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Nicht vorher animiert: die olympischen Ringe bei der Eröffnungsfeier. (Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH)

Lupe Nicht vorher animiert: die olympischen Ringe bei der Eröffnungsfeier.
Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH

Ausschneiden und Einfügen: China animiert eine alte Kunstform, die USA verschieben Live-Sendungen, und der «Spiegel» hat über den «Atlantic» geschaut.


«Macht das Internet Doof?», fragt der «Spiegel» in dieser Woche, und richtet die Titelseite so ein, dass sie an die Homepage von Google erinnert. Die Frage ist ähnlich wie die, ob Mikrowellen gefährlich sind, auf Anhieb schwer zu beantworten.

Im Text heißt es (Seite 83):

Das größte Problem des Internet ist die Kehrseite seines größten Vorteils – das Überangebot an Informationen.

Ein ähnliches Dilemma wiederum ließe sich auf die Medienbranche anwenden (das größte Problem des Internet ist die Kehrseite seines größten Vorteils – jeder kann alles finden), denn die 'SZ' hat erkannt, dass die «Spiegel»-Geschichte von einer 'Atlantic'-Geschichte inspiriert sein könnte:

«Is Google making us Stoopid?» heißt es genauso groß in der August-Ausgabe von 'Atlantic'.

Der «Atlantic»-Artikel wird im «Spiegel»-Artikel auch erwähnt – als ein Phänomen unter vielen:

«Macht Google uns dumm?» – unter dieser Titelzeile hat Carr seine Abrechnung im US-Magazin «Atlantic» zusammengefasst. Das Stück hat offenkundig einen Nerv getroffen. Die «New York Times» startete prompt eine ganze Serie über die «Zukunft des Lesens». Vom britischen «Guardian» bis zur «Zeit» und «FAZ» wird über angebliche oder tatsächliche Verblödung durchs Internet diskutiert.

Der «Spiegel» bezieht in dieser Frage laut «SZ» folgende Stellung:

Ansonsten führen die Autoren der Titelstory Klage über das verführerische Netz, in dem man leicht betrügen könne – wie manche Studenten, die ihre Seminararbeiten vor allem mit den Computerfunktionen «Kopieren» und «Einfügen» erarbeiteten..

Apropos Einfügen: SpOn meldet mit Bezug auf «Beijing Shibao» zum Spektakel der olympischen Eröffnungsfeier:

Das Feuerwerk, diese Kunstform mit so großer Tradition in China, war gefälscht. Zumindest ein Teil davon.

Nämlich

die Bilder von den «Fußabdrücken» im Himmel über der Stadt, die sich vom Stadtteil Yongdingmen südlich des Stadtzentrums auf das Stadion im Norden «zubewegten». Mehr als ein Jahr lang seien diese Sequenzen mit Computeranimation vorbereitet worden. Nur die Übertragung des letzten der 29 Fußstapfen sei live gewesen.

Im gleichen Atemzug wird gemeldet, dass das amerikanische Fernsehen den «Live»-Begriff ebenfalls offensiv ausgelegt hat, wenn auch nicht wegen Flugsicherheit und einem engen Zeitplan.

Sondern wegen der Zeitverschiebung:

Nicht nur hatte der Fernsehsender NBC anders als die weltweite Konkurrenz die Übertragung um zwölf Stunden nach hinten versetzt, um nicht im quotenschwachen Vormittagsprogramm zu landen.

Und wegen des Spannungsbogens:

Jetzt werfen Zuschauer dem Sender außerdem vor, die Reihenfolge der einmarschierenden Nationen manipuliert zu haben. Die Ankunft des amerikanischen Teams sei nach hinten geschnitten worden, um die Zuschauer am Bildschirm zu halten, behaupten Blogger im Internet.

Was die Leute auch immer über das Internet sagen: das Fernsehen, belegt diese Episode, ist ein Spiegel, in dem man sich selber sehen will. Also die amerikanische Zuschauerschaft ihr Team.

Dass die chinesischen Eröffnungsfeiergestalter (dazu ein Text über den tieferen Sinn des Ganzen in der «FAZ», Seite 33) sich ein Jahr abplagen mit Animationen eines Feuerwerks, dieser Kunstform mit so großer Tradition, scheint auf der anderen Seite des Pazifik dagegen keinen vom Hocker zu reißen.


Altpapierkorb

Vielleicht hat NBC aber auch nur falsche Vorstellungen davon, was seine Zuschauer wollen. In Deutschland jedenfalls werden, wie bei der EM bekannt geworden, bei den Fernsehquoten keine Haushalte mit Migrationshintergrund einbezogen. Die «SZ» (Seite 15) ist der Sache auf den Grund gegangen und kommt zu dem Schluss, dass dem Abhilfe zu schaffen eine politische Entscheidung wäre. +++ Erste Moderatorenkritiken von Olympia: «Waldi & Harry» haben noch Potenzial ('Tsp'), vor allem «Waldi» ('Welt-Online'). +++ «KMH» wird dagegen vorab als «Marke» gefeiert ('Tsp'). +++ Die Bilder vom Krieg im Kaukasus finden sich auf Youtube, diagnostiziert der 'KStA'. Gibt aber zu bedenken: «Ihr Wahrheitsgehalt ist nicht überprüfbar», warnt der Fernsehjournalist Ulrich Kienzle. Das ist vermutlich ganz anders bei den Bildern, die so seriöse Magazine wie «Frontal21» liefern, dessen Vorgänger Kienzle einmal vorstand. +++ Was hätte er dazu gesagt? Die 'taz' preist Kurt Tucholsky als «media watch dog» avant la lettre. +++ Das hätte Tucho «disclaimer» genannt: Die 'FTD' schreibt unter den Artikel – der von einem Buch über die Gattin Mohammeds handelt, das bei Random House nicht erscheint, weil dort die Wiederholung des Rushdie-Ärgers befürchtet wird –, dass sie zu Bertelsmann gehört. +++ Die 'FR' erzählt eine recht detaillierte Version der Geschichte. +++ Dass im Internet keiner zahlt und Google auf Dauer den dortigen Werbemarkt dominieren wird, glaubt Burda-Vorständin Christiane zu Salm im 'FAS'-Interview. +++ 359 Dollar kostet der Amazonkindle, das elektronische Buch, das 200 Bücher speichern kann, die je 9,99 Dollar kosten sollen, ist aus der 'FAS' zu erfahren. Wann der Kindle auch in .de erscheint, wird geheimgehalten – der Beitrag mutmaßt zur Frankfurter Buchmesse im Oktober. +++ Den «100-Dollar-Jobber» nennt der 'Tagesspiegel' Bob Woodward nach dessen Deal mit der «Washington Post» zur Ruhestandsvermeidung. +++ Über europäische Koproduktionen im Fernsehen, die besser zu funktionieren scheinen als die einstigen «Eurocops», und Drehen im Ausland sowie für den internationalen Markt, informiert die 'Berliner'. +++ Zum Verhältnis der Naturdokumentation zu ihrem Sendeplatz ('FR'). +++ Der 'KStA' erzählt vom Engagement des Schauspielers Hannes Jaenicke für die Orang-Utans Borneos, das am Mittwoch im ZDF filmisch belegt wird. +++ Das Ende der Axel-Hacke-SZ-Magazin-Kolumne «Das Beste aus meinem Leben» – und damit das Ende Boschs – registriert die 'taz'. +++

Der Altpapierkorb füllt sich morgen wieder gegen 10 Uhr.



Für das Web ediert von Matthias Dell