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Unsere Medienkolumne: 

Altpapier vom Montag

17. Nov 2008 10:10, ergänzt 11:02
Caren Miosga,
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Ein Linken-Abgeordneter stellt sich im Kampf gegen einen Wikipedia-Artikel selbst ein Bein – und Caren Miosga ist nun bei der ARD auch im Internet zu sehen. Neben Grafiken. Ist das wirklich erlaubt?

Zunächst wie immer das Wichtigste: Die «New York Times»-Beilage in der «Süddeutschen» ist echt. Das erkennt man an den ganzen Friedmans und Krugmans in den Autorenzeilen.

Damit aber zu einem Thema, auf das sich viele Medienjournalisten etc. einigen konnten, obwohl es schon zwei Tage alt ist: Die einstweilige Verfügung, die der Linken-Abgeordnete Lutz Heilmann gegen die Wikipedia erlassen hat (die er aber wieder zurückziehen will), wirkt noch nach. Und das Echo ist nahezu einhellig: Guter Versuch, Herr Heilmann.

Die 'Frankfurter Allgemeine Zeitung' nennt den ganzen Vorgang im Medienseitenaufmacher eine «PR-Katastrophe». Denn Heilmann, der laut eigener Homepage gegen «die falschen, ehrabschneidenden und deshalb mein Persönlichkeitsrecht verletzenden Inhalte» vorgehen wollte, die er bei Wikipedia gesehen haben will, steht nun im Ruf, wie «Handelsblatt»-Blogger Thomas Knüwer schreibt, «Millionen Menschen den Zugang zur größten freien Wissensdatenbank der Welt zu blockieren - weil er sich beleideigt fühlte». In welchem Maß Heilmann auf die Art wirklich demonstriert, dass die Linke nichts von Demokratie hält, wie Knüwer glaubt, und in welchem Maß vor allem Knüwer demonstriert, dass er nichts von der Linken hält, sei mal dahin gestellt. Die 'Süddeutsche' schreibt jedenfalls auf der Titelseite: Wenig begeistert sind auch die Verantwortlichen der Linkspartei vom Online-Feldzug ihres umstrittenen Mandatsträgers. Heilmann habe «mit Kanonen auf Spatzen geschossen», kritisiert Fraktionssprecher Hendrik Thalheim.

Wie auch immer aber – Heilmanns Vorgehen hat Folgen, so die 'FAZ':

Wikipedia-Nutzer kramten in früheren Artikelversionen – diese sind nämlich durch einen Klick abrufbar. Andere erinnerten sich an eine Schlammschlacht, über die die «tageszeitung» kürzlich berichtete. Heilmann wurde angeblich mit einem Sexshop in Verbindung gebracht. Auch die zunächst als «Wehrdienst» deklarierte Stasi-Vergangenheit des Bundestagsabgeordneten war wieder in aller Munde. Spiegel Online schreibt: «So stellt man sich selbst ein Bein.» Und die 'taz': «Lutz Heilmann, Linke-Abgeordneter, lässt seit Tagen Wikipedia sperren. Jetzt kennt jeder seine Vergangenheit.»

Wobei die weiter führenden Fragen freilich Fragen wie zum Beispiel diese aus der 'FAZ' sind: Wie verantwortlich ist Wikipedia für Inhalte, die freie Autoren beigesteuert haben?

Und damit zum zweiten in allerhand Medien präsentierten Thema: zum Internet in seiner Eigenschaft als Grauzone.

«ARD testet interaktive 'Tagesthemen'», wie der 'Spiegel' schreibt: Das eigens fürs Internet produzierte Format funktioniert zunächst genauso wie eine «Tagesthemen»-Sendung. Doch kann der Zuschauer Moderatorin Caren Miosga in der Web-Version unterbrechen und mit einem Mausklick weitere Hintergrundinformationen abrufen oder andere Nachrichtenfilme abspielen, die die ARD bereits zu dem Thema gedreht hat.

Der 'Tagesspiegel': «Tagesthemen-interaktiv» ist jenseits des Publikumstests ein medienpolitischer Testlauf. Der neue Rundfunkstaatsvertrag erlaubt ARD und ZDF nur «sendungsbezogene» Onlineaktivitäten. «TT interaktiv» bezieht sich auf das Fernsehformat und geht darüber hinaus. Erlaubt oder nicht – das ist hier die verflixt schwierige Frage.

Das eigentliche Problem fasst die «SZ» so zusammen: Das neue Produkt könnte für Unmut bei den Zeitungsverlegern sorgen, die gegen eine staatlich finanzierte Konkurrenz sind.

Wäre es anders, müsste man das Thema fast ein Nicht-Thema nennen.


Altpapierkorb

Das 'Hamburger Abendblatt' führt die Tradition des Verrisses am Tag danach weiter: eine 'Tatort'-Kritik +++ Dabei enthielt der Film doch, wie 'Bild' weiß, für Millionen «Tatort»-Zuschauer eine Überraschung: «TV-Star Maria Furtwängler (42) rauchte gestern Abend als Kommissarin »Charlotte Lindholm« einen Joint!» +++ Und noch ein Fernsehschock: Ist Uri Geller am Ende ein Hochstapler? Der 'Kölner Stadt-Anzeiger' , nein: ddp, räumt endgültig auf mit ihm und seiner ProSiebenShow über Aliens: am Schluss der Sendung war klar: Es gab definitiv kein Signal aus dem All, das ihre Existenz nachweisen könnte. +++ Auch 'Die Welt' fand Gellers Sendung nicht sooo gut. Andere schreiben sich etwas mehr in Rage: Peer Schader etwa für Spiegel Online oder Thomas Lückerath für dwdl.de +++ Und was macht die Medienkrise? Kai-Hinrich Renner erinnert sich an eine Diskussion bei den Münchner Medientagen und hat eine Mail mitgelesen – hier sein Stand zu den Sparplänen der «SZ» +++ Viele freie Journalisten fühlen sich schlecht behandelt. Jetzt regt sich Widerstand: Sie wollen kollektiv als «Freischreiber» für bessere Honorare kämpfen, schreibt die 'taz' +++ Der Politkowskaja-Mordprozess beginnt, meldet die 'Berliner' +++ Die auch den ersten RBB-«Radio-Tatort» ankündigt, gemacht vom Kollegen Tom Peuckert, die ihn aber so lala findet: Etwas mehr Mut zur Stille hätte dem Krimi sowie der Atmosphäre jedoch nicht geschadet. +++ Der 'Tagesspiegel' spricht mit zweien, die dabei eine Rolle spielen +++ Außerdem in 'Berliner' und 'Tagesspiegel' und 'taz' und 'FR' und «FAZ» (S. 38): Texte über den Fernsehkrimi «Der Tote in der Mauer» +++ Die ARD diskutiert möglicherweise weiter über die Ausstrahlung des Bambis und die Ausgestaltung des Deutschen Fernsehpreises. Damit sich niemand über Schwund beklagt, strahlt sie nun aber laut «SZ» und dwdl.de die Echo-Verleihung aus +++ Apropos: Gut, dass es Wikipedia gibt. Da steht nämlich dies: In den vergangenen sechs Jahren wurden beim Echo drei ARD-Radiosender als «Medienpartner des Jahres» ausgezeichnet +++ Elke Heidenreich wurde in die Jury des Henri-Nannen-Preises berufen («SZ», S. 15) +++ Dann gibt es die laut einem Leser 1348. Rezension von «Anne Will» im 'KStA' +++ Und Peter Unfried, der stellvertretende taz-Chefredakteur, lobt die «FAZ» – hat aber doch ein Problem, das man gravierend nennen könnte: Das Problem ist: Ich kann derzeit bei der «Berichterstattung» und Kommentierung Ypsilanti/Hessen-SPD kaum noch unterscheiden, ob das Franz Josef Wagner (Bild) hingeschmiert hat – oder ein Herausgeber oder Politikchef der FAZ. Ich bin weder ein Freund der SPD noch von verkrusteter PC: Aber diese Mischung aus Frauenfeindlichkeit, Wirtschaftsfreundlichkeit und Scheinheiligkeit ist selbst mir zu atemberaubend. Würde mich wirklich interessieren, ob die Redakteure der FAZ sich damit wohlfühlen. +++ Und nun wird es Zeit, Abschied zu nehmen: Thilo Thielke, der Ex-«Spiegel»-Korrespondent in Nairobi, nimmt Abschied, so die 'Frankfurter Rundschau', mit «Reportagen aus dem Inneren eines zerrissenen Landes».

Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Dienstag gegen 10.00 Uhr.


 
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