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Unsere Medienkolumne: 

Altpapier vom Freitag

22. Aug 2008 10:01
Wo er ist, ist das ZDF: Johannes B. Kerner, freier Mitarbeiter und Jetsetter
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Im Jetlag der Vergangenheit: Kerner-Bashing als Reflex, Redakteure als Stasi-Mitarbeiter und der Streit um die Fensterprogramme.

Für heute wird Johannes B. Kerner in Peking zurückerwartet. Für den gemeinen Zuschauer mag diese Nachricht geringen Wert haben, denn der Fernseher steht doch immer am gleichen Platz – da kann es einem egal sein, ob der ubiquitäre Kerner sich nun aus Peking oder Nürnberg nachgerade andauernd von sich selbst distanziert.

Aber, hoppla. Da sind wir ja schon wieder mittendrin im Kerner-Bashing. Ein Reflex, wie der 'Tagesspiegel' festgestellt hat.

Auf Johannes Baptist Kerner wird ebenfalls eingedroschen. Muss der denn in jede Kamera grinsen? Dazu sei er nicht einmal ein richtiger Journalist, sondern nur ein viel zu weicher Moderator. Die üblichen Reflexe, das Kerner-Bashing.

Übers ZDF kann man sich beschweren, das so arm an Moderatoren zu scheint, dass es seinem besten Pferd im Stall solche Strapazen auferlegt: 7700 Kilometer hin und wieder zurück. Über die Schadstoffbilanz, die Kerners Flug verursacht, könnte man sich beschweren.

Aber über Kerner? Ingo Schmidt-Tychsen, der für den «Tagesspiegel» über das olympische Hockeyturnier berichtet, gebietet dem Bashing Einhalt:

Einen Moment: Kerner ist freier Journalist, kein Angestellter des ZDF. Man kann es ihm also schlecht verübeln, dass er auf jedes lukrative Jobangebot eingeht, solange er seine Sache dabei gut macht.

Ja, Geld stinkt nun mal nicht, und die Tonne stellt man raus, solange es regnet. Und ist deswegen freier Mitarbeiter eines Senders, dessen wichtigster Mitarbeiter man ist. Das sind die Arbeitsbedingungen im Zeitalter der lukrativen Jobangebote.

Da lernt man die DDR doch zu lieben, denn da ist alles an seinem Platz, gut und böse klar geschieden. Eine Stasi-Akte etwa, die stinkt.

Die 'Welt' hat neue Fälle von informellen Mitarbeitern («IM Heinrich» und «IM Michael Keller») bei der «Berliner Zeitung» aufgedeckt:

Am 3. Mai 1985 schrieb ein Stasi-Oberst, das MfS «stimmt dem Einsatz des Genossen Morgenstern als ADN-Korrespondent in der Volksrepublik Mocambique/Maputo zu».

Gemeint ist der Lokalredakteur Tomas Morgenstern, der sich wie sein Reporterkollege Roland Heine dem Chefredakteur vor Wochen mitgeteilt hat.

Dass die beiden neuen Fälle erst jetzt durch Medienberichte an die Öffentlichkeit kamen, habe nichts mit Vertuschung zu tun, sagte Depenbrock: «Ich wollte die beiden Mitarbeiter keiner öffentlichen Inquisition aussetzen, sondern die Empfehlung des Ehrenrates abwarten und dann die Leser informieren.»

Schreibt der 'Tagesspiegel' . Die 'taz' hat dagegen erfahren:

Dass die «Berliner Zeitung», die nach den ersten Stasi-Fällen Aufklärung angekündigt hatte, die Öffentlichkeit nicht selbst über die Existenz weiterer ehemaliger Stasimitarbeiter in der Redaktion informiert, sondern nun auf den Bericht einer Konkurrenzzeitung reagieren muss, nannte man in der Redaktion «unglücklich».

Die Meldung in eigener Sache findet sich auch in der 'Berliner Zeitung' . Dort heißt es:

Um dem Ehrenrat Gelegenheit zu einer unbeeinflussten Stellungnahme zu geben, wird die Berliner Zeitung zu den beiden gestern in einem Pressebericht dargestellten Fällen einer IM-Tätigkeit eines Lokal- und eines Politikredakteurs erst Stellung nehmen, wenn der Rat zu einer Empfehlung gelangt ist.

Am Dienstag soll der Ehrenrat über die Fälle entscheiden. Der Bericht einer Forschungsgruppe, die sich unter der Leitung des Rechtsanwalts Johannes Weberling mit dem Thema Stasi bei der «Berliner Zeitung» befassen will, wird für Oktober oder November annonciert.



Altpapierkorb

Noch ohne Termin ist ein Prozess, für den Ulrich Wickert Klage vor dem Verwaltungsgericht Hannover eingereicht hat, die angenommen wurde, wie die 'FAZ' schreibt. Wickert klagt gegen die dortige Landesmedienstalt, weil er Ungereimtheiten bei der Vergabe der «Fensterprogramme» bei RTL und Sat.1 im Zuge seiner eigenen Bewerbung erfahren hat: denn «alle Jahre gehen sie an denselben - an Alexander Kluge und seine Firma, die DCTP.» +++ Das faktische Zeitungsmonopol auf Kleinanzeigen wird nicht nur in den USA durch das Internetportal Craigslist.com angegriffen. Stephan Russ-Mohl hat für die 'NZZ' den Firmengründer Craig Newmark in San Francisco besucht, der keine Werbung macht und Geld für kritischen Journalismus stiftet: Nur zu dumm, dass Craigslist den Redaktionen weit mehr Ressourcen entzieht, als der Stifter Newmark ihnen jemals zukommen lassen kann. Anderseits kann, wer an Marktwirtschaft glaubt, schwerlich Newmark und Buckmaster vorwerfen, dass sie die bisherigen Quasimonopole der Verlagshäuser im Kleinanzeigenmarkt aufgebrochen haben. +++ Der 'FR' ist das Olympiagucken im Land der Gastgeber verleidet worden: Denn CCTV (Central China Television), der Staatssender, hat eigentlich nur die eigenen, die chinesischen Athleten im Blick. Da schätzt man sich froh, ARD und ZDF zu haben, die zeigen wenigstens auch mal, was die deutschen Athleten so treiben. +++ Hat im Vorfeld für Aufregung gesorgt, verzerrt aber nur das Bild von der Wirklichkeit: Die Sat.1-Sozialschmarotzer-Hatz «Gnadenlos gerecht» in 'Berliner' , 'taz' , 'Tagesspiegel' und 'Welt-Online' . +++ Die rechtlichen Aporien des kostenlosen Bundesligaguckens via Internet ( 'taz' ). +++ Der Anteil des Internets am US-Wahlkampf ( 'HB' ). +++ Die «Öppen Redaktion»: In Schweden konnte man einer Nachrichtenredaktion bei der Arbeit zuschauen ( 'NZZ' ). +++ In Radio und Fernsehen wird vermehrt Dialekt gesprochen ( 'Tsp' ). +++ Den polnischen Akzent im Deutschen pflegt in einer wieder mal wagemutigeren WDR-Unterhaltungssendung Achim Hagemann, einst Klavierspieler bei Hape Kerkeling. Die «SZ» (Seite 15) stellt die «Die Popolski Show» vor. +++

Der Altpapierkorb füllt sich Montag wieder gegen 10 Uhr.

 
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