Unsere Medienkolumne: Altpapier vom Montag08. Sep 2008 10:07  |  Rupert Murdoch, der sich nun mit falschen Abonnenten-Zahlen bei Premiere auseinander setzen muss. | Foto: dpa |
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Zurück in die Zukunft: Murdoch fürchtet um seinen Einsatz bei Premiere, Aust schreibt für den «Spiegel» und Google ist nicht ungefährlich.
Schon geht die Frage um: Was haben wir da eigentlich gekauft?
Und wo geht sie um? Laut «Spiegel» (S.104/5) bei
'News Corporation'
, dem Medienkonzern von Rupert Murdoch, der im Januar dieses Jahres bei Premiere eingestiegen war. Und nun bei einem Blick in die Abo-Bücher nicht mehr ganz so glücklich darüber scheint.
Auf bis zu eine Million schätzen Insider die Zahl der Karteileichen sowie jener Kunden, die nicht selbst zahlen und den Sender nicht aktiv nutzen oder von ihrem Dasein als Premiere-Kunde gar nichts wissen.
Womit es also nur noch 2,5 Millionen Menschen wären, die den Bezahlsender abonniert haben und davon auch Kenntnis besitzen. Der «Spiegel» folgert, dass Murdochs Geduld mit Premiere-Chef Michael Börnicke kürzer währen dürfte als für das Projekt Pay-TV. Aber da wollte der Artikel natürlich von Anfang hin – begann er doch bereits damit, wie bekannt Murdoch dafür sei, mit seinen «Truppen» «einzumarschieren», um in der Folge bald sämtliche Büroschlüssel in seiner Hand zu sammeln.
Neues über den Mann, den viele gerne «Tycoon» nennen, erzählt Thomas Schuler bzw. erzählt Michael Wolff in seinem
Beitrag
für die «Vanity Fair», den Schuler in der «Süddeutschen Zeitung» (S.15) referiert. Wolff schreibt an einer Biografie über Murdoch, für die er sogar Mama Murdoch (99) in Australien besucht hat. Aus seiner Begeisterung für die journalistische Seele des globalen Investierers («My Space», «Wall Street Journal», «Fox», «The Times»
u.s.w.) macht er offenbar keinen Hehl. Schuler wiegelt ab:
Man kann Wolffs Ansatz als unkritisch abtun. Aber er erhielt Zugang zu Murdoch, seinen Managern und Familienmitgliedern.
Da muss man eben wissen, was man will: eine kritische Sicht auf einen, dessen Hände auf allen Medien-Pokertischen dieser Welt mitmischen. Oder doch lieber die neuesten News aus der Murdoch-Family-Corp über Haarfärbe-Versuche und seine Vorliebe für die erstbeste Frau.
Beinahe überraschender als Murdochs erneutes Problem mit Premiere ist heute eine andere Rückkehr. Fast hätte man sie übersehen, da die «Hausmitteilung» des «Spiegel» recht erfolgreich so tut, als böte die Liste der Autoren nur die üblichen Namen. Ist aber nicht so:
Der frühere «Spiegel»-Chefredakteur Stefan Aust, 62, und «Spiegel»-TV-Redakteur Helmar Büchel, 46, stießen auf Dokumente, die nahelegen, dass RAF-Häftlinge und Unterstützer in bisher unbekanntem Umfang abgehört wurden.
Der «Tagesspiegel» hat´s natürlich gemerkt und Aust deshalb darüber
ein paar Fragen
gestellt. Und Aust hat brav geantwortet:
Mit der jetzigen Chefredaktion des «Spiegel» hatte und habe ich keine Probleme. Beide, Georg Mascolo und Mathias Müller von Blumencron, sind langjährige Kollegen gewesen, mit denen ich gut zusammengearbeitet habe. Sie sind nicht für die Aktionen des früheren Geschäftsführers bzw. der Gesellschafter verantwortlich. Deshalb gab es keinen Grund, nicht in einer journalistisch wichtigen Angelegenheit zusammenzuarbeiten.
Und weiter:
Ihr nächster «Spiegel»-Artikel?
Ob ich jemals einen weiteren «Spiegel»-Artikel schreiben werde oder nicht, hängt vom Thema ab, von der Frage, ob man gern etwas von mir druckt. Ich hätte nichts dagegen, dass Geschichten, die ich schreibe, in Deutschlands nach wie vor wichtigstem Nachrichtenmagazin erscheinen.
MEHR IM INTERNET: Artikel des Tages |
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Altpapierkorb
Happy Birthday,
Google!
Wünschen
'FR'
,
'taz'
,
'FAZ'
und
andere
– natürlich nicht ohne auf all die kritischen Punkte einzugehen. Aktuell etwa: Googles neuer Browser Chrome (
'taz'
,
'FTD'
). +++ Und noch ein Medienkonzern auf Abwegen: Droht die Arvatoisierung von Bertelsmann? (
'SZ'
) +++ Nun hat der Leipziger Polizeipräsident Horst Wawrzynski doch noch zurückgeschrieben (siehe
Altpapier
vom Freitag): Die Nachrichtensperre im Fall Michelle hätte natürlich nicht für Medien gegolten, stellt er klar. Michael Hanfeld nennt den Streit in der «FAZ» (S.38) «müßig» – man müsse eben nach eigenem und besten Wissen und Gewissen handeln, wenn man über solche Dinge berichte.
'Meedia'
sprach derweil mit Peter Rzepus, seines Zeichens Chefredakteur der «Dresdner Morgenpost» und ebenfalls im Kreuzfeuer der Kritik wegen zu offensiver Berichterstattung über den Mord. +++ Dahingehend eine falsche Entscheidung getroffen zu haben, wird gerade auch der französischen Zeitung «Paris Match» vorgeworfen, nachdem sie die Taliban inklusive Trophäen porträtiert hatte, die in Afghanistan französische Soldaten ermordet hatten (
'taz'
). +++ Und noch einmal die Frage nach dem Was-darf-die-Presse-?: Die österreichische «Kronenzeitung» steht plötzlich auf Seiten der SPÖ – wie kann das sein? fragt
'Die Presse'
. +++ Wegen allzu pro-chinesischen Äußerungen vom Mikrofon verbannt: die Deutsche-Welle-Redakteurin Zhang Danhong (
'taz'
). +++ Die «Süddeutsche Zeitung» (S.15) sprach mit Makscharip Auschew, der die Leitung der Internetzeitung «inguschetyia.ru» übernommen hat, nachdem dessen früherer Besitzer Magomed Jewlojew - laut den Behörden aus Versehen - von Polizisten erschossen wurde: «Wir werden nicht schweigen». +++ Thomas Roth sprach mit
'Der Westen'
über sein Interview mit Putin, das zuerst nur in deutlich gekürzter Fassung gesendet worden war. +++ Der «Spiegel» (S. 106/7) glaubt nicht an das «System Emig», sondern vermutet ein «System ARD»: Vermutlich im Januar 2009 beginnt der Prozess gegen MDR-Sportchef Wilfried Mohren, der nicht weniger zimperlich an der Selbstbedienungstheke war. +++ Die Zeitung hat doch noch eine Zukunft – in der Nische! (
'Welt'
)+++ Günther Oettinger, CDU-Ministerpräsident in Baden-Württemberg, will den Öffentlich-Rechtlichen das Werben verbieten (
'Spiegel'
): «Mitte September wird es Gespräch zwischen SPD-Chef Kurt Beck und mir unter vier Augen zu diesem Thema geben.» – Tja,
da
waren´s plötzlich nur mehr zwei Augen ... +++ «Die Sender haben die Konfusion einigermaßen angemessen begleitet», meint Peer Schader über den SPD-Klausur-TV-Tag in seinem
Blog
.
Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Dienstag gegen 10 Uhr.
Für das Web ediert von Katrin Schuster |