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Unsere Medienkolumne: 

Altpapier vom Montag

25. Aug 2008 10:08, ergänzt 26. Aug 2008 10:06
Ab sofort schüchterner unterwegs, in der Sat.1-Telenovela
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Da war doch was? Jetzt ist´s jedenfalls vorbei – Zeit für Bilanzen, Fazits, Quintessenzen und Mängellisten. Wie füllt man nur die Lücke? Mit Anna und Tatütata.

Bis auf die Schweizer – da sorgte ein ach-wie-süß Eichhörnchen für einen TV-Totalausfall – dürften es mittlerweile alle mitbekommen haben: Die Fackel ist aus, die Olympischen Spiele sind vorbei. Mithin sind nurmehr ein paar Medaillen nachzutragen, der übrige Platz wird mit rückblickenden Zusammenfassungen und zusammenfassenden Rückblicken gefüllt.

Die «Welt» hatte offenbar viel leeren Raum zur Verfügung, denn dort tut man das gleich dreimal, zieht eine 'politische Bilanz' , eine 'Olympia-Bilanz' sowie ein 'Olympia-Fazit' . Überhaupt herrscht Selbstreflexivität allerorten, die 'FAZ' nennt die Spiele «surreal», die 'SZ' bezeichnet sie als «synthetisch», die 'Berliner Zeitung' als «virtuell», in der 'FR' heißen sie «Retortenspiele», und der 'Tagesspiegel' hat zwei Wirklichkeiten in China entdeckt. Wenigstens «Zeit Online» lässt sich was Anderes, allerdings nicht weniger schizophren Argumentierendes einfallen: Christof Siemes listet sechs Dinge, die er vermissen wird, und sechs Dinge, die er nicht vermissen wird, auf. Achten Sie auf die Dopplung!

Erwartungsgemäß weniger doppelzüngig, sondern ziemlich unmissverständlich dagegen die «Reporter ohne Grenzen» in ihrer Pressemeldung .

«Wir hatten es befürchtet. Die Olympischen Spiele in Peking waren überschattet von Festnahmen, Verurteilungen, Zensur, Überwachung und Schikanen. Über 100 Journalisten, Blogger und Dissidenten waren davon betroffen», sagte Robert Ménard, Generalsekretär von Reporter ohne Grenzen, heute bei einer Pressekonferenz in Paris.

Nicht weniger deutlich, wenn auch eher in Richtung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, füllt Michael Hanfeld die «FAZ»-Spalte auf Seite 38. Ein rechter Durchmarsch: 1. sei der Aufwand von ARD und ZDF viel zu groß gewesen, vor allem gemessen an den Quoten, die 2. kaum verwundern, da das Ganze «stinklangweilig» gewesen sei, wonach er 3. an die IOC-PR erinnert, die ohne Entgelt ins Programm gehoben wurde (siehe dazu auch 'Welt' ), sowie an die Themen, die plötzlich keine Rolle mehr spielten (Menschenrechte, Doping), und 5. Kerner noch eins mitgibt.

In den Augen der Organisatoren sieht die Bilanz freilich anders aus.

Hanfeld steht natürlich nicht alleine da. Auch der FDP-Generalsekretär Dirk Niebel und Jürgen Doetz, Präsident des Verbands Privater Rundfunk und Telemedien, fanden die Spiele zu teuer ( 'SpOn' ). Das Deutschlandradio verteilt derweil ein seltsames Lob – Für Sportreporter boten die Spiele unter der Smogglocke von Peking vertrackt optimale Gelegenheiten, alle verbalen Register zu ziehen –, ein Sprechtrainer dagegen bei 'stern.de' ein weniger zweideutiges an Franziska van Almsicks Rhetorik, «dazu ist sie hübsch und perfekt geschminkt, auch wenn die Haare in den Augen an manchem Tag etwas stören.» Und der «Tagesspiegel» weiß , warum´s so «stinklangweilig» war: Die seltsamen Helden fehlten.

Doch die fehlen nicht mehr lange: Auf RTL startet heute die Action-Soap «112 – Sie retten Dein Leben» (deren Produzent Hermann Joha selbst ein echter Kerl ist, vgl. «FAZ», S.38), auf Sat.1 startet die Telenovela «Anna und die Liebe» (Anna = Jeanette Biedermann), die die «SZ» (S.15) vehement zu «pinkfarben» findet. Woanders ( 'Berliner' , 'Tagesspiegel' ) kommt sie nicht besser weg, kaum einer lässt es sich nehmen, an «Verliebt in Berlin» zu erinnern (auch wenn manch andere Kopie noch unverkennbarer ist). Wenn überhaupt von ihr die Rede ist: David Denk erzählt für die 'taz' lieber von der Pressekonferenz statt von der Serie, während die «FR» ein Meeting der Sat.1-Verantwortlichen imaginiert .


Altpapierkorb

Nun gilt es also, die Themen von Peking über die Zeit zu retten – was heute nur dem «Kölner Stadtanzeiger» gelingt, der über die Internetzensur in der Türkei berichtet . +++ Die «taz» porträtiert Bjarne Ingmar Mädel, der zumindest in der Realität kaum als König der Nutzholzgewinnung durchgehen wird. +++ Al Gore will seinen Mitmachsender Current TV nach Deutschland bringen («SZ», S.15). +++ Frank Plasberg bekommt seine eigene Samstagabend-Show ( 'FR' ). +++ Statt Cartoon-Figuren sind im Kinderfernsehen heute echte junge Menschen gefragt. Diesen Trend weiß Disney für sich zu nutzen: Am laufenden Band produziert die Fernsehsparte mittlerweile Filme, die das Heranwachsen von kleinen Gesangstalenten zelebrieren. («Spiegel»; S.102f). +++ Seit Monaten gibt es kein Youtube-Video mehr, in dem der SPD-Chef Fragen von Frau Koch oder sonst jemandem beantwortet. Beck 2.0? Von wegen. («Spiegel», S.104). +++ Die «FTD» hat sich ein paar PDF-Magazine als mögliche Zukunft wie Konkurrenz der Printmedien angesehen – und beweist Sinn für Online, i.e. Klicks, indem sie den schmalen Artikel auf sieben Seiten streckt. +++ Kai Gniffke, Chef der «Tagesschau», wurde von der «Bild» angerufen: Wieso man denn nichts über Michelle berichte? Keine Ahnung, als was die Tagesschau-Redaktion nun wieder wieder dargestellt wird, wahrscheinlich als herzlose, gefühlskalte Nachrichten-Roboter, schreibt er im Blog der «Tagesschau». +++ Ist der Vertrag zwischen der DFL und der Kirch Firma Sirius womöglich schon geplatzt? Das behauptet jedenfalls die 'Sport Bild' (und im Anschluss daran 'dwdl' ). +++ Nun auch als Zeuge im Emig-Prozess geladen: HR-Chef Helmut Reitze ( 'kress' ). +++ Ansonsten eher fürs Herz, diesmal sichtlich was auf die Rübe: Ein paar Zuschauer prügelten sich im ZDF-Fernsehgarten berichtet 'SpOn' – vermutlich war denen auch nur stinklangweilig.

Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Dienstag gegen 10.00 Uhr.

 
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