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First Steps-Verleihung in Berlin: 

«Das Grauen, das in uns allen schläft»

27. Aug 2008 11:57, ergänzt 13:21
Freundinnen: Nora Tschirner, Anna Maria Mühe und Hannah Herzsprung
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Problemfilme sind das Markenzeichen der Berlinale. Und neuerdings auch der First Steps Awards: Bei der Verleihung des Nachwuchspreises ging es trotz allen Glamours düster zu – zumindest inhaltlich. Mit Video

Es ist «nur» ein Nachwuchspreis, und doch hat sich die Verleihung der First Steps Awards inzwischen zum wichtigsten Branchentreffen des Spätsommers entwickelt. Über den roten Teppich am Potsdamer Platz in Berlin liefen am Dienstagabend die wichtigsten Macher der deutschen Filmszene: Darunter Nora Tschirner, Daniel Brühl, Jasmin Tabatabai, Anna Maria Mühe, Bernd Eichinger und Hannah Herzsprung – um nur einige Namen zu nennen.

Sie alle wollten dabei sein, als zum neunten Mal Nachwuchsfilmer mit den First Steps Awards ausgezeichnet wurden. Auch der regierende Bürgermeister Klaus Wowereit kam und forderte die «Etablierten» zu «mehr Mut zum Risiko» auf.

Den bewiesen vor allem die 26 Nominierten: Bei so aufreibenden Tabuthemen wie Kindstötung und Kriegstraumata fiel es Moderatorin Nina Eichinger oft schwer, die lockere Stimmung bei den Galagästen aufrechtzuerhalten. Witze wie «Ja ich habe einen bekannten Namen, aber es heißen nun mal einfach sehr viele Menschen Nina» machten das auch nicht besser. «Schade, dass diesmal keine wirklich guten Komödien eingereicht wurden», bemängelte Jurorin Nadja Uhl.

«Der Verlust von Unschuld»

Aufheiterung brachten dagegen die hemmungslosen Jubelschreie der Gewinner – allen voran die von Schauspieler Bruno Cathomas (Schaubühne), als in der Kategorie abendfüllende Filme die Regisseurin Brigitte Maria Bertele und die Drehbuchautorin Johanna Stuttmann aus Ludwigsburg für «Nacht vor Augen» mit Hanno Koffler und Cathomas geehrt wurden.

«Das Drama dieses Films geht weit über das des Kriegsheimkehrers hinaus», las August Diehl aus der Jurybegründung. «Es geht um den Verlust von Unschuld, um die Überwindung von Angst und um das Grauen, das in uns allen schläft.» Das Spielfilmdebüt war bereits im Februar bei der Berlinale zu sehen.

Ex-Spiegel-Chef Stefan Aust erhielt den Ehrenpreis für sein Lebenswerk – und kündigte als eines seiner neuen Projekte scherzhaft an, sich nächstes Jahr selbst bei First Steps zu bewerben. Bei dem für Filmstudenten so wichtigen Format «bis 60 Minuten» gewann Mark Monheim aus München für «Mit sechzehn bin ich weg», in der Kategorie Dokumentarfilm Niko Apel mit dem Film «Sonbol» über den iranischen Mittelstand. Bei den Kurzfilmen setzte sich der Regisseur Hanno Olderdissen von der Internationalen Filmschule Köln (IFS) mit dem Sozialdrama «Robin» durch.

Mehr Spaß mit Werbung

Er konnte sich noch ein zweites Mal freuen: Der Commercial Award für den besten Werbefilm wurde ausnahmsweise zweimal vergeben – weil es so viele «angenehm durchgeknallte» Beiträge gab, so Juror Detlev Buck. Einen bekamen Olderdissen und Markus Sehr für ihren IFS-Spot «Stunt», der andere ging an Christian Mielmann und sein «Busballett» für die Coffeeshop-Kette Starbucks. «Ich muss dazu sagen, dass die uns für den Dreh noch nicht mal einen Pappbecher umsonst gegeben haben», verriet der Regisseur.

«Eigentlich ist Werbung ja bei Filmemachern verpönt, aber jetzt sind wir doch froh, nach so viel hartem Tobak endlich mal lachen zu können», kommentierte Nina Eichinger. Im Daimler Atrium feierten die Newcomer nach der Verleihung mit «alten Hasen» wie Maren Kroymann oder Hans Weingartner.

Während die Filmakademie Baden-Württemberg sich über drei von sechs Auszeichnungen freuen konnte, gingen die Hochschulen in Berlin und Potsdam-Babelsberg diesmal komplett leer aus. Zu der diesjährigen Ausschreibung waren insgesamt 164 Abschlussarbeiten von Filmstudenten eingereicht worden. Die mit insgesamt 72.000 Euro dotierten Preise sollen jungen Filmemachern den Berufseinstieg erleichtern.

Am Donnerstag, dem 28. August um 21.15 Uhr zeigt das Berliner Kino Babylon:Mitte zwei First Steps-Filme in Anwesenheit der Regisseure: «Novemberkind» über eine Flucht aus der DDR und den Kurzfilmpreisträger «Robin».

Video: Trailer zum Preisträger «Nacht vor Augen»



 
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