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Unsere Medienkolumne: 

Altpapier vom Donnerstag

04. Dez 2008 10:01
Eitle Blümlein gibt´s nicht nur in der freien Wildbahn, sondern auch in den Medien.
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Am schönsten lobt es sich doch immer noch in eigener Sache. Was die «FAZ» kann, kann das «Altpapier» schon lange. Und andere Angebote.

Man könnte zum Beispiel darüber berichten, dass das Oberlandesgericht Düsseldorf dem Kartellamt in dessen Entscheidung, Springer die Übernahme von ProSiebenSat1 zu verbieten, Recht gegeben hat (wie die «FAZ», S.42).

Oder man könnte sich über den Mangel an weihnachtlichen Süßkramzusendungen beklagen (wie die 'taz' ).

Oder man könnte in wenigen Worten Auskunft darüber geben, dass das Schweizer Medienunternehmen Highlight gerne seine 97,8 Prozent Beteiligung bei der Produktionsfirma Constantin dazu benutzen möchte, die Börsennotierung des Konzerns zu beenden (wie die «SZ», S.15).

Ja, das wären alles so typische Ereignisse für eine kurze Meldung. Der «Tagesspiegel» fand anderes wichtiger und nachrichtet deshalb: «DIHK-Wirtschaftspreis für Tagesspiegel-Beitrag». Soso, interessantinteressant.

Bereits gestern müffelte es ja etwas streng nach Eigenlob – Was Besseres fällt Euch Journalisten in Krisenzeiten also nicht ein? (fragt sich übrigens etwas anders auch Klaus Raab im 'Freitag' ) – in diesem «Spiegel Online»- Artikel , der die Worte «hervorragende Ausbildung» ins eigene Impressum verlinkte. Und heute geht das so weiter. Nicht nur im «Tagesspiegel», sondern auch in jener Zeitung, die kluge Köpfe angeblich gerne zum Sich-dahinter-Verstecken benutzen – innerhalb der Zeitung vermisst man sie immer wieder mal, das stimmt.

Zum Beispiel, wenn da ein schönes Interview geführt wird und der übliche Fakten-Kasten, hier über die Familie Newhouse, dann so miefig endet:

Sie gelten als Verleger mit Hingabe, geben aber kaum Interviews. Mit wenigen Ausnahmen.

Na, da gratulieren wir aber «FAZ», dass Du (dürfen wir «Du» sagen, ist das okay, ja?) eine (oder gar die) Ausnahme bist. Und nehmen das Interview aus unseren Empfehlungen des Tages sofort wieder heraus: Strafe muss sein. Bzw.: Wer nicht hören will …

Womit jedenfalls ausreichend Platz geschaffen wäre für den «Freitag». Denn dessen 48. Ausgabe des Jahres 2008 kommt überraschend als Pflichtblatt für Medienschaffende daher. Etwa mit dem Text von Robin Meyer-Lucht über Print versus Online.

Die Qualitätstitel der Tagespresse gelten vielen als beinahe ideale Inkarnation einer deliberativen Öffentlichkeit. Der Status Quo des Tageszeitungswesen gerät so zum normativen Fixpunkt, von dem ab sich alle Online-Entwicklung als Verlustgeschichte manifestiert.

Außerdem ebenda: ein Gespräch über die Krise, die Zukunft der Journalistenausbildung und nötige Exklusivitäten mit Lutz P. Michel. Und wie bereits erwähnt: «Altpapier»-Autor Klaus Raab über die «Krise als Ausrede».

Und damit uns das nun nicht als Eigenlob ausgelegt wird, stricken wir gleich ein neues drüber: Was im gestrigen «Altpapier» ein wenig ungenau ausgedrückt war, ist das jetzt nicht mehr . Oder anders, frei nach «Spiegel Online»:

Es gibt in Online-Medien immer noch viel zu viele Tippfehler, und manchmal auch inhaltliche. Auch bei der Netzeitung. Das Gute am Internet ist: Man kann sie korrigieren. Gute Online-Journalisten machen das auch.

(Während manch einer stattdessen lieber löscht, aber das ist schließlich eine andere Geschichte.)


Altpapierkorb

No Sports im öffentlich-rechtlichen Fernsehen: Dem IOC sind «über 620 Millionen Euro» ( 'Tsp.' ) offenbar zu wenig für die Übertragungsrechte der Olympischen Spiele 2014 und 2016. Erstmals seit 1956 – eine Ära geht zuende – bekommt die EBU sie also nicht zugesprochen. Man – «SZ»/S.15, «FAZ»/S.42, 'taz' , 'Berliner Zeitung' – müht sich in Erklärungen und Perspektiven. +++ 261, das weiß die «SZ» (S.15), lautet die Zahl der angestrebten Entlassungen innerhalb der NRW-Titel der WAZ. +++ Das Personal protestiert, diesmal in Hamburg und gegen die Kürzungen des Bauer-Verlags ( 'Abendblatt' ). +++ Die Grande Nation hält den europäischen Rekord bei der Zahl von Ermittlungsverfahren und Polizeigewahrsam gegen JournalistInnen. Die «taz» über die Pressefreiheit in Frankreich. +++ Deutsche haben´s in der Schweiz bekanntlich schwer, die «Zeit» versucht´s dennoch ( 'NZZ' ). +++ Auch ein Thema: Twitter. Siehe 'Freitag' sowie 'Tagesspiegel' . +++ Heiner Lauterbach hat es am liebsten, «wenn's beim ersten Mal klappt»: Die 'FR' kennt die Details. +++ Die «FAZ» (S.42) findet´s «kurios»: «Thomas Gottschalk als Kinoliebhaber bei Tele 5». +++ Da sagt wieder einer was von wegen «ARD und ZDF sollen werbefrei werden», und wer setzt sich drauf? Das 'Handelsblatt' und die 'Welt' . +++ Auch eine Variante, ein Thema zu erfinden: Der «Kölner Stadt-Anzeiger» fragt sich , «wer zuerst der Versuchung erliegt», den «reuelosen vielfachen Mörder» Christian Klar in eine Talkshow einzuladen. Plant zwar keiner – aber erregen über die Möglichkeit kann man sich natürlich trotzdem schon mal, ist klar, «KStA». +++ Eben noch in unserem Minilädchen ARD, jetzt schon auf der österreichischen Schowbühne: Der «eloquente Trödelhändler» ( 'FR' ) Günter Struve soll dem ORF helfen ( ebd. ). +++ Lieber Bora Dagtekin, wie sollen wir denn diese Ihre Aussage im Nönönö-Interview mit «Der Westen» über Ihre Serie «Türkisch für Anfänger» und deren ZuschauerInnen verstehen: Wir sind sehr erfolgreich bei Entscheidern und Besserverdienern. Das sind vermutlich so was wie die Fernseh-Snobs. Aber gleichzeitig lieben uns junge Frauen. Aber was regen wir uns eigentlich auf? Im Grunde haben Sie natürlich völlig Recht bzw. sprechen nur die Wahrheit: Zum Wimperntuscheshoppen und Vorabendseriengucken sind sie gerade gut genug, die jungen Frauen, aber entscheiden und besserverdienen? We´d prefer not to … +++ Das ist der Klassiker, dachte ich. Man liest in der Zeitung, beim Frühstück, dass man sich die Mühe, zur Arbeit zu fahren, ab heute sparen kann: Harald Martenstein ist einen seiner Jobs los und weiß nun: Es liegt was in der Luft. Man muss ernsthafter schreiben, man muss sich neu aufstellen, noch breiter.

Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Freitag gegen 10 Uhr.

 
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