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WDR trotzt der Kritik: 

«Dieser 'Tatort' baut sogar Vorurteile ab»

02. Okt 2008 18:15, ergänzt 18:22
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Am 19. Oktober will die ARD den Krimi «Brandmal» ausstrahlen – sie übergeht damit die Ablehnung des Zentralrats der Sinti und Roma. Beim WDR sieht man den Film in der sozialkritischen «Tatort»-Tradition.

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) will trotz heftiger Kritik seitens des Zentralrats der Sinti und Roma an der Ausstrahlung des umstrittenen Tatorts «Brandmal» festhalten. Es gebe keine Veranlassung, den Film nicht wie vorgesehen am 19. Oktober zu senden, sagte WDR-Fernsehdirektorin Verena Kulenkampff am Donnerstag. Der Zentralrat hatte am Vortag kritisiert, dass der Krimi «Brandmal» mit den Kommissaren Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) diskriminierende Stereotypen über Roma enthalte.

«Wir respektieren die Sorgen des Zentralrats der Deutschen Sinti und Roma», betonte sie. Er wende sich regelmäßig zu Recht gegen eine mit negativen Klischees behaftete Darstellungen der Roma- und Sinti-Minderheit. Bei der nun in der Kritik stehenden Tatort-Folge werde mit der Problematik jedoch sehr differenziert umgegangen. Er bestätige gerade nicht die üblichen Klischees, sondern baue in der Tradition der sozialkritischen Kölner Tatorte sogar Vorurteile ab.

Der Vorsitzende des Zentralrats Romani Rose hatte den WDR am Mittwoch aufgefordert, auf die Ausstrahlung des Tatorts zu verzichten. In einem Brief erklärte er, der Film sei «brandgefährlich», weil dort die Stigmata und negativen Klischees über die Minderheit bestätigt würden, für die es immer noch einen besonders fruchtbaren Boden in der Gesellschaft gebe. Nach Angaben des Zentralrats werden in dem Drehbuch Bürgerkriegsflüchtlinge der Roma aus dem Kosovo dargestellt, die ihre Kinder zu Taschendiebstählen zwingen. Dabei werde die ganze Palette an «diskriminierenden Stereotypen» über Roma aufgeführt.

Der Ideengeber für den Film, der Obmann des Kulturvereins österreichischer Roma Rudolf Sarközi, erklärte dagegen, der Tatort solle eine Anregung für eine nicht allzu schnelle Vorverurteilung geben. Er hatte den Film laut WDR auch während seiner Entstehungsphase begleitet.

«Tatort»-Krimis mit sozialkritischen Themen haben in der Vergangenheit mehrfach zu Protesten betroffener Minderheiten geführt. Nach einer Brandkatastrophe in Ludwigshafen in einem von türkischen Familien bewohnten Haus mit neun Toten verschob der SWR im Februar dieses Jahres einen «Tatort» mit Ulrike Folkerts, der im deutsch-türkischen Milieu der Stadt angesiedelt war, auf den 6. April. Bei seiner Ausstrahlung stieß der Film auf großes Publikumsinteresse (7,44 Millionen Zuschauer) und rege Beteiligung an der Internet- Diskussion.

Der Zorn der Aleviten

Im Dezember 2007 löste ein «Tatort» des NDR massive Proteste der alevitischen Glaubensgemeinschaft aus. Mehr als 15.000 Aleviten, die eine bestimmte Glaubensrichtung des Islam vertreten, aus ganz Europa demonstrierten in Köln gegen den Film mit Maria Furtwängler. In dem Krimi ging es um einen Inzest-Fall in einer alevitischen Familie. Die Schwester einer Schwangeren wird umgebracht, weil sie zur Aufklärung des Falls beitragen will. Die Aleviten warfen den Filmemachern vor, uralte Vorurteile wieder aufleben zu lassen. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) traf sich zwei Wochen nach der Ausstrahlung des Films mit Vertretern der alevitischen Gemeinschaft. (AP/dpa)

 
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