19.08.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Aus den Nachrichten hat die DFL die erneute Absage des Kartellamts erfahren.
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Was man aus den Medien erfährt, kann nichts Gutes sein: Die DFL strebt eine Klage an, und der öffentlich-rechtliche Rundfunk bekommt mal wieder nicht nur eins auf den Deckel. Plus: ein paar Lichtblicke.
Nicht jedem ergeht es wie dem viel beschworenen Normalbürger, der sich herzlich freut, wenn er
überhaupt noch etwas aus Fernsehen oder Zeitung erfährt (oder wie
Kai Gniffke, der ohne «Tagesschau» kaum mehr sein
kann). DFL-Vizepräsident
Peter Peters etwa hat sich geärgert, als er «aus den Medien» bzw. «aus den Nachrichten» nähere Bestimmungen erfolgten leider keine erfuhr, dass das Kartellamt auch das jüngste, nachträglich eingereichte Bundesliga-Vermarktungskonzept abgelehnt habe.
Die Reaktion inklusive allerlei Drohszenarien folgt selbstredend auf dem Fuße per
DPA-Meldung versteht sich: Der Vertrag mit der Kirch-Firma Sirius könnte platzen, sagt die DFL, Peters kündigte zudem eine
Klage gegen das Kartellamt an und
Oliver Bierhoff attestiert dem Land im
'Kölner Stadtanzeiger' umgehend eine «fußballfeindliche Haltung»:
Die gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung des Fußballs wird in Deutschland trotz aller Sonntagsreden der Politiker immer wieder unnötig in Frage gestellt und somit nicht angemessen gewürdigt. Tauschte man «Fußball» gegen «öffentlich-rechtlichen Rundfunk» wäre das womöglich auch ein Satz, den ARD und ZDF oft und gerne im Munde führen würden. Allerdings riefe er wohl ähnliche Gegenwehr und höhnische Reaktionen wie der mit «Fußball» hervor. Eitelkeiten sollten eben gut begründet sein, und dass dagegen gerade einiges spricht, sollte mittlerweile jeder
aus den Medien erfahren haben. Denn die wollen´s einfach nicht auf sich beruhen lassen:
Bernd Gäbler fasst bei
'stern.de' und ähnlich im
'Tagesspiegel' den Fall Emig noch einmal zusammen und endet mit Plädoyers für eine «Kultur der Offenheit» bzw. eine «Antikorruptionskultur».
Dass es sich weniger um ein «System Emig» als um ein «System öffentlicher Rundfunk» handelt, darauf insistiert auch
Michael Hanfeld in der «FAZ» (S.44). Seine Anklage richtet sich vor allem gegen die Rundfunkräte, die zwar gerne sich selbst loben, dafür
umso seltener selbst aufklären.
Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Rundfunkräte in diesem Land vor allem dazu da sind, dass die Sender alles selbst unter Kontrolle haben. Solch
traurig stimmende Anklagen kann man natürlich nicht einfach für sich stehen lassen. Direkt neben Hanfelds Artikel geht es deswegen um die guten, wahren und schönen Seiten des Fernsehens.
Die Litanei darüber, wie schlecht das Fernsehen sei, ist als Gesprächsthema ein Evergreen wie die Klage übers Wetter erstaunlicherweise auch oder gerade bei jenen, die den Apparat nur selten einschalten oder keinen besitzen. Nein,
Jörg Thomann spricht nicht von
Michael Hanfeld, sondern eher so allgemein (und vielleicht ein bisschen von
diesen Kritikern?) um anschließend eine
ziemlich dicke Lanze für die ProSieben-Sendung «Switch Reloaded» zu brechen: besser als die Wirklichkeit! Und hoffentlich bald deren Ersatz!
AltpapierkorbUnd noch ein
Lichtblick in der sich beständig verdüsternden Medienwelt: Beim Internetsender
byte.fm dürfen Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks noch Radio machen, das den Namen auch verdient hat. «Nennen wir es mal: Autorenradio» (
René Martens in der
'taz'). +++
Ebd.: ebenfalls
ein Hoch auf «Switch Reloaded», die Sendung sei zwar ein «Zeitfresser», jedoch einer mit «Erkenntnisgewinn» lautet dessen Quintessenz. +++ Und noch ein Radiomacher auf Abwegen:
Jochen Rausch, Chef von WDR 1Live, hat ein Buch geschrieben
Hans Hoff hat es
offenbar gelesen, findet es jedenfalls «höchst bemerkenswert». Was er in der «SZ» (S.15) außerdem über Rausch erzählt, ist nicht ganz so eindeutig formuliert. +++ Ebenfalls etwas zu lang und
zu kreuz und quer geraten ist
Thomas Schulers Lektüre des Buches «Rupert Murdoch's China Adventures» von
Bruce Dover, dem ehemaligen Murdoch-Repräsentanten in China (
'Berliner Zeitung'). +++ Wenigstens sie glaubt noch an die Zukunft des Fernsehens, auch wenn die eigenen Kinder vor allem
vorm PC hocken: Der «Kölner Stadtanzeiger» hat
Angela Maas, seit 2002 «frauTV»-Moderatorin, zum
Interview getroffen. +++ Außerdem wurde befragt:
Ulrich Tilgner über seine
Reise durch Afghanistan (
'Tagesanzeiger'). +++ Vielleicht die letzte Gefahr fürs Fernsehen (zumindest für heute) ist das Verwischen der
Grenzen zwischen den Medien: RTL steigt ins mobile Internet ein, Vodafone bewirbt sich um Rundfunkfrequenzen (beides «SZ», S.15).
Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Mittwoch gegen 10 Uhr.
Für das Web ediert von Katrin Schuster