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Unsere Medienkolumne: 

Altpapier vom Dienstag

26. Aug 2008 09:57
Am Morgen danach sieht die Welt wieder einmal ganz anders aus. Oder eben nicht.
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Das ist das Schöne am Morgen danach: Endlich hat man wieder Zeit. Zeit, um Sets und Studios zu besuchen. Um exquisite Radiosender und seltsame Autozeitschriften zu porträtieren. Und um beim Schreiben auch noch Stilmittel zu verwenden.

Das Schildchen «Wegen Überfüllung geschlossen» war vermutlich schon in Arbeit. Da immer wieder noch einer noch etwas über Sport, Politik und Medien sowie darüber, wie das alles zusammengehört, zu sagen hatte, wuchsen die Stehsätze der Medienseiten in den vergangenen Wochen offensichtlich deutlich an. Die schönen oder wenigstens längeren Geschichten wollten eben nie – sorry! – so recht ins Blatt passen. Nun sind sie jedenfalls alle drin.

Alice Ahlers vom «Kölner Stadtanzeiger» hat zum Beispiel (wann auch immer, der kundige Zuschauer könnte es vielleicht herausfinden) das Set von «Alarm für Cobra 11» besucht . Ja, genau, das ist diese RTL-Serie , bei der man nie weiß: Ist´s schon Parodie oder noch guter, echter Trash? So lauten sie eben, die Fragen unserer Zeit … Ahlers scheint sich da ebenfalls unsicher – oder meint sie diese Sätze über Tom Beck wirklich ernst?

Der 30-Jährige sieht nicht aus wie einer, der gerne sein Gesicht riskiert. Dafür ist es zu schön … Das Warten vertreibt er sich mit seiner Gitarre. Am liebsten spielt und singt er Songs von Jack Johnson oder Lionel Richie. Es quietscht, kracht, klirrt.

Die letzten Worte beziehen sich natürlich nicht mehr auf Becks Geklampfe, sondern auf die Action-Action nicht weit entfernt. Ein Stilmittel also. Passt immer ganz gut. Könnte man auch mal ausprobieren.

«Nicht nur Heesters, auch ein bisschen Göttlichkeit!»

Das wiederum hat Klaus Buhlert gesagt, der gerade mit Manfred Zapatka für den HR und den Deutschlandfunk die «Ilias» als Hörbuch einliest. Aufgeschrieben hat das und noch vielmehr Stefan Fischer für die «SZ» (S. 15), der das Geschehen sehr schön ausgiebig verfolgt zu haben scheint und viele bewundernde Worte für diese «Zwei-Mann-Unternehmung» findet.

Das Tolle am Radio ist, dass es im besten Fall wie eine Wundertüte funktioniert.

Und schon sind wir wieder einen Artikel weiter. Die «Ilias» mag auch eine Wundertüte sein, aber darum geht´s hier in der 'Rundschau' gar nicht. Sondern um den Internet-Radiosender byte.fm , bei dem ein paar Radiomacher der öffentlich-rechtlichen Sender ihre Freizeit verbringen. Nein, nicht «Wir nennen es Arbeit», sondern der Traum vom guten Radio soll hier verwirklicht werden. Die Frage Warum gibt es eigentlich unter dem Dach der ARD nicht einen Platz für so ein Internetradio, wenn schon so viele ARD-Leute dabei sind? stellt der Artikel zwar, lässt sich jedoch unbeantwortet.

Eine andere können wir dagegen durchaus beantworten: Was ist schwer wie ein Ziegelstein und dick wie Kerkelings Wander-Geschichten? Noch ein Hinweis gefällig? Gut: Es kostet ungefähr so viel wie zehn Liter Superbenzin. Richtig: Das Auto-Magazin 'Ramp' , ein «Drehmoment auf Hochglanzpapier» laut «Berliner Zeitung». Nix für VW- und Opelluschen. Denn es geht «nicht um Polo und Fiesta, sondern um Autos, deren Hubräume so groß sind wie die Durchschnittsverbräuche gängiger Kleinwagen.»

Auf 286 Seiten feinsten Hochglanzpapiers verkuppelt die Redaktion Drehmoment und Feuilleton.

Was darunter zu verstehen ist? Offensichtlich das:

Es werden Renngeschichte und Rallye-Geschichten geboten, aber auch eine über jemanden, der sich nach Rumänien aufmachte, um dort behinderten Kindern zu helfen.

Auch Männer haben eben ein Herz. Zumindest wenn der Hubraum stimmt.


Altpapierkorb

Was haben Günter Netzer, Thomas Gottschalk, Angela Merkel und der Möchtegernsender 9Live gemein? Sie alle sind für den «Preis der beleidigten Zuschauer» nominiert - eine unrühmliche Auszeichnung für besonders haarsträubende TV-Auftritte. ( 'SpOn' ) +++ Endlich hat man wieder Zeit. Zeit, um seriöse Untersuchungen zu verlinken: Im aktuellen «Medienheft» ist die Zusammenfassung einer Netzwerk-Recherche-Studie von Leif Kramp und Stephan Weichert erschienen. Sie handelt «Von Kanzlermachern und Politikberatern. Oder wer die politische Agenda bestimmt». +++ Und noch ein paar längere Stücke finden sich hier und da: Die 'taz' berichtet über den Radiokonzern Clear Channel, der mit seinem Moderator, dem durch-und-durch Konservativen Rush Limbaugh, auf der Erfolgswelle schwimmt und trotzdem ein paar Probleme hat. Quoten, Digitalisierung (ein Dossier dazu hat die «FTD»), Kartellbehörde, man kennt das ja. Allerdings ist Clear Channel so vielfältig mit Politikern und insbesondere den Bushs verbandelt, dass im Kongress schon republikanische Rufe laut wurden, den Medienmarkt noch weiter von der Leine öffentlicher Aufsicht zu lassen. +++ Nicht nur Radiosender leiden unter der Digitalisierung, sondern neuerdings auch die Zeitschriften – dank mygazines.com , der Tauschbörse für Papiernes ( 'taz' ). +++ Die «FAZ» (S.42) hat dicke Frauen als TV-Thema entdeckt: Sat1 wird für «Gefühlte XXS» getadelt, ZDF für «Molly & Mops» sehr gelobt. +++ Die «SZ» (S. 15) sorgt sich um das Fortkommen der mittellangen Filme – und enttarnt die Erklärungen der Sender als mehr oder weniger faule Ausreden. +++ Der «Tagesspiegel» gefällt sich derweil im Zurückblicken bzw. noch einmal Drübernachdenken: Markus Ehrenberg versucht das Phänomen «Dr. House» zu ergründen, besprochen wird der Film «50 Jahre Abendschau», und Journalisten ziehen Peking-Bilanz . +++ Von Olympia sonst kaum ein Wort (die 'FAZ' mal ausgenommen) – dafür trifft man andere alte bzw. hinlänglich Bekannte wieder: Die «FR» berichtet nun auch von der Fensterprogramme-Klage von Ulrich Wickert, das Deutschlandradio hat in selbiger Angelegenheit mit Volker Lilienthal vom 'epd medien' gesprochen ( Audiodatei ). +++ Was haben Leo Kirch und die DFL gemein? Bald vielleicht nichts mehr: 'taz' . +++ Die nächste «Wetten, dass …?»-Sendung ist in Gefahr! Wen´s kümmert: 'sueddeutsche.de' . +++ Passend dazu: Auf Sponsoring bei ARD und ZDF will die Wirtschaft lieber nicht verzichten ( 'Horizont.net' ).

Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Mittwoch gegen 10 Uhr.

 
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