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Unsere Medienkolumne: 

Altpapier vom Freitag

28. Nov 2008 10:11, ergänzt 11:21
Muss Bambi sterben? Die
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Muss Bambi sterben? Eine subversive Kraft der ARD will es so. Das wird aber nichts. Und auch die «Sportschau» lebt weiter: Die ARD überträgt wohl wieder die Fußball-Bundesliga – eine Grätsche von Premiere muss sie allerdings hinnehmen.

«Wenn es ein goldenes Reh zu gewinnen gibt, kommen sie alle, sogar Hollywood-Stars wie Meg Ryan», schreibt Welt Online unter einer Bilderstrecke, die zum Protokoll der Bambi-Verleihung gehört. Muss es nicht richtig heißen: «Wenn Hollywood-Stars wie Meg Ryan kommen, gewinnen sie auch ein goldenes Reh»?

Sei es drum. Wesentlich ist: Die Bambi-Verleihung ist und bleibt, wie schon sehr oft geschrieben wurde, aber längst noch nicht oft genug, eine «Dauerwerbesendung» der öffentlich-rechtlichen ARD für den Burda-Verlag, wie sueddeutsche.de notiert. Und das bleibt sie auch für die nächsten drei Jahre, so die 'Berliner': «So etwas nennt man Wasser predigen und Sekt schlürfen.» Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen. Außer, dass eine subversive Kraft bei der ARD in «Verbotene Liebe» die Figur Lydia untergebracht hat, die das Blog «Bambi muss sterben» führt. Kleiderlängen und Anwesenheitslisten finden Sie, wie immer, an den dafür geeigneten Stellen: bei der 'Bunten' und bei 'Focus' – beide aus dem Burda-Verlag.

Und damit zu den ernsten Themen: zur Echo-Verleihung am 21. Februar im Ersten.

Nur Spaß.

Die Frage des Tages hat aber tatsächlich damit zu tun. Sie lautet Wer zeigt was mit wem wie wo und wann? (Auch wenn es darüber hinaus auch Neues von den «Streichkonzerten», wie die 'NZZ' schreibt, gibt. Sind das eigentlich Konzerte in Moll? Hauen da nicht eigentlich alle auf die Pauke? Mehr dazu im Altpapierkorb.) Also: sechs Ws. Wer was mit wem wie wo wann.

Die Fernsehrechte für die Fußball-Bundesliga ab 2009 werden an diesem Freitag vergeben, und «immer klarer wird», an wen, so die «SZ» (S. 19):

Premiere bekommt mehr Livespiele, die Zusammenfassungen im frei empfangbaren Fernsehen werden überwiegend in der ARD zu sehen sein. Dabei wird Das Erste nach SZ-Informationen die Berichterstattung offenbar noch ausbauen und neben der Sportschau am Samstag zusätzlich am Sonntag über die zwei beziehungsweise drei (fünf Mal im Jahr wegen des Uefa-Cups) Spiele berichten können.

Der 'Tagesspiegel' sieht jedoch auch eine «Rache der DFL an der ARD, die in den Augen des Ligaverbandes ursächlich hinter der Forderung des Kartellamtes – Zusammenfassung vor 20 Uhr im Free-TV – steckt». Es gibt (nach Branchenangaben) ein Samstagsspiel um 18.30 Uhr, das bei Premiere übertragen werden soll, parallel zur Zusammenfassung der 15.30-Uhr-Spiele in der ARD-«Sportschau». Damit «wird die Sendung leicht entwertet».

Der 'Tagesspiegel' fasst auch das gesamte ARD-Programm 2009 schon einmal zusammen, während die «Süddeutsche» berichtet, dass das ZDF das preisgekrönte und bislang von handelsblatt.com finanzierte Weblog Elektronischer Reporter ins Digitalprogramm, also in den ZDFInfokanal, hole: Eigentlich läuft es andersherum. Fernsehformate landen, in kurzen Ausschnitten oder komplett, im Netz, in Mediatheken oder Videoportalen wie Youtube. Den anderen Weg haben bisher nicht viele Formate zurückgelegt. Dass es mit dem Elektronischen Reporter nun ein Weblog ins Fernsehen schafft, ist bemerkenswert.

Womit beschäftigt sich der Macher, Mario Sixtus, in der ersten Fernsehfolge? Mit «dem Microblogging-Dienst Twitter, mit dem man sich in 140 Zeichen langen Nachrichten online seiner Umwelt mitteilen kann». Und das ziemlich genau zu dem Zeitpunkt, zu dem eine kleine Debatte darüber an die Oberfläche der alten Medien gelangt. (Also der alten Medien im Sinn von Spiegel Online.)

Während nämlich etwa «Handelsblatt»-Blogger Thomas Knüwer die Vermutung veröffentlicht, der Tag, nachdem er sich via Twitter (und nicht etwa über «deutsche mobile Web-Seiten») über die Anschläge in Mumbai informiert hatte, «wird ein Durchbruch werden auf dem Weg Twitters zum Massenmedium», schreibt Christian Stöcker bei Spiegel Online:

Die Nachrichtenkanäle des sozialen Internets laufen seit Beginn der Terrorwelle in Mumbai auf Hochtouren. Vor-Ort-Berichte erreichen ihre Leser schneller als je zuvor. Doch viele vermeintliche News sind chaotisch oder bloße Kopien – und manche sind schlicht falsch.

Spiegel Online, 14 Jahre alt, ist eben auch nur ein altes Medium.

Wer dagegen wirklich glänzte, waren die Aggregatoren all der Nachrichtenströme, die da nun durchs Netz rauschten: Sowohl Wikipedia als auch die redaktionell gesteuerte Suchmaschine Mahalo legten rasend schnell exzellente Seiten mit ständig aktualisierten Informationen über die Anschläge an, das Bürgerjournalismus-Portal NowPublic aggregierte Blog-Einträge, Fotos, Videos, Nachrichtenartikel und nicht zuletzt Links zu den Livestreams der lokalen indischen Nachrichtensender.

Aber so alt dann vielleicht doch nicht.


Altpapierkorb

+++Wie gesagt, die Streichkonzerte: Erstens bleibt es bei Gruner+Jahr wohl bei den Sparplänen, wie der «Tagesspiegel» schreibt: Nach der Aufsichtsratsitzung von Gruner + Jahr «gab es wohl keine Hoffnung mehr». +++ Zweitens stellt sich da die Frage: Was treibt Holtzbrinck? Die zu Holtzbrinck gehörende 'Zeit' hat bereits am Donnerstag aufgeschrieben, dass der Verlag bei «Handelsblatt» und «Wirtschaftswoche» die Kosten senken will +++ Drittens wird auch bei der 'NZZ' gespart +++ Viertens soll es Abfindungsangebote bei der «Süddeutschen Zeitung» geben, was nichts daran ändert, dass offenbar tatsächlich verkleinert werden soll +++ Und fünftens beschäftigt sich die 'Frankfurter Rundschau' aus aktuellem Anlass mit der «Passauer Neuen Presse»: Dort hat Reiner Fürst, Geschäftsführer der «Donau-Wald-Presse», am Mittwoch kurzerhand gleich mehrere seiner Lokalredakteure samt deren Chef bis angeblich 15. Dezember «beurlaubt»: Gestern schon saßen sie nicht mehr an ihren Schreibtischen. +++ Bilanzpolitur anderer Art: Springer beteiligt sich mit zehn Prozent an der führenden türkischen Medienholding Dogan. Springer und Dogan arbeiten bereits eng zusammen. Da der Verlag («Bild») im Gegenzug Anteile an der Fernsehsparte Dogan TV an den Mutterkonzern zurückverkauft, fließen letztendlich 30 Mio. Euro an Springer zurück, so die 'FTD'. Caspar Busse schreibt in der «SZ»: «Zudem wird Springer die Dogan-Beteiligung künftig nicht mehr voll im Bereich Digitalgeschäft bilanzieren, sondern nur noch die Gewinnausschüttung. Das ist gut für die Bilanz - Super-Geschäft.» +++ Und eine Meldung am Rande aus der Kategorie «Bambi»: Helmut Thoma, der frühere RTL-Chef, zieht zudem für Springer in den Verwaltungsrat von Dogan ein +++ Mehr Bambi? In der 'taz' , die berichtet: «ganz Offenburg ertrank im Bambi-Schleim». Und prophezeit: Bei Burda wird auch noch gespart werden: Anfang Dezember sollen die nächsten Opfer bekannt gegeben werden, auch bei Burda wird mit Titelschließungen gerechnet. «Es gibt so gut wie keine Solidarität innerhalb des Hauses, jeder hat Angst, der nächste zu sein», sagt ein Insider. Hauptsache, Bambi geht's gut +++ Noch mehr darüber, wie die Veranstaltung war: im 'SZ-Magazin' online +++ Ebd.: Der Rat, nicht alles zu tun, was Frauenmagazine empfehlen +++ Polen will nun doch von einer Klage gegen die Tageszeitung Die Welt absehen, schreibt die 'FR' +++ Und «SZ» und «FAZ» befassen sich mit «Mogadischu»: «'Mogadischu' ist ein handwerklich und schauspielerisch beeindruckender Film, ausnahmslos», so die «SZ». Und: Auf diesen Film musste man einunddreißig Jahre, einen Monat und dreizehn Tage warten. So lange hat es gedauert, bis jemand im deutschen Fernsehen die Geschichte des sogenannten deutschen Herbstes und des Terrors der RAF aus der angemessenen Perspektive erzählt, so die „FAZ«, die online ein Porträt von Nadja Uhl mitliefert +++

Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Montag gegen 10.00 Uhr.

 
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