Unsere Medienkolumne: Altpapier vom Freitag10. Okt 2008 09:56  |  Da helfen keine kleinen Scheinchen: Bei Premiere sieht es täglich düsterer aus. | Foto: dpa |
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Das leidige Thema: ARD und ZDF stecken Geld in einen unsinnigen Werbespot, und Premiere müsste sich bald selbst verkaufen, um sich die Bundesliga leisten zu können. Wer von Wirtschaft mehr Ahnung hat, steht besser da.
Das hat man gerne: Nicht selbst drauf kommen, aber dann umso lauter verwundet aufschreien. Was die «Frankfurter Rundschau»
gestern mehr oder weniger objektiv darzustellen
versuchte
, nehmen
'Kölner Stadt-Anzeiger'
und
'Spiegel Online'
heute zum Anlass für die ganz große Entrüstung: den neuesten
Spot
der ARD-ZDF-Imagekampagne, der allerlei historische Menschen und Momente in den eigenen Dienst stellen will.
Das sind zwei hübsche Lehrstücke für jene Rhetorik, die man zum Glück nicht in jeder Zeitung findet; weil sie zuallererst sich selbst meint («Was der Spot gekostet hat, wollen ARD und ZDF nicht verraten, auch nicht auf Anfrage von 'Spiegel Online'.») und auch noch denkt, der Leser wäre so doof und merkte das nicht. Womit sie dem ARD-ZDF-Spot plötzlich verblüffend ähnlich sehen … (Eigenwerbung kann wirklich besser aussehen. Wie
diese
für die nächste 'Dummy'-Ausgabe zum Beispiel.)
Mit wenig Lust, noch mehr Worte darüber zu verlieren, übergeben wir an Steffen Grimberg, der in der «taz» die exakt angemessene Zahl an Worten darüber
verloren
hat, nämlich 157. 116 davon lauten:
Wann immer die Öffentlich-Rechtlichen in der Schlacht um Online in eigener Sache unterwegs sind, kommt ein mit Pathos garnierter Quark raus, der nach hinten losgeht. Die Spots, mit denen ARD und ZDF aktuell selbst wohlmeinende ZuschauerInnen zum Umschalten zu den Privaten zwingen, machen da keine Ausnahme. Und natürlich ist der Rückbezug auf die Geschwister Scholl stulle. Wie sich darüber nun der bekannte Historiker und Privatsender-Lobbyist Jürgen Doetz aufregt, allerdings auch. Die Messen in Sachen neue Spielregeln fürs Internet sind ohnehin gesungen, jetzt gebt's halt a Ruh oder agitiert die zuständigen Ministerpräsidenten höchstpersönlich. Aber lasst doch die normalen Gebührenzahler in Frieden fernsehen und steckt das Geld für die Spots lieber ins Programm. Denn da gehört es hin.
Just mit solchem Geld-ins-Programm-Stecken dürfte Premiere in Zukunft so seine Probleme haben.
Der Sender ist an der Börse keine 300 Millionen Euro mehr wert und soll demnächst um die Rechte für die Fußball-Bundesliga mitbieten. Die haben im Bezahlfernsehen zuletzt 205 Millionen Euro pro Spielzeit gekostet. Dieses Verhältnis von Börsenwert und Rechtepreis sagt eigentlich alles, findet Daniela Bergdolt von Deutschlands führender Aktionärsschutzvereinigung DSW.
Heißt es in der
'FR'
. Und nun ermittelt auch noch die Börsenaufsicht, ob die geschönten Abonnentenzahlen womöglich eine Untersuchung zur Folge haben sollten.
Entscheidend sei, von wann an Premiere von den echten Abonnentenzahlen wusste, sagt der Tübinger Rechtsanwalt Andreas Tilp. Ab diesem Zeitpunkt können sich Anleger, die im Glauben auf höhere Kundenzahlen bei Premiere engagiert waren, belogen fühlen und hätten eine juristische Handhabe.
Auch das NDR-Medienmagazin «Zapp»
berichtet
.
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Gibt es wenigstens ein paar Profiteure der Finanzkrise? Aber ja, die Sender n-tv und N24 – meint die
'Berliner Zeitung'
. Und zwar nicht nur, weil ihr vermeintliches Expertenwissen nun gefragt sei, sondern auch, weil der Finanzmarkt wieder Vertrauen schaffen muss und das angeblich ja am besten mit Werbung geht (wenn man nicht gerade völlig daneben liegt, s.o.). +++ Gutenberg, Luther, die Geschwister Scholl: Wenn sie denn noch könnten, würden sie heute womöglich die Gerichte bemühen, um der ARD-ZDF-Selbstbedienung an ihrer Persönlichkeit Einhalt zu gebieten. Ob sie damit Erfolg hätten, muss dahin gestellt bleiben: Tilmann P. Gangloff in der
'FR'
über die Möglichkeiten und Grenzen der Verwendung echter Menschen im TV. +++ Wo die Freiheit der Medien endet, wenn es um Intimitäten (und seien sie noch so seltsam) geht, hat Max Mosley, der Chef des Automobil-Verbandes Fia, gerade feststellen lassen. Der «Tagesspiegel» fasst noch einmal
zusammen:
45 Einstweilige Verfügungen sind ergangen, 50 freiwillige Unterlassungserklärungen (auch vom 'Tagesspiegel'), 50 Verfahren laufen noch. Doch Mosley will mehr. Diese Woche ging er vor den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg. +++ Die publizistische Macht eines Dichand und seines Revolverblattes ist nur so groß, wie man sie macht. (
'sueddeutsche.de'
) +++ Wie man Steuern nicht nur spart, sondern sogar zurück bekommt, hat man bei Bertelsmann herausgefunden: indem man die RTL-Verluste auf eine Tochterfirma überträgt, am besten rückwirkend. Das lukrative und juristisch enwandfreie Geschäft innerhalb der Bertelsmann-Familie sei eine klassische Win-win-Situation, heißt es aus dem Konzern. Alle würden also profitieren – außer vielleicht dem Fiskus, dem Einnahmen entgehen könnten. («SZ», S.21). +++ Schweizer Gratiszeitung «.ch» in der Krise: «FAZ», S.42, sowie
'NZZ'
. +++ Der Streit zwischen Sigrid Löffler und Michael Merschmeier über die Zukunft des Magazins «Literaturen» ist irgendwie ein wenig undurchsichtig (
'taz'
). +++ Eine Doku über US-Präsidenten-Darstellungen in Film und Fernsehen empfiehlt – mit kleinsten Einschränkungen – die
'FAZ'
. +++ «Es ist ein Jammer mit dem Radio» im Rhein-Main-Gebiet – meint Peter Lückemeier in der
'FAZ'
. +++ Die «Deutsche Welle» soll englischer werden – zum Erschrecken ihrer deutschen Mitarbeiter (
'Tagesspiegel'
).
Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Montag gegen 10 Uhr.
Für das Web ediert von Katrin Schuster |