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Unsere Medienkolumne: 

Altpapier vom Mittwoch

15. Okt 2008 07:43
Wie schwierig es ist, so ein
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Die tollen Tage gehen weiter: Preisverleihungen, Zwist im WDR und die Ödnis der Fernsehfilmproduktion.



Es geht aber auch anders. Es gibt noch Preisverleihungen, bei denen keiner stört. Der 'KStA' weist dankenswerterweise darauf hin.

center.tv hatte geladen und alle waren gekommen. Zum ersten Mal wurde am Montagabend in Düsseldorf der Metropolitan-Fernsehpreis verliehen.

Das steht tatsächlich in einer Zeitung und nicht in einem Text, der mit Pressemitteilung betitelt ist. Aber ehe wir alles schlecht reden, werfen wir doch einen Blick auf die Liste der Lobredner:

Die Laudatoren waren Katja Burkard (RTL), Friedrich Nowottny (früherer WDR-Intendant), Heiner Bremer (n-tv Berlin), Margarete Schreinemakers, Lothar S. Leonhard (Ogilvy & Mather) und Helmut Markwort («Focus»).

Das ist doch recht ansehnlich, der «Markwort» zu dem ein «Kollege» von Reich-Ranicki. Und auch vom Höhepunkt des Abends liest man gern:

center.tv Köln-Moderator Tobias Ufer bekam den Preis in der Kategorie «Beste Moderation» für die Sendung «NetCologne Fan-TV Magazin».

Das ist doch was, sagen wir ergriffen mit Horst Köhler. Vor lauter Begeisterung hätten wir beinahe vergessen zu erwähnen, dass der «KStA» leider vergessen hat zu erwähnen, dass DuMont Anteile an Center.tv hält .

Unabhängiger Journalismus sieht irgendwie anders aus.

Schreibt die 'taz' , die auch auf der Veranstaltung war. Allerdings nicht über den «KStA», sondern die Geschäftsmodelle der Lokalsender.

Auch Elke Heidenreich, die Reich-Ranicki bekanntlich stehenden Fußes beigesprungen war, hat mittlerweile einen Preis angenommen. Die 'FR' berichtet:

Ihr wurde am gestrigen Dienstag der mit 10 000 Euro dotierte «Hans-Bausch-Mediapreis» des Südwestrundfunks überreicht. Dort traf sie auf einen der «verknöcherten Bürokarrieristen», den damit aber von ihr vielleicht doch nicht gemeinten SWR-Intendanten Peter Boudgoust. Ein neuerlicher Eklat blieb aus.

Das ist doch was, sagen wir ergriffen mit Horst Köhler. Damit es der Harmonie nicht zu viel wird, schalten wir allerdings umgehend ins WDR-Funkhaus. Dort tobt ein Streit, ob das Fernsehen nun Blödsinn ist oder nicht.

Intendantin Monika Piel möchte gern eine Debatte über die Qualität (geht allerdings auch nicht zur großen Verbesserungsdiskussion am Freitagabend im ZDF):

«Ich hoffe nur, dass dieser Anstoß jetzt auch mal von den Landesanstalten für Medien aufgenommen wird und dass die auch mal eine Qualitätsdebatte nicht immer nur über den öffentlich rechtlichen Rundfunk, sonderna uch über das kommerzielle Fernsehen führen», sagte Piel am Montag im WDR.

Zitieren wir aus der 'taz' . Der 'Tagesspiegel' weiß dagegen, dass eine von Piels Angestellten eher sauer ist:

WDR-Moderatorin Bettina Böttinger, die Mitglied der Fernsehpreis-Jury war, hat die Vorwürfe Reich-Ranickis während der Kölner Verleihungsgala zurückgewiesen.

Am Freitag auch nicht dabei ist der Drehbuchautor Markus Stromiedel. Dabei ist dessen Kritik in der 'FAZ' weitaus geeigneter, das Niveau im Fernsehen tatsächlich zu heben:

Nicht das Unerwartete wird gesucht, sondern das Vertraute, das Gewohnte, zwar in stets neuem Gewand, im Kern aber gleich. Nicht Neugier und Wagemut bestimmen das Handeln, sondern der Wunsch, einen kreativen Prozess fest im Griff zu haben, von der Idee bis zum fertigen Produkt.

Das sieht dann so aus wie der immergleiche Großteil des fiktionalen Programms:

Eine weibliche schicksalsgebeutelte Heldin spricht mehr Zuschauer an als ein männlicher Held, «Heimat» heißt Berge oder Küste, und wenn es mal krachen darf, dann überall, nur nicht in der Story. Politik geht nicht, Science-Fiction schon gar nicht, Fantasy bei Privatsendern, aber auch das nur mit Bauchschmerzen. Schicksalsstunden deutscher Geschichte eignen sich als «TV-Event», aber bitte «frauenaffin» mit weiblicher Heldin, die in sieben von zehn Fällen zwischen zwei Männern steht.

Der Nachteil: Mit solchen Argumenten kann man Thomas Gottschalk nicht kommen. Vorteil also nach wie vor Reich-Ranicki: Das Schöne an der Pauschalisierung ist, dass man sie sich immer auch vom Leibe halten kann.



Altpapierkorb

Wer heute abend niveauvoll fernschauen möchte: Das «Arte-Programm» zeigt ein Portrait Henry Kissingers von Stephan Lamby. 'Tagesspiegel' ist begeistert («vielschichtige Dokumentation»), 'FR' schildert ohne Einwände, 'taz' erkennt Inkongruenz von Kissingers Kerbholz und Sendelänge («ausreichend sind 90 Minuten dafür freilich nicht»), «FAZ» (Seite 40) und «SZ» (Seite 17) haben nichts Neues erfahren. +++ Ob das noch unter Reich-Ranickis Qualitätsbegriff fällt? Der 'Tagesspiegel' lobt den Schuldenberater Peter Zwegat, den es zu Zeiten von Bendix Grünlich leider noch nicht gegeben hat. +++ Sorge macht das Niveau des Medienbegriffs, den die Junge Union pflegt. Die fordert, dass bis zur Bundespräsidentenwahl, zu der seit gestern auch der gewesene «Tatort»-Kommissar Peter Sodann antritt, keine alten MDR-Fälle mehr ausgestrahlt werden sollen ( 'Welt-Online' ). +++ Mehr Gebührenausgleichsgeld fordert der MDR von der KEF, weil jährlich 70 000 Leute aus dem Sendegebiet abwanderten, meldet die 'FR' . Die KEF rät zu «Selbsthilfe». Der Jürgen-Emig-Prozess ist gerade zwei Wochen zu Ende. +++ Mehr Glück mit seiner Forderung durchzudringen, scheint der RBB zu haben, der Grund hier: übermäßig viele Befreiungen ( 'Berliner' ). +++ Bringen Fernsehdebatten zwischen Präsidentenkandidaten was, fragt die 'Berliner' die Fernsehduell-Expertin Diana Carlin vor dem dritten Schlagabtausch zwischen Obama und McCain und die «FAZ» sich (Seite 40). +++ Bringt ein Premiere-Abo, was es verspricht, bangen dagegen Premiere-Abonnenten. Zur Kostenersparnis wird immer weniger Sport gezeigt, berichtet die «SZ» (Seite 17). +++ Premiere wechselt derweil Vorstände aus ( 'HB' ). +++ Wovor dem Fernsehen laut Herbert Kloiber nicht bange werden muss: Finanzkrise ( 'HB' ). +++ Was gar nichts bringt: Caroline und Ernst August krank ablichten ( 'Tsp' , 'FR' , «FAZ», Seite 40) +++ Das müsste Reich-Ranicki gefallen: Die ARD-Büchersendung «Druckfrisch» mit Denis Scheck jetzt noch häufiger ( 'FR' ). +++ Und das noch mehr: Gustav Seibt bespricht Reinhard Mohns neues Buch («SZ», Seite 17). +++

Der Altpapierkorb füllt sich morgen wieder gegen 10 Uhr.

 
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