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Unsere Medienkolumne: 

Altpapier vom Donnerstag

21. Aug 2008 09:51, ergänzt 10:48
Triathlon: ein Thema in Peking, aber auch im Prozess gegen J. Emig
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Öffentlich-Rechtliche gegen Verlage: eine Flut von Verwaltungsgerichtsprozessen am Horizont. Aber auch jetzt wird fleißig prozessiert: gegen das Kartellamt und Jürgen Emig. Außerdem: englisch flirten mit dem WDR.

«Auf dem Weg zur Disco treffen Can und Alex in Köln eines Nachts auf Julie und Nina. Die beiden Jungs sind sofort begeistert von den Mädchen und nach kurzem Zögern sprechen sie sie an. Es stellt sich schnell heraus, dass Julie und Nina nicht aus Deutschland sind: Die beiden kommen aus London und...»

...bilden den Aufhänger für den musikunterlegten «Online-Sprachkurs» 'Flirt English' im neuen Portal 'wissen.WDR.de'. Das liegt schon namentlich eng bei Angeboten wie 'wissen.spiegel.de' von jenen privatwirtschaftlichen Verlagen, die sich sowieso über die Online-Expansion der Öffentlich-Rechtlichen erregen.

Das «in der Tat sehr breit angelegte» WDR-Portal «ist ein erster Hinweis auf die Abgrenzungsschwierigkeiten, die es im Blick auf privat finanzierte Wissensportale geben wird», sagt der nordrhein-westfälische Medienminister Andreas Krautscheid im Interview mit dem «Kölner Stadtanzeiger».

Das Portal «muss also durch den '3-Stufen-Test'», der aus den rundfunkpolitischen Diskussionen vor der Sommerpause bekannt ist. Krautscheid gibt einen Vorgeschmack, wie diese Diskussionen weitergehen werden:
«... Jedes Wort wird auf die Goldwaage gelegt. Brüssel kennt die deutsche Diskussion bis in die kleinsten Details... Und jeder, der sich in Deutschland benachteiligt fühlt, munitioniert Brüssel. ... Klar ist auch: Wir werden demnächst Tausende von Anwendungsfällen haben; je feinziselierter wir jetzt definieren, desto mühsamer wird nachher die Arbeit sein.»

«Fürchten Sie nicht eine Flut von Verwaltungsgerichtsprozessen

Krautscheid: «In der Anfangsphase, wenn die ersten '3-Stufen-Tests' durchgeführt werden, kann es dazu kommen.»

Eine «Armada von Anwälten der Medienhäuser», nämlich Springer, Bertelsmann und ProSiebenSat1, füllte gestern bereits den «fensterlosen Saal A1 des Oberlandesgerichts Düsseldorf», in dem in der Sache Springer-Konzern gegen Bundeskartellamt verhandelt wurde. Die «Süddeutsche» (S. 17) berichtet ausführlich. Der Vorsitzende Richter Jürgen Kühnen habe durchblicken lassen, «dass es schwer sein werde, die Bedenken der Kartellwächter aus Bonn auszuräumen». Eine Entscheidung ist für den 8. Oktober angekündigt.

Und auch im Strafprozess gegen Ex-HR-Sportchef Jürgen Emig vor dem Landgericht Frankfurt wurde weiterverhandelt. Vom Auftritt des 'Ironman'-Triathlon -Veranstalters Kurt Denk als Zeugen berichten «FAZ», «SZ» und frei online 'FR'/ epd.

Außerdem gibt es News von den privatwirtschaftlichen Verlagen: Gruner+Jahr «bietet nach Informationen der 'Süddeutschen Zeitung' um die Magazinsparte von Reed Elsevier mit»; 1,3 Milliarden Euro sollen bislang geboten worden sein. Das erstaunt insofern, als dass Fachzeitschriften, wie der britisch-niederländische Verlag sie herausbringt, in bisherigen G+J-Strategien kaum eine Rolle spielen. Aber «für G+J würde ein Zukauf großes Wachstum bedeuten, das kann der Verlag gebrauchen» («SZ», S. 17).

Die Strategie des Hamburger Bauer-Verlags, «einen Zug erst einmal lange fahren zu lassen, bevor man aufspringt», nimmt René Martens in der 'Rundschau' unter die Lupe. Der Verlag agiere «auf vielen Feldern defensiv... Seit März hat man drei Titel eingestellt ('Matador', 'Revue', 'TV life'), und im Segment der billigen Frauenzeitschriften sieht man sich von kleinen Verlagen bedroht, die es noch billiger können». Erfolg habe das Unternehmen «nur im Ausland».

Völlig selbstverständlich ist Erfolg im Ausland freilich auch nicht. Die neuen Geschäftszahlen der börsennotierten britischen Mecom (zu der in Deutschland u.a. die Netzeitung gehört) liegen ebenfalls vor. Die 'taz' berichtet.




Altpapierkorb

«Eine gewisse Zusammenarbeit» zwischen dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) sowie ARD und ZDF und «kleine Gegenleistungen», die gebe es, aber Geld fließe nicht: Der 'Tagesspiegel' rekapituliert den «Fernsehstreit um Britta Steffen» (siehe Altpapier gestern). +++ Rupert Murdochs Jahresverdienst beläuft sich auf 27,5 Mio. Dollar, meldet die «SZ» nicht ohne zu erzählen, wie Murdoch «vor ein paar Jahren ... um Mitternacht in Peking» kostengünstig teuren Wein trank. +++ «Wir haben viel zu tun, um die zugekauften Unternehmen weiterzuentwickeln», zitiert die 'FTD' den Mecom-Konzernchef David Montgomery. «Rapider Kursverfall/ Die Mecom kommt in arge Nöte» («FAZ» dazu). +++ Außerdem versucht die «FAZ», einen Vergleich zwischen den «Tagesthemen» und «Switch reloaded» zu ziehen. Und der frühere ORF-Generalintendant Gerd Bacher erinnert sich, wie «nah dran» vor 40 Jahren der österreichische Sender am Untergang des Prager Frühlings war. +++ Wie die «Berliner Zeitung» 1968 darüber berichtete, ruft dies. heute in Erinnerung. +++ Thrombosegefahr für Kerner? («taz») +++ «Facettenreiche Texte oder Subtexte sucht man bei einer überwiegend patriotischen Berichterstattung der offiziellen Presse» Chinas über Olympia gerade vergeblich. «Aber es gibt sie». ('Freitag') +++ «Die senile Bettflucht ist ein Geschenk»?? «Sie treibt einen in die Arme von Olympia...» ('Tsp.'). +++ «Eines der schlimmsten herausgeberischen Verbrechen ist, Musikredakteure zu zwingen, aus der Perspektive von Rockspießern zu schreiben» (Christoph Twickel über die neue Springer-«Sounds»). +++ «Auf jeden Fall ist es ein dickes Ding mit 268 Seiten Umfang. Und wenn man dann wirklich mal die Glotze anmacht, stellt man fest, dass das meiste eigentlich nicht sehenswert ist.» (Peter Heinlein über die neue Bauer-«TV Movie digital»). +++ «Will ich zu Fuß ins Kino gehen können oder in den Wald? Brauche ich Remmidemmi zum Glück oder Ruhe?» (David Denk, 'taz', über die Zeitschriften «Liebes Land» und «Landlust»). +++ Gestern im 'Tagesspiegel': «Wie sich Single-Shows seit 'Herzblatt' verändert haben». +++ Auf der «Zeit»-Seite «Zeitläufte» erinnert Stephan Lebert in einem schön illustrierten Beitrag anlässlich des Endes der «Revue» an die «große Zeit der Illustrierten» und die Diskrepanz zwischen Hans Habe und Nina Ruge. +++

Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Freitag gegen 10.00 Uhr.

 
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