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netzeitung.deAltpapier vom Mittwoch

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Fotogen ist Jürgen Emig immer noch (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Fotogen ist Jürgen Emig immer noch
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Am Ende des Tages könnte die Tageszeitung nicht mehr täglich erscheinen. Auch nicht lichter als die Zukunft des Journalismus: die Vergangenheit der Sportchefs.

«Für die amerikanische Zeitungsbranche ist dieses Jahr das schlechteste aller Zeiten.»

Ach herr je. Aber halb so schlimm, denn...

«Trotzdem sind viele Dinge, die prognostiziert wurden, bisher nicht eingetreten: zum Beispiel, dass sich die Menschen vom Journalismus abwenden. Das Gegenteil trifft zu: Wenn man das Internet-Publikum dazu zählt, hat die traditionelle Presse viel mehr Leser als noch vor zehn Jahren.»

Solche im schönsten Sinne dialektischen Interviews kennt man schon aus der Reihe der «Süddeutschen», in der anglofone Experten in die «Zukunft des Journalimus» sehr besorgte Blicke werfen. Heute in der Papierzeitung (S. 15, online ausführlicher) wirft Tom Rosenstiel sie. Der Gründerdirektor des «Project for Excellence in Journalism» in Washington, das online unter der griffigen Adresse journalism.org zu finden ist, vertritt die These, dass die Tageszeitung «dort, wo sie noch existiert, ein Hybrid mit einer limitierten gedruckten Version an bestimmten Tagen sein», aber nicht mehr täglich erscheinen werde.

Schlimme Zeiten, viele Leser - gibt es denn Auswege aus dem Dilemma?

Nachdem Rosenstiel einige Antworten auf Fragen des Interviewers Stephan Weichert mit «Extrem schwer, das zu beantworten...» und «Das ist sehr kompliziert...» eingeleitet hat, hat er ein paar Vorschläge:
«Eine Lösung könnte im local search liegen, einem regionalen Äquivalent zu Googles Suchmaschine. Eine andere Lösung liegt womöglich in einer Art Vermittlungsgebühr vom Verkäufer oder Dienstleister an die Zeitung für den Fall, dass ich durch die Lektüre geworben wurde. Eine weitere Lösung wäre, eine Zugangsgebühr für Online zu erheben ...»

Wobei man mit Ausprobieren wahrscheinlich vorsichtig sein sollte. Denn:

«Wenn man zweimal auf die Nase gefallen ist, überlegt man sich, ob man noch einmal etwas macht.»

Diesen Rat gibt nun nicht mehr Rosenstiel, sondern Werner Damm. Er sagte das in seiner Funktion als langjähriger Untergebener des Sportchefs Jürgen Emig im Hessischen Rundfunk. Emig steht bekanntlich derzeit vor Gericht. Nun trat Damm als Zeuge auf. Zweimal habe er sich in Briefen an noch höhere Vorgesetzte über Emig beschwert, z.B. einmal die Bevorzugung der Mitarbeiterin Atlanta Killinger kritisiert, aus der dann Emigs Ehefrau wurde, jedoch keine Antworten erhalten. Er sei bloß «erst einmal als Moderator kaltgestellt» worden.

Von solchen Gerichtsverhandlungen, in denen einander offensichtlich nicht wohlgesonnene Ex-Kollegen Gepflogenheiten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks publik machen, berichtet man gern. Heute tun dies die 'FR' im Lokalen, 'taz' (Emig: «Habe ich dir etwa nie geholfen?» - Damm: «Du hast die Leute ganz einfach benutzt») sowie knapper «SZ» (Damm über Emig: «Er ist auf der einen Seite ein intelligenter, rede- und wortgewandter Mensch, auf der anderen Seite aber auch ungerecht und teilweise rücksichtslos») und noch knapper die «FAZ». Sie freut sich bereits auf die Aufritte des amtierenden HR-Intendanten Helmut Reitze am 3. September und seines Vorgängers Klaus Berg, der ihm als Zeuge nachfolgen wird.

So haben alle ihren Spaß. Sogar Jürgen Emig. «Er ruft dem Pressefotografen in der Mittagspause zu: 'Aber nur schöne Fotos!' Wenn ihm jemand Raffgier vorwirft, zuckt dagegen nicht mal die Augenbraue», berichtet die «taz».

In dieser Haltung lassen sich auch schlechteste Jahre seit langem durchstehen.



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Der Ehrenrat, der sich mit Stasi-Verstrickungen in der Redaktion der «Berliner Zeitung» befasst, hat am Dienstag getagt und zwei Auffassungen erarbeitet, die die Zeitung heute dokumentiert. Einer der Betroffenen, Tomas Morgenstern, «hatte am vergangenen Freitag um Aufhebung seines Beschäftigungsverhältnisses gebeten. Der Chefredakteur entsprach dieser Bitte mit sofortiger Wirkung». In seiner Eigenschaft als Geschäftsführer will der Chefredakteur bekanntlich auch ungebeten noch so manches Beschäftigungsverhältnis aufheben. +++ Daneben berichtet die 'Berliner' über den Wahlkampf, den die österreichische 'Kronen-Zeitung' «ungeniert wie selten» für die SPÖ macht, indem sie etwa den Bundeskanzler einfach aus Fotos wegschneidet. «Was da passiert, ist Nordkorea», ärgert sich ÖVP-Generalsekretär Hannes Missethon. +++ Zurück zur Zukunft des Journalismus. Könnten «Markentransfer», «Stofftransfer», «Kohorteneffekt» und bimediale Inhalte Auswege bieten? Zumindest wirft Tilmann P. Gangloff eine ganze Reihe hoch Power Point-affiner Schlagworte in die Debatte. Dazwischen zählt er, von Loriot über «Der kleine Eisbär» bis «Wickie und die starken Männer» zahlreiche Fernsehinhalte auf, die auch im Kino erfolgreich waren oder sein könnten ('Rundschau'). +++ Der Rummel um ihre Redakteurin Danhong Zhang, von deren provokanten Aussagen zugunsten des chinesischen Regimes etwa die 'Berliner Zeitung' berichtete, wurde der Deutschen Welle «offenbar zu viel». Beim Aus-der-Schusslinie-Nehmen entschied sich der Auslandssender aber «gegen die naheliegende Reihenfolge, erst in Ruhe zu prüfen und dann über Konsequenzen zu entscheiden» und muss sich nun vom 'Kölner Stadtanzeiger' «fragen lassen, wie weit es in Bonn um die innere Meinungsfreiheit bestellt ist». +++ «Chinas Staatsfernsehen sahnt kräftig ab» wg. Olympia. «Vor allem internationale Marken - allen voran die beiden deutschen Olympia-Sponsoren Adidas und Volkswagen - haben in den vergangenen Wochen versucht, ihre Werbung zur besten Sendezeit im chinesischen Staatsfernsehen zu platzieren» ('Handelsblatt'). +++ Das hat das Staatsfernsehen mit der RTL Group gemeinsam. Das «FTD»-Dossier von gestern ist inzwischen online. +++ «Eltern sind heute verunsicherter denn je», sagt Marie-Luise Lewicki, Chefredakteurin des Magazins «Eltern», die sich keineswegs verunsichert zeigte, als der 'Tagesspiegel' mal grundsätzlich nach dem Markt der Familienmagazine fragte. +++ Der historischen Gestalt des KZ-Kommandanten Amon Göth - in «Schindlers Liste» als «Goeth» von Ralph Fiennes verkörpert - geht ein Arte-Dokumentarfilm nach. 'Tsp.' und 'taz' sind angetan. +++ Noch ein «Dilemma» der Presse, bzw. der kleinen lokalen Blätter im deutschen Osten, «die einerseits mit wenig Personal auskommen müssen, anderseits aber direkt lokal mit den Aktionen der Rechten konfrontiert sind»: die Blog-bekannte Affäre um die «Torgauer Zeitung», die eine NPD-Mitteilung im Wortlaut abdruckte und sich über das Echo wunderte. Die 'taz' bleibt gelassen. +++ «Dezent geschminkt, die blonden Haare hinter die Ohren gekämmt, ein schlichtes weißes, hoch geschlossenes Oberteil»: So debütierte Laurence Ferrari in den Hauptnachrichten bei Frankreichs Privatsender TF1 («SZ», S. 15), der «zuschauerstärksten Nachrichtensendung Europas». Hier auf Video. +++

Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Donnerstag gegen 10.00 Uhr.


Für das Web ediert von Christian Bartels