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Unsere Medienkolumne: 

Altpapier vom Mittwoch

20. Aug 2008 09:54, ergänzt 10:45
Lieber chillen als mit
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Neue Koalitionen unter den Fernseh-Sportsfreunden: Uli Hoeneß schimpft auf die ARD, die dafür von der «Bild»-Zeitung für ihre Sportberichte prämiert wird. Außerdem: Ärger über und Respekt für Britta Steffen.

Wer oder was von Uli Hoeneß beschimpft wird, kann kein ganz schlechter Mensch bzw. keine ganz schlechte Sache sein. Meistens zumindest. Insofern dürfte der Manager des amtierenden Uefa-Cup-Vize-Siegers, Bayern München, mit seinen gern wiedergegebenen Äußerungen «Ich bin sauer auf die ARD. Sie steckt hinter der Entscheidung des Kartellamts» und «Wer sagt denn, dass wir mit der ARD weiter zusammenarbeiten müssen?» immerhin frischen Wind zwischen die Fronten, in denen sich Deutschlands Sportfreunde gegenüberstehen, geblasen haben.

Der Credit, Hoeneß' «Sommerquark» (ARD-Programmdirektor Günter Struve zur «FR», ebenfalls agenturmäßig verbreitet) ursprünglich zitiert zu haben, kommt dem sympathischen Magazin «Focus Money» zu. Online macht dieses davon allerdings keinen Gebrauch; bei 'focus.de' findet sich lediglich im Ressort «Kultur» eine Meldung.

Den Satz «Ich vermute, dass die ARD hinter der Entscheidung des Kartellamts steckt», hat Hoeneß aber auch der «Süddeutschen Zeitung» anvertraut, reklamiert diese (S. 13, zurzeit ebenfalls nicht frei online) und ordnet dies so ein:
«Auffällig hatte er geschwiegen bislang in den Monaten, die sich die Deutsche Fußball Liga mit dem Bundeskartellamt wegen der geplanten Vermarktung der Fernsehrechte von 2009 bis 2015 stritt. Man konnte die Enthaltsamkeit darauf zurückführen, dass beim FC Bayern München der Vorstandsvorsitzende, Karl-Heinz Rummenigge, als Experte für Fernsehrechte gilt».

Kaum stellt sich der FC Bayern gegen die ARD, gesellt sich ein anderer wichtiger, ähnlich sympathischer Player frisch an deren Seite: die sportive Springer-Presse. Den 'Sport Bild-Award' als «beste Fernseh-Sportredaktion» haben in diesem Jahr die Dritten ARD-Programme errungen. Der ARD-Vorsitzende Fritz Raff will kommende Woche von der Saar nach Hamburg reisen, um den Preis von «Sport Bild»-Chefredakteur Pit Gottschalk persönlich entgegenzunehmen.

Ein wichtiger Player der Medienbeobachtung bleibt sich treu und attackiert aktuell die ARD-Sportberichterstattung. Die «FAZ» entnahm der 'Bild'-Zeitung die Äußerung des Bayerischen Rundfunk-Sportchefs Werner Rabe: «Wir zahlen schließlich Geld, eine Pauschale, für Interviews während Olympia» und richtete daher an die ARD-Hierarchien die Anfrage, ob das denn stimme.
Denn, «Geld für Interviews zu bezahlen, das sollte bei der ARD spätestens seit den anrüchigen Verträgen aus der Mode gekommen sein, die zu Beginn des Jahrtausends mit dem Radsportler Jan Ullrich geschlossen worden waren».

«Die Krisensitzungen bei der ARD zu dieser Frage müssen jedoch ganz schön gedauert haben», bis dann endlich die «knappe und wenig erhellende» Antwort («Der Kollege Werner Rabe war in diesem Fall nicht richtig informiert...») eintraf, freut sich die 'FAZ' berichten zu können.

Anlass von Rabes Ärger war die Weigerung der Doppelgoldgewinnerin Britta Steffen, in Waldemar Hartmanns und Harald Schmidts «Blödelsendung» («FAZ») aufzutreten. Warum auch immer sie absagte (die «Bild»-Zeitung zitiert den Experten Michael Vesper: «Sie wollte einfach chillen») - wer bei «Waldi & Harry», dem aktuell breitesten Sommerquark ('ksta.de'-Audio: «ein Alptraum mit zwei Protagonisten, von denen einer sein Talent verschleudert, das der andere nicht hat») des sog. Ersten, nicht gastiert, verdient in jedem Fall Respekt.

Andererseits könnte der eventuell unbeabsichtigt publik gewordene Deal einen Ausweg aus der aktuellen ARD/ Bayern-Krise weisen.
Falls künftig eine noch zu verhandelnde gesonderte Pauschale für den routinemäßigen «Ich finde, wir haben insgesamt ein sehr gutes Bundesligaspiel gesehen»- Quark vor Sponsorenwänden an gefragte Gesprächspartner überweisen würde, wäre womöglich auch Hoeneß wieder zufriedengestellt.




Altpapierkorb

Die «Deutsche Welle» wird nicht durch Gebühren, sondern durch Steuern finanziert, ist aber ebenfalls öffentlich-rechtlich. Daher steht nun Danhong Zhang, stellvertretende Redaktionsleiterin beim Auslandssender, in der Kritik. «Die Dame hat die Zensurversuche der chinesischen Regierung bereits im Kopf» sagt Dieter Wiefelspütz (SPD) und meint Sätze wie «Aber 'Free Tibet' oder die Seite von Falun Gong: Ich denke, hier in Deutschland kann man auch nicht jede Seite aufrufen, zum Beispiel Kinderpornografie» ('Berliner'). Freilich hat das Reflektionsniveau der o.g. Experte Michael Vesper vorgegeben. +++ Zurück zum Fußball: Heute abend ist er weder in der ARD, noch im belgischen Fernsehen, bloß im ZDF zu sehen. +++ Die ARD hingegen zeigt mit «Morgen räum ich auf» den ersten Fernsehfilm über Messies. «Was sich damit, wie mit dem Thema überhaupt nur bedingt gut verträgt, ist das poetische Flair, mit dem der Film eingefärbt ist» («SZ»). «Der ist leider nicht so doll. Esther Zimmering», die Hauptdarstellerin «weiß das auch, sie sagt es bloß nicht so» ('Berliner Zeitung'), es «liegen Verlogenheit und Wahrheit dicht beieinander» ('FR'). Immerhin, «der Anfang ist großartig» ('taz'). +++ Auch der Springer-Konzern hat wegen der anno 2006 untersagten Bild/ BamS/ Glotze-Fusion noch eine Rechnung mit dem Kartellamt offen. Heute geht sie vorm Oberlandesgericht Düsseldorf in die nächste Runde ('taz'). +++ «Rösser, Reiter und Randsportexperten»: Bernd Gäbler verteilt im 'Tagesspiegel' Noten an Sportfachreporter. +++ «So viel Öffentlichkeit herrscht für die Öffentlich-Rechtlichen selten» freut sich die «FAZ» (S. 41, derzeit nicht frei online) anlässlich des Emig-Prozesses. Siehe auch 'SZ'. +++ 'Verwertungsketten der Angst' und 'Fernsehen der Furchtgesellschaft': In großem Bogen, der auch 20 Jahre Gladbeck nicht auslässt, ärgert sich Jan Freitag über die neue Dokusoap «Gnadenlos gerecht», die «den Generalverdacht nun runter zu den Ärmsten bricht»: «Da tritt eben der Sender nach unten», Sat.1, «der mit 'Gräfin gesucht' nach oben buckelt und bald Millionären die Chance gibt, sich in 'Reiche Undercover' mit minimalem Aufwand als maximale Wohltäter der Gosse aufzuspielen, um nebenbei den Sozialstaat zu verunglimpfen». +++ Bertelsmann kann keine sozialen Netzwerke? Scheinbar doch noch, freut sich die weitgehend konzerneigene 'FTD' über den Erfolg von RTLs «Wer-kennt-wen». +++ «Mein Auftrag ist jetzt erst mal, ein verlässlich gleichbleibend gutes Heft zu machen. Letztendlich wird man dann sehen, was sich bei den Zahlen tut, und wie die Anzeigenkunden es annehmen», sagt «Vanity Fair»-Chefredakteur Nikolaus Albrecht. «Tiefer kann man kaum stapeln, aber von unten kann man sich besser steigern», sagt dazu die «SZ» (S. 13)

Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Donnerstag gegen 10.00 Uhr.

 
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