeitung», die 'NZZ' fürchtet um das «diskrete Leben», das NDR-Medienmagazin spricht in seinem Beitrag mit der Medienwissenschaftlerin Maja Malik und Christoph Schultheis vom Bildblog .

Upps, jetzt haben wir hier also insgesamt zwei Blogs erwähnt – und das, ganz ohne die Differenz zum sog. ordentlichen Journalismus zu thematisieren. Das ist nämlich heute schon wieder und immer noch eine andere Geschichte.

Nur so viel vielleicht: Die «FAZ» gibt sich – «Man ist gut beraten, seine eigenen Komplexe und die der anderen ruhen zu lassen, statt sie auszustellen oder gar zum Motor seines Redens und Schreibens zu machen.» – überraschend selbsterkenntnisreich. Oder meint sie damit womöglich wieder nur die anderen?


Altpapierkorb

«Bild»-Zeitung ff: Deutschlands billiges Blatt bekommt eine Rüge, findet das jedoch ungerecht. Mehr dazu bei 'dwdl' und natürlich im 'Bildblog' . +++ Mir geht in diesen zugegeben schwierigen Zeiten zu häufig der Gedanke verloren, dass Krisen für Journalisten auch «gute» Zeiten sind … Manche Verlage, so scheint es, betreiben heute lieber Reisebüros oder Partnerschaftsvermittlungen, weil sie offenbar nicht ausreichend an den Erfolg unseres wunderbaren Handwerks glauben, sagt Georg Mascolo im Interview mit der «FAZ», zu dem er natürlich mit seinem Co-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron erschienen war. Das Wort «Augstein» kommt darin auch desöfteren vor. +++ WAZ-Geschäftsführer Christian Nienhaus nennt das «höhere Qualität zu niedrigeren Kosten»: Die 'Berliner Zeitung' fasst die Probleme und Pläne im Ruhrgebiet noch einmal zusammen. Ähnlich die 'FAZ' , die zudem den Nachfolger der demissionierten Chefredakteurin der «Westfälischen Rundschau» kennt: Betriebsrat Malte Hinz tritt in die Fußstapfen von Kathrin Lenzer. +++ Die «SZ» (S.17) hat einen weiteren Zeugen für die Probleme der Deutschen Welle aufgetan, DW-Intendant Erik Bettermann unterstellt diesem ein «Verfolgungsdings». +++ Werbefinanzierte Spartenkanäle? Harakiri wäre dagegen ein lustiges Gesellschaftsspiel: Andreas Weinek, Chef des Abokanals History im Gespräch mit der «Berliner Zeitung». +++ Das Bundesarchiv kooperiert mit der Wikipedia, berichten 'Berliner Zeitung' , 'FAZ' und 'Tagesspiegel' . +++ Il stato sono io (oder so ähnlich?!): Silvio Berlusconi hat für seinen Rivalen Rupert Murdoch besondere Steuern im Programm ( 'sueddeutsche.de' ). +++ Was alles nicht in der Zeitung steht, lässt sich dennoch lesen, und zwar auf nicht-erschienen.de : Die 'taz' porträtiert das Portal. +++Wie demontiert man einen Intendanten? Die Antwort findet sich in der 'FR' . +++ Und wie wählt man einen neuen? Siehe 'Tagesspiegel' . +++ Wer diskutiert wie und warum über Gewalt in den Medien? Die 'NZZ' stellt eine Studie vor. +++ Der RBB hat noch lange nicht ausgespart ( 'Tsp.' ). +++ «Die Presse hat derzeit schlechte Presse.»: Der «Rheinische Merkur» gibt einen Überblick . +++ Haben sich die Online-Firstler vielleicht zu früh gefreut? Die Fernsehnutzung der Jungen lässt jedenfalls keinen signifikanten Rückgang erkennen, berichtet der «Tagesspiegel». +++ Und dennoch, das Geld kommt: Die 'Huffington Post' erhält eine Finanzinvestitionsspritze von 25 Millionen Dollar ( 'NZZ' ). +++ Ebd.: Iranische Blogger auf der Suche nach Hilfe. +++Endlich ein wenig kritischere Töne in Sachen Twitter kommen heute von der 'NZZ' , die «SZ» widmet dem Thema ihre Seite 2.

Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Montag gegen 10 Uhr.

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Zum Wissenstest
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Aus anderen Ressorts
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Josef Depenbrock & Robert Rischke | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.