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Unsere Medienkolumne: 

Altpapier vom Freitag

21. Nov 2008 10:06
Neue Belehrungen von MRR für Gottschalk - diesmal gab es sie bei
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Paare und Passanten: Thomas Gottschalk & Marcel Reich-Ranicki, Jörg Thadeusz & Andreja Schneider sowie: Oliver Gehrs in München, aber bald ohne Watchberlin-Auftritt.

Gestern noch auf der 'Cicero'-Showbühne , heute schon am «Wer wird Millionär?»-Telefon: Marcel Reich-Ranicki scheint auf dem besten Wege, seinen Medienliebling-Status halten zu können. Jedenfalls sehen sich heute irgendwie alle verpflichtet zu vermelden, dass Thomas Gottschalk die Millionenfrage – sie handelte von Kafka und leider nicht von K. und dessen Telefonproblemen – nur dank seines Telefonjokers MRR beantworten konnte. Ob´s an der bedeutungsheischenden Sperrfrist lag?

Mehr gäbe es dazu eigentlich nicht zu sagen. Die Medien tun´s natürlich trotzdem – natürlich nicht ohne die üblichen Anspielungen auf die sog. «Qualitätsdebatte» (die Verletzung scheint also noch immer nicht verheilt):
Glücklicherweise scheint das Quiz in Reich-Ranickis Augen qualitativ hochwertig zu sein. ( 'Tagesspiegel' )
Thomas Gottschalk und Marcel Reich-Ranicki sorgen gemeinsam für – noch mehr – Niveau im deutschen Fernsehen, sogar bei RTL. ( 'FAZ' )
Unterstützung bekam er dabei ausgerechnet von TV-Nörgler Marcel Reich-Ranicki. ( 'Spiegel Online' )

Nur in Einzelfällen interessanter sind die Artikel, die sich mit RBBs neuem «Showtalk» 'Dickes B.' beschäftigen. Wieso gibt es zum Beispiel niemanden, der Überschriften wie 'Ein großer Teddybär' verbietet?

Aber zurück zu den erwähnten Einzelfällen, schließlich kann der Journalismus ein wenig Optimismus, vor allem in eigener Sache, immer gut gebrauchen. Eine ähnliche Thadeusz-Interpretation wie der «Stadt-Anzeiger» hatte David Denk im Sinn. Nur der kann das eben dann auch ausdrücken:
'taz' . Unbedingt sei hier zudem der «Tagesspiegel» angeführt, der ein reichlich schräges Interview mit Thadeusz und seiner Ko-Moderatorin Andreja Schneider geführt hat. Ein Auszug:

Wie fühlt sich Herr Thadeusz denn an?
SCHNEIDER: Sehr gut. Ich kenne Herrn Thadeusz schon ein paar Tage. Er ist ein mir gut bekanntes Fühlobjekt.
Und wie war’s für Sie, Herr Thadeusz?
THADEUSZ: Wie erwartet. Ich hatte keine Zweifel, dass Frau Schneider es nicht schaffen könnte. Sie kennt das ja: vor vielen Leuten etwas aufzuführen. So wie es mit uns beiden ist, ist es super.
Erstaunlich. Sie können ja nicht besonders mit Frauen.
THADEUSZ: Was für ein armseliger Versuch einer Provokation […]
Frau Schneider, wussten Sie von der Frauenproblematik des Herrn Thadeusz?
SCHNEIDER: Aber ja. Das ist mir auch schon selbstständig aufgefallen.

Das war´s aber auch mit den guten Nachrichten. Weiter mit den schlechten: Watchberlin wird zum Jahresende eingestellt.

Das vorläufige Ende ist mehr als das Scheitern eines Vorzeigeprojekts. Es zeigt: Die Bereitschaft von Unternehmen, sich in Werbetrailern vor Internetvideos selbst in einem vergleichsweise hochwertigen Umfeld darzustellen, ist entgegen der Hoffnung vieler Medienmacher sehr überschaubar.

Die «Süddeutsche Zeitung» (hier S. 17) muss es wissen . Apropos: Oliver Gehrs, ebenfalls Watchberliner , hat sich im neuen Haus des Münchner Blatts mal umgesehen , kann die Klagen über den Umzug zwar verstehen, hat aber ein paar Einwände:

Auch in der Kantine hat man sich sichtlich um eine spiegeleske Farbigkeit bemüht, leider ist es viel weniger psychedelisch geworden. Die Bedienungen wurden sorgfältig nach Hautfarbe gecastet, man isst nun wie im Inneren einer Benetton-Werbung. Ich hatte so eine Art Tafelspitz mit Schnittlauchsoße, nach dem man sich im Berliner Verlag – diesem schäbigen Plattenbau mit seiner Sodexo-Kantine – die Finger lecken würde. Auch sonst klagen die SZ-Mitarbeiter auf hohem Niveau.

Einziges Problem: Bald werden dort nicht mehr ganz so viele Redakteure ihr Mittagessen einnehmen - ausführlich mit der angekündigten Kündigungswelle des Süddeutschen Verlags beschäftigt sich heute die 'FR' . Sind die Sparmaßnahmen womöglich gar nicht so überlebensnotwendig, wie von den Eignern behauptet wird?


Altpapierkorb

Auch beim «Independent» werden Stellen gestrichen («FAZ», S. 40). +++ Ebenda: Sat1-Mitarbeiter schreiben einen Brief an Angela Merkel. +++ In der 'SZ' steht G+J- Zeitschriftenvorstand Bernd Buchholz – allerdings wenig aussagekräftige – Rede und Anwort. +++ Auch «Meedia» betreibt in dieser Sache Nachbereitung und denkt über weitere Kandidaten nach. +++ Die «Berliner Zeitung» findet für ebendieselbe Angelegenheit seltsame Metaphern: Jetzt fegt ein Orkan mitten durch den steinernen Riesentanker, eines der bedeutendsten Verlagshäuser Deutschlands. +++ «Publizistische Macht berauscht» titelt die «NZZ» – nein, der Artikel über das 75. Jubiläum der «Weltwoche» ist ein anderer , hier geht es um den französischen «Figaro» in der Hand des Flugzeugherstellers (böse Zungen sagen: Rüstungsunternehmers) Serge Dassault. +++ Über die Krise aus Sicht der Produktionsfirmen berichtet das 'Handelsblatt' . +++ Ebd.: Unitymedia bietet bei den Fußball-TV-Rechten mit. +++ Das US-«PC Magazine» siedelt komplett ins Netz ( 'taz' ). +++ Der VPRT erhebt Einspruch gegen die Ausweitung der Digitalkanäle von ARD und ZDF ( 'FTD' ). +++ Noch einmal ausführlich zur Stasi-Studie der ARD: Rainer Braun im 'Merkur' .

Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Montag gegen 10 Uhr.

 
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