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Unsere Medienkolumne: 

Altpapier vom Freitag

05. Sep 2008 09:53, ergänzt 10:51
Hat das mit der Nachrichtensperre offenbar anders verstanden als die anderen:
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Wenn Zeitungen zuviel schreiben: Die Leipziger Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Geheimnisverrats. Außerdem: Olli Kahn, Kommentator aus Karlsruhe, und andere merkwürdige Gemeinsamkeiten.

Kernaufgabe der Presse sei es, über wichtige, das Gemeinwesen betreffende oder beunruhigende Entwicklungen und Ereignisse zu berichten. Dabei müsse die Presse auch Informationen liefern, die die Betroffenen lieber nicht veröffentlicht sähen. Das gelte für VW und die Lustreisen der Betriebsräte, für die Korruptionsvorgänge bei Siemens wie für die Liechtensteiner Steueraffäre von Post-Chef Klaus Zumwinkel.

So fasst die 'FAZ' einen Teil des – 'Meedia' nennt ihn gar einen «offenen» – Briefes zusammen, den Kai Diekmann an Horst Wawrzynski, den Leipziger Polizeipräsidenten, geschrieben hat. Da hat der «Bild»-Chef aber mal wieder hübsch formuliert! Vor allem das mit den «beunruhigenden» Ereignissen dürfte vielen Journalisten eine ganz neue Definition ihrer Pflichten sein. Da stehen ihnen plötzlich Themen zur Verfügung …

Die Auflösung? Nun, es geht natürlich weder um Lustreisen noch Korruptionsvorgänge noch Steueraffären (über deren Enthüllung in «Bild» man sich ja durchaus freuen könnte, nur leider kommt das gar so selten vor). Nein, die «Betroffenen» sind auch nicht VW, Siemens oder Klaus Zumwinkel, sondern die Eltern der ermordeten achtjährigen Michelle. Sowie die Polizei, deren Ermittlungsdetails die «Bild» fröhlich ausposaunte (wenn sie sie nicht gleich frei erfand ), obwohl eine Nachrichtensperre verhängt worden war. Was zwar hier und dort und da und sogar in 'Bild' selbst auch zu lesen steht. Nur Kai Diekmann hat das eben irgendwie anders verstanden, wie sein Brief deutlich macht.

«Mit der Presse sind allenfalls Vereinbarungen möglich, von Berichterstattung abzusehen, beispielsweise um das Opfer einer Entführung nicht zu gefährden, wie im Fall Jan-Philipp Reemtsma. Im Fall Michelle wurde eine solche Vereinbarung von Ihrer Seite nie gesucht.»

Horst Wawrzynski scheint das herzlich wenig zu interessieren. Im Interview mit der «Leipziger Volkszeitung» verkündet er:

Das ist nicht hinnehmbar. Die Staatsanwaltschaft hat deshalb am Dienstag ein Ermittlungsverfahren wegen Geheimnisverrats gegen Unbekannt eingeleitet.

Derweil erregt sich «Bild», dass nicht einmal Rudi Cerne helfen darf – obwohl er sich doch so nett angeboten hat.

Worüber die Medien keinesfalls schweigen sollen – deshalb gab es gestern schließlich eine Pressekonferenz in der Münchner «Allianz Arena» –, ist der neue Job von Olli Kahn. Neben Johannes B. Kerner wird er in Zukunft und für das ZDF die Länderspiele der deutschen Nationalmannschaft kommentieren. Die «SZ» (S. 21) denkt da gleich an Mehmet Scholl, der seit diesem Sommer in ähnlichen Diensten der ARD steht.

Es ist zumindest bemerkenswert, dass ausgerechnet zwei in Karlsruhe Geborene dem gebührenfinanzierten Fernsehen fußballerischen Sachverstand schenken soll.

Ausgerechnet? Zweifelt Christopher Keil etwa an der Tauglichkeit von Karlsruhe zum Fußballer-Geburtsort? Jedenfalls sind weitere seltsame Koinzidenzen auffällig: Der «Tagesspiegel» erwähnt in seinem Bericht von der Kahn-PK ebenfalls den Müll, der noch von seinem Abschiedsspiel herumliege, und dass Kahn neuerdings seinem Gesprächspartner in die Augen guckt. Und die «taz» weist ebenfalls auf Kahns neuerdings annehmbare Rhetorik hin sowie auf seine Fähigkeit, einen Witz zu machen. Die «SZ» fasst zusammen:

Der Torwart, der anderen in den Hals biss, der Gegner wie Schränke verräumte, von dem – nachdem er einen Ball nicht hielt, der haltbar war – der Satz stammt: Dann werde er eben alleine gewinnen, Kahn also wird ein professioneller und ansehnlicher Fernsehfußballer werden.


Altpapierkorb

Der «Kölner Stadtanzeiger» berichtet nun ebenfalls, was die Öffentlich-Rechtlichen in ihren Nachrichten aus dem Referat des BBC-Chefs Mark Thompson gemacht haben (siehe Altpapier von gestern): «Über diesen Sachverhalt einigermaßen korrekt zu informieren, bereitet ARD und ZDF offensichtlich Schwierigkeiten». Tobias Kaufmann kommentiert ebenda das «Märchen von der Insel der Seriösität»: Fakt ist: Die öffentlich-rechtlichen führen ihr Publikum an der Nase herum. +++ Dieter Moor trägt nur Hemd-Hemden und lebt in einer «Arschloch-freien Zone». Die «SZ» (S.21) hat ihn zum Interview getroffen und über die Arte-Casting-Show 'Die großen Dramatiker' befragt: Ich glaube, dass Unterhaltung die einzige Möglichkeit ist, überhaupt eine Information zu transportieren – Unterhaltung oder Angst. +++ Rupert Murdochs «Wall Street Journal» bekommt ein neues Magazin namens «WJS.» («SZ», S.21). Dass Murdoch auch an der «New York Times» interessiert sei, ist ein «Gerücht, das am Mittwoch die Runde machte», heißt es da außerdem; die «NZZ» erläutert seine Investitionen in Indien. +++ Je mehr die Medien versuchen, sich ein Bild von ihr machen, desto widersprüchlicher ist der Eindruck, den die Öffentlichkeit von der Frau bekommt: Der 'Tagesspiegel' über Sarah Palin und die Medien. +++ Peer Schader findet den Erfolg bei 'stern.de' verwunderlich, die 'Welt' sieht das etwas anders: RTL-Raus-aus-den-Schulden-Berater Peter Zwegat ist wieder da! +++ Peer Schader zum Zweiten: Zuerst nur in seinem Blog , jetzt auch bei der 'FAZ' : Wie N24 eine «Debatte 2.0» erfindet, indem es – danach sieht es zumindest aus – auch gleich die Zuschauer selbst simuliert. +++ Vordergründig ging es beim Streit um die Frage, ob Mario Frank, 50, Geschäftsführer des 'Spiegels' bleibt oder vorzeitig aus seinem Vertrag entlassen wird. Eigentlich aber ging es um die Frage der Macht im Haus, und das erstmals seit dem Tod von 'Spiegel'-Gründer Rudolf Augstein. Die 'NZZ' fasst die Querelen und deren Lösungen zusammen. +++ Und freut sich nicht gerade über die «selbstverwalteten Nachrichten» von 'BlogNews' : Wer sind die Lieferanten dieser Informationen? Man trifft die üblichen Öffentlichkeits-Täter: einen Journalisten, einen PR-Agenten, diverse Blogger, die auf ihre Sites aufmerksam machen, und viele Politiker von Grünen und SP über CVP bis FDP. +++ Außerdem gibt es dort etwas über das 'Acap' zu lesen , ein Content-Protokoll, das Rechte und Zugänge zu Online-Inhalten ausführlicher regeln soll. +++ Und, und, und … Kurz gesagt: Die 'NZZ'-Medienseite ist heute einfach mal rundweg zu empfehlen. +++ Nächste Woche wollen die ARD-Intendanten entscheiden, ob man die Tour de France wieder übertragen will oder nicht ( 'Berliner Zeitung' ). +++ Neue Ideen für Verlage: Machen wir doch einfach eine Messe! ( 'FR' ) +++ Kein Fernsehtipp: Das 'Musikhotel am Wolfgangsee' – denn selbst einer der Hauptdarsteller, Sascha Hehn nämlich, gibt dem Ganzen «keine Chance» ( 'FAZ' ). +++ Wer heute beim 24-Stunden-Berlin-Projekt von Volker Heise mit aufs Bild will: Die 'Berliner Zeitung' hat die Daten und die Fakten.

Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Montag gegen 10 Uhr.

 
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