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Unsere Medienkolumne: 

Altpapier vom Mittwoch

03. Sep 2008 10:05, ergänzt 10:56
Achten Sie auf die Krawatte: Mark Thompson auf der Berliner Medienwoche
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Der BBC-Chef überrascht in Berlin. Wenn nicht durch sein Plädoyer für die Öffentlich-Rechtlichen, dann durch seine Krawatte. Außerdem: Günter Struves Abschiedsspiel.

Am Tag, an dem viele deutsche Papierzeitungen die Aufmacher ihrer Titel- und Kommentarseiten erstmals überhaupt einem Browser widmen und damit die Konvergenz der Medien vermutlich wiederum ein Stückchen vorangetrieben haben, geht es weiter hinten in den Blättern auf den Medienseiten um Stil.

Zumindest hat es die lilaschwarzgraue Krawatte, die der BBC-Director-General Mark Thompson am gestrigen Dienstag in Berlin anlegte, einigen Beobachtern angetan. Um die Konvergenz geht es zugleich ebenfalls. Schließlich ist Thompson auf Initiative des ZDF zur Medienwoche geholt worden, um «seinen deutschen Freunden bei ZDF und ARD in ihren medienpolitischen Auseinandersetzungen unter die Arme (zu) greifen» («taz»).

Das tat er sehr routiniert. So sprach er flüssig von PSP, der Abkürzung für «Public Service Publisher», was in jedem Fall gestattet, komplexe Themen in elegantere Ausführungen zu kleiden, als wenn immer erst die acht Silben «öffentlich-rechtlicher Rundfunk» ausgesprochen werden müssen.

Was Thompson in Berlin im Detail sagte - nämlich das, was ARD und ZDF auch hören wollten: «ein klares Plädoyer für den 'Public Service'-Gedanken» - bringt die 'taz' auf den Punkt. Sie steigt mit der Krawatte in ihren Text ein. Was Thompson so verdient, fand indes die «Süddeutsche Zeitung» (S. 17: «816.000 Pfund, etwas mehr als eine Million Euro, ... jährlich - das Drei-, Vierfache von dem, was ZDF-Mann Markus Schächter verdient») heraus, die mit seiner «seltsam gemusterter Krawatte» aussteigt.

Beruhigend: Die «Berliner Zeitung» hatte keine Augen für den Schlips, sondern fasst die Diskussion einfach so zusammen. Und geht im selben Artikel gleich noch auf die montägliche Diskussion «Quo Vadis Bundesliga?» derselben Veranstaltung ein: Der «konkrete Erkenntnisgewinn» hielt «sich erwartungsgemäß in Grenzen».

Ganz eindrucksvoll war es aber dennoch, schon weil Günter Struve, der im November in den Ruhestand geht, seine «letzte Podiumsrunde ...als Programmdirektor der ARD absolvierte» ('dwdl.de'). Für ihn war die launige Runde sozusagen das Abschiedsspiel (und vermutlich ein preiswerteres als das des ZDF für Oliver Kahn, das gerade 'welt.de' aufregt, allerdings anders als Struves Abschiedsspiel auch im Fernsehen übertragen wurde).

Fürs Entertainment sorgte in der Berliner Runde statt des Veteranen Struve in authentisch ruhrpöttischer Helge-Schneider-Haftigkeit der Schalke 04-Geschäftsführer Peter Peters. «Wir wären bescheuert, wenn wir jetzt sagen würden, was wir machen», zitiert ihn die «Berliner».

Selbst unter Aspekten der Stilkritik hatte diese Show etwas zu bieten: Auf der Bühne saßen neun Herren mindestens mittleren Alters, von denen acht ausgesprochen dunkle Anzüge trugen, überwiegend zu ungemusterten Krawatten. Schon das hob die Bedeutung der Bundesliga hervor, wie Moderator Joachim Huber (dunkler Anzug, keine Krawatte) eingangs bemerkte. Hier auf dem Foto springt wiederum Peters (4.v.r., hellerer Anzug, gemusterte Krawatte) besonders ins Auge.




Altpapierkorb

Alle mögen Dieter Moor, den «titel thesen temperamente»-Moderator und Nebenerwerbsbiobauern aus Hirschfelde/ Brandenburg? Nicht mehr immer uneingeschränkt. Zumindest geht Moors «Kerouac-Ansatz, der aber mehrfach von Verabredungen mit Brandenburger Künstlern durchkreuzt wird», wenn Moor heute im RBB-Fernsehen durch die Sendung 'Bauer sucht Kultur' führt, der 'taz' etwas auf die Nerven. Der 'Tagesspiegel' indes würde Moor bei solcherlei «gerne öfter begleiten». +++ Falls noch immer alle Frank Plasberg mögen sollten, so schmeißt das WDR-Fernsehen mit einer «monothematischen Talkshow» gleich noch eine Sendung mit ihm auf den Programm-Markt ('Süddeutsche'). +++ Ferner stellt die «SZ» deutsche Onlineradios vor, außer dem schon öfters vorgestellten «ByteFM» auch 'Quu.FM' wo neuerdings Bärbel Schäfer «Schäferstündchen» veranstaltet und Michel Friedman auch nicht mehr lange auf sich warten lassen soll. +++ Der 'Tagesspiegel' informiert auf der Medienseite über den befremdlichen «Antisemitismus»-Gerichtsstreit zwischen Henryk M. Broder und Evelyn Hecht-Galinski. +++ 'taz' vs. «G.R.P.», Fortsetzung. +++ «Alt-68er-Trinkerballade»? Barbara Sichtermann ('Tsp.') über «Mein Mann, der Trinker» (heute in der ARD). +++ «Wären die beiden Hauptrollen nicht mit Robert Atzorn und Franziska Walser besetzt, schliefen einem doch recht bald die Füße ein. ... Wahres Leiden sieht anders aus.» ('FR' dazu). +++ Die Inhalte der «FAZ»-Medienseite sind derzeit noch nicht frei online zu finden. U.a. wird der neue 'Neue Zürcher'-Geschäftsführer Albert P. Stäheli begrüßt. +++ Quentin Tarantino gab Christoph Waltz, diesem aus vielen deutschen Fernsehfilmen bekanntem «Muster der Verschlagenheit» ('faz.net') den Vorzug vor Leonardo di Caprio? +++ «Kreative über ihre Arbeitsgeräte, Teil 4: Moderator Tom Buhrow und sein Smartphone» ('Hamburger Abendblatt'). +++

Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Donnerstag gegen 10.00 Uhr.

 
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