| | | | | Unsere Medienkolumne: Altpapier vom Donnerstag20. Nov 2008 09:57  |  Und los geht´s mit der "Portfolio-Bereinigung": "Gruner + Jahr"-Vorstandschef Bernd Kundrun. | Foto: dpa |
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Wie man darüber spricht, wenn sich eine «Portfolio-Bereinigung» als kräftige Kündigungswelle erweist. Und über was die sprechen, die darüber schweigen.
Dass damit «niemand gerechnet» habe bzw. es «für alle Beteiligten ein Schock gewesen» sei, sind nur zwei Formulierungen von ziemlich vielen, die für dererlei Ereignisse in Betracht kommen. Weitere Redeweisen:
1. Nüchtern und sachlich. Beispiel
'FAZ':
Der Verlag Gruner + Jahr setzt harte Sparmaßnahmen um. Die Wirtschaftstitel der Gruppe - die «Financial Times Deutschland», «Capital», «Impulse» und «Börse Online» - werden von März 2009 an nicht mehr eigenständig, sondern von einer zentralen Redaktion in Hamburg gestaltet. Die Redaktionsstandorte in Köln und München werden geschlossen, insgesamt sechzig Redaktionsstellen fallen weg, der neuen Gesamtredaktion gehören nur mehr 250 Vollzeit-Mitarbeiter an. Ganz vom Markt genommen wird das erst 2005 gestartete Gesellschaftsmagazin «Park Avenue», dort sind 23 Stellen betroffen.
2. Noch nüchterner und sachlicher, das heißt: unter Vermeidung jeglichen Kommentars und mithilfe der indirekten Rede. Beispiel
'Berliner Zeitung':
G+J-Zeitschriftenvorstand Bernd Buchholz erklärte gestern, dass erhebliche Kostensenkungen notwendig seien. Jede einzelne Publikation für sich hätte das nicht ohne Qualitätsverlust erbringen können.
3. Mit der Häme des nicht betroffenen Kleinbürgers. Beispiel
'Spiegel Online':
Glamouröses Opfer: Nachdem der Gruner + Jahr-Vorstand aufgrund der Krise im Anzeigenmarkt «sein Portfolio einer Überprüfung unterzogen» habe, wie es in einer Pressemitteilung des Verlages heißt, hat er sich offenbar entschlossen, das Hochglanz-Magazin «Park Avenue» einzustellen.
4. Als ganz große Erzählung inkl. psychologischer Deutungsansätze (der Klassiker!). Beispiel
'Süddeutsche Zeitung':
Ende Oktober verschickte Bernd Kundrun einen Brandbrief an seine führenden Mitarbeiter. Ungewöhnlich offen sprach der Vorstandschef von Gruner + Jahr angesichts der Wirtschaftskrise von möglichen «Bereinigungen».
5. Gar nicht. Beispiel
'Park Avenue':
Sie wollten schon immer JUDO lernen? Machen Sie's mit VLADIMIR PUTIN!
Und was findet man in der «FTD» («Marktbeobachter erkennen in dem Schritt aber vor allem den letzten Versuch, die defizitäre „Financial Times Deutschland“ zu retten, deren Minus in diesem Jahr acht Millionen Euro betragen soll», heißt es in der «FAZ») an Tipps und Informationen? Ebenfalls nichts in eigener Sache, dafür umso mehr in anderer Sache.
Über die Mecom
zum Beispiel
(zu der auch die Netzeitung gehört – wir sind ja in eigenen Angelegenheiten nicht ganz so verschwiegen …). Ein «renommierter Berater der Medienbranche», der anonym bleibt, urteilt über deren Chef, David Montgomery:
Seit Montgomery nur noch brutal die Kosten herunterfährt, war klar: das geht nicht gut. Da ist keine Strategie mehr erkennbar. Das hat in der Belegschaft zu massiver Verunsicherung geführt.
Die «FTD» weiß: Montgomery sieht das anders.
«Der lautstarke Protest gegen die notwendigen Reformen kommt von einer kleinen Gruppe», sagt er. «Die meisten haben den tief greifenden Wandel verstanden.»
Und wie geht´s weiter?
«Wir räumen gerade ein wenig auf», sagt er, «und werden demnächst einige Ankündigungen zu Beteiligungen machen, denen wir keinen strategischen Wert beimessen.»
Irgendwie kommen einem diese Worte bekannt vor: da capo al fine also.
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Auch britische Zeitungen kündigen Entlassungen an: «SZ», S.15. +++ Der Auslandssender Deutsche Welle kommt nicht zur Ruhe. Am Montag stellte der Ausschuss Hörfunk und Telemedien des Rundfunkrats einvernehmlich fest, dass die massiven Vorwürfe, die in den vergangenen Monaten gegen die Berichterstattung des chinesischen Programms erhoben wurden, unbegründet seien, berichtet die
'Berliner Zeitung'
. Sowohl
'FAZ'
als auch
'Kölner Stadt-Anzeiger'
als auch das
Deutschlandradio
haben mit dem DW-Intendanten Erik Bettermann gesprochen. Das NDR-Medienmagazin «Zapp» packt derweil bereits den nächsten Skandal aus:
Video
. +++ China zum Zweiten: Beim ersten deutsch-chinesischen Mediendialog wurde offenbar recht gründlich aneinander vorbeigeredet (
'taz'
). +++ Der russische Journalist Michail Beketow wurde ins Koma geprügelt:
'taz'
sowie «FAZ». S. 40. +++ Die «Berliner Zeitung» hat mit der georgischen Journalistin Sophie Kvintradze über den Kaukasus-Konflikt und andere Probleme noch junger Medien
gesprochen
. +++ Über die schwierige Arbeit von Journalisten im Südseeinselstaat Samoa
berichtet
die «Frankfurter Rundschau». +++ Was war nochmal das Gegenteil von Akkreditierung? Genau, Diskreditierung: Der türkische Premier Erdogan entzieht sieben Journalisten die Erlaubnis, an seinen Pressekonferenzen, Reisen usw. teilzuhaben (
'KStA'
). +++ Die Krise bei ProSiebenSat1: «Zeit», S.35. +++ Ingo Arend stellt noch einmal die Herausgeber der
falschen
«New York Times» sowie weitere Kommunikationsguerilleros vor. (
'Freitag'
) +++ Wer über Fernsehqualität spricht und Käpt´n Blaubär nicht kennt, sollte zukünftig schweigen. Sagt Dietrich Leder (
'Freitag'
). +++ Neue Regeln für das Call-TV:
'taz'
. +++ Nackedeis I: Die reloadeten «St. Pauli Nachrichten» gefallen
'Spiegel Online'
nicht besonders gut: Tja, aber leider fehlt dem Blatt genau so ein Knaller. Und so ist die erste Ausgabe des neuen Magazin in etwa so frech-frivol wie Sex in der guten alten Missionarsstellung. Andererseits: Die erste Nummer klappt ja oft nicht so richtig gut. +++ Nackedeis II: Die kostenlose Konkurrenz und die Werbekrise machen auch dem «Playboy» zu schaffen. Zwölf Millionen Dollar will Christie Hefner beim Unternehmen einsparen. 80 Stellen sollen gestrichen werden, in den Büros glühen nun Energiesparlampen und Weihnachtskarten werden dieses Jahr nur online verschickt. (
'Tagesspiegel'
) +++ Marcel Reich-Ranicki, zum wievielten Mal auch immer. Diesmal jedenfalls
im Gespräch
mit «Cicero». +++ Fast hatte man sie schon vergessenen, die trötend eingeführte öffentliche Blattkritik der «Bild». Gestern war dort Henryk M. Broder
zu Gast
.
Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Freitag gegen 10 Uhr.
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