Einen Ansatz, die gewaltige Größe Chinas zu
ermessen, bietet die Vielzahl unterschiedlicher Medienberichte über dieses Land. «Schon das ganze Jahr über haben ARD, ZDF und ihre diversen Nebensender über China berichtet. Beinahe täglich gab es Reportagen und Dokumentationen über das Reich der Mitte, über Land und Leute, politische Hintergründe, kulturelle und materielle Schätze...», bilanziert der
'Kölner Stadtanzeiger' im Rahmen einer sehr allgemeinen Olympiavorschau.
Der heute aufregendste Bericht, der mit China zu tun hat, beginnt szenisch irgendwo im Weltall über dem asiatischen Raum. In der Nacht vom 16. auf den 17. Juni könnte der dort seine Kreise ziehende Eutelsat-Satellit W5 «Probleme mit seinen Sonnensegeln» gehabt haben. Infolge dieses «technischen Vorfalls» habe man «vier sogenannte Transponder ...abschalten müssen, heißt es bei Eutelsat, um den Satelliten weiter nutzen zu können, 24 Programme habe man streichen müssen, um wenigstens noch 20 weitere zu übertragen».
Michael Hanfeld geht in der
'FAZ' ausführlich der Story nach, die der
'Tagesspiegel' heute knapp-salopp auf den Nenner
«Freier China-Sender abgeschaltet» bringt, die neulich bereits in der
'Rundschau' stand und auf einen
Bericht der Reporter ohne Grenzen zurückgeht. Das hochinteressante 61-seitige chinesisch-englische Transkript
(«Hello, is this Eutelsat Beijing Office?» - «Yes. Who's calling?» - «This is the Central Propaganda Department... »;
PDF-Download) war hier im Altpapier bereits verlinkt.
Neu ist, dass die «FAZ» die Position des französischen Satellitenbetreibers Eutelsat («Man habe alle Kunden ermutigt, nach Lösungen auch bei anderen Anbietern zu suchen, doch habe der chinesische Sender NTD-TV davon keinen Gebrauch gemacht...») mit Erfahrungen des abgeschalteten Senders («Das amerikanische Unternehmen Intelsat allerdings geht nicht besser... mit dem chinesischen Sender um. Im Gegenteil. Seit vielen Jahren versuche man, einen Vertrag mit Intelsat zu bekommen, das auch über große Sendekapazitäten in Asien verfügt ohne Erfolg.») und weiteren Koinzidenzen kontrastiert:
«Bei NTD-TV wird zudem notiert, dass die Firma Alcatel, der größte Gesellschafter von Eutelsat und Hersteller der W5-Satelliten, kurz vor dem Auftauchen des 'technischen Problems' einen Vertrag im Wert von einer Milliarde Dollar mit dem chinesischen Regime abgeschlossen habe».
Es gibt aber auch aktuell wieder tendenzielle Fortschritte aus China zu vermelden. Von der ersten Pressekonferenz überhaupt, die Staats- und Parteichef Hu Jintao vor westlichen Journalisten abhielt, berichtet der Teilnehmer Georg Blume in der «Zeit» (S. 5, derzeit nicht frei online):
Im «FR»-Artikel kommt auch der freie Journalist
Marvin Oppong vor, der im Namen der Transparenz den WDR verklagte. Oppong ist heute in der
'taz' zu lesen als Coautor des Artikels «Viele Deutsche lesen Quatsch». Es geht um die
'Gesellschaft für Rationelle Psychologie', die gern zitierte Studien wie «Fast jeder zweite Mann will eine blonde Frau»
generiert bzw. «seit Jahrzehnten mit unseriösen Studien Schlagzeilen» macht
('Zeit Wissen'). Das geschieht im Auftrag vieler Medien, aber womöglich nicht soo vieler Medien, wie die Gesellschaft behauptete. +++ Er «benimmt sich so, als sei seine Leserschaft eine riesige Therapiegruppe, die er distanzlos mit schlichten Gedanken und Altherrenfantasien traktieren darf. Er lässt alles raus, er müllt sich aus, unsortiert, ungefiltert und wohl meist unredigiert. Man will ja eigentlich gar nicht wissen, wie es in seinem Kopf aussieht, aber es muss wohl so eine Art Stammtischhirn sein, in dem lauter zerknüllte 'Bild'-Zeitungen herumliegen»: Da
gratuliert Hans-Hermann Kotte dem 'Bild'-Zeitungs-Kanalarbeiter
Franz Josef Wagner zum 65. Geburtstag
('KStA'). +++ Der
«umschwärmteste Mann der internationalen Medienszene»: nicht Hu Jintao, sondern
Geyer Kosinski. Schließlich ist er u.a. Berater von
Angelina Jolie und Brad Pitt. Wie die deutschen Blätter «Bunte» und «Gala» zu deren Zwillingsfotos kamen, schildert der
'Tagesspiegel'. +++ Was gestern in der
'taz' stand, führt die
'Berliner' fort: Der homophobe Text im «Anzeigenblättchen» «Al-Salam» sei «kein Einzelfall». +++ «Die großen englischsprachigen Fernsehanbieter bekommen die Turbulenzen auf dem Werbemarkt mit
voller Wucht zu spüren». Die
'FTD' trägt Geschäftszahlen zusammen. +++ ProSiebenSat1 befindet sich zu diesem Trend bereits auf Augenhöhe. Die
'taz' findet passend, dass auf der
Investoren-Webseite der Sendergruppe oben
Stefan Raab mit
blauem Auge grüßt. +++ «Macht eine europäische Sendergruppe mit einem schwachen deutschen Kerngeschäft und Minisendern von Norwegen bis Rumänien überhaupt strategisch Sinn? Vielleicht ist auch eine
Zerschlagung die bessere Option», kommentiert das
'Handelsblatt'. +++
Ebd. beschreibt
Hans-Peter Siebenhaar, wie ORF-Generaldirektor
Alexander Wrabetz einen Spar-Kraftakt zu vollbringen versucht, den ARD und ZDF «noch vor sich» haben. +++
Nicolas Sarkozy «versucht..., die Medien seines Landes gleich- und missliebige Nörgler
auszuschalten», empört sich die
'Berliner Zeitung'. +++ Nach dem ZDF
('taz' neulich) muss auch die ARD eine vom IOC nach IOC-Angaben «in primetimefähiger Qualität» produzierte Olympia-Doku ausstrahlen
('taz' heute): 'Peking - eine Stadt im Wandel durch Olympia'. Zum Glück hat auch die ARD genügend wenig beachtete Nebenkanäle wie «EinsFestival», auf denen so etwas kaum stört. +++
«Die Bereiche Fusionskontrolle bei Medien und die kartellrechtliche Prüfung der Vergabe der Fußballrechte sind zwei unterschiedliche Spielfelder. Die beiden Fälle Springer/ Pro Sieben Sat 1 und DFL haben nichts miteinander zu tun», sagte Kartellamtspräsident
Bernhard Heitzer der «SZ» (S. 13), die ausführlich berichtet, dass sich auf dem Spielfeld der Fußballrechte-Vergabe
nichts Neues zugetragen hat. +++ Außerdem geht's auf der «SZ»-Medienseite um «Todesdrohungen gegen kritische Journalisten in Kroatien» und um die
Flucht der
'ingushetiya.ru'-Chefredakteurin
Rosa Malsagowa mit ihren drei Söhnen nach Europa (siehe auch
'taz'). +++ Eine Zeitschrift, die sich als
«Gebetssammlung» versteht und «zum Dialog zwischen dem tibetischen und dem chinesischen Volk» beitragen möchte, entdeckte
Christoph Twickel am Kiosk. +++
Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Freitag gegen 10.00 Uhr.